Frösche

Himalaya-Frosch (Nanorana liebigii)

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Himalaya-Frosch (Nanorana liebigii)

Bildquelle: sushil kumudini chikane / shutterstock.com

Zusammenfassung

Der Himalaya-Frosch ist einer der am höchsten lebenden Frösche der Welt und kommt in Höhenlagen von bis zu 5.000 Metern vor. Er ist perfekt an das extreme Klima des Hochgebirges angepasst und kann auch bei Wassertemperaturen nahe dem Gefrierpunkt aktiv sein. Die Art lebt an klaren Bergbächen und alpinen Seen der Himalaya-Region.

Der Himalaya-Frosch ist einer der am höchsten lebenden Frösche der Welt und kommt in Höhenlagen von bis zu 5.000 Metern vor. Er ist perfekt an das extreme Klima des Hochgebirges angepasst und kann auch bei Wassertemperaturen nahe dem Gefrierpunkt aktiv sein. Die Art lebt an klaren Bergbächen und alpinen Seen der Himalaya-Region.

Steckbrief: Himalaya-Frosch (Nanorana liebigii)
Wissenschaftlicher NameNanorana liebigii
OrdnungFroschlurche (Anura)
FamilieDicroglossidae
GattungNanorana
Größe5–10 cm
Gewicht20–50 g
Lebenserwartung5–10 Jahre
VerbreitungHimalaya-Region (Nepal, Nordindien, Südwestchina, Bhutan)
LebensraumHochgebirgsbäche, alpine Seen, Feuchtgebiete (2.000–5.000 m)
SchutzstatusNicht gefährdet (LC) – IUCN

Beschreibung & Aussehen

Der Himalaya-Frosch ist ein mittelgroßer, kräftig gebauter Frosch mit einer Körperlänge von 5–10 cm. Die Oberseite ist olivbraun bis graubraun gefärbt mit dunklen Flecken und Marmorierungen, die eine hervorragende Tarnung auf dem steinigen Untergrund der Bergbäche bieten. Die Unterseite ist weißlich bis gelblich.

Die Haut ist relativ glatt mit kleinen Warzen und Drüsenleisten an den Flanken. Die Hinterbeine sind kräftig mit gut entwickelten Schwimmhäuten, die ihn zu einem starken Schwimmer in den schnell fließenden Berggewässern machen. Die Schnauze ist abgerundet, und die Augen sind groß und nach oben gerichtet. Die Art zeigt eine beträchtliche Größenvariation je nach Höhenlage – Tiere in höheren Lagen bleiben tendenziell kleiner.

Verbreitung & Lebensraum

Der Himalaya-Frosch ist in der gesamten Himalaya-Region verbreitet – von Nepal über den Norden Indiens (Uttarakhand, Sikkim, Arunachal Pradesh) und Bhutan bis in den Südwesten Chinas (Tibet, Yunnan, Sichuan). Er kommt in einem enormen Höhenspektrum von 2.000 bis 5.000 m vor und gehört damit zu den am höchsten lebenden Amphibien der Welt.

Die Art bewohnt klare, kalte Bergbäche, alpine Seen, Gletscherseen und Feuchtgebiete oberhalb der Baumgrenze. Sie ist an extreme Umweltbedingungen angepasst: niedrige Temperaturen, starke UV-Strahlung, niedrigen Luftdruck und saisonale Eisbedckung der Gewässer. In den höchsten Lagen lebt sie in einer Landschaft aus Fels, Geröll und spärlicher alpiner Vegetation.

Lebensweise & Verhalten

Der Himalaya-Frosch ist an das extreme Hochgebirgsklima angepasst und kann bei Wassertemperaturen nahe dem Gefrierpunkt aktiv sein. Er verbringt den Großteil des Jahres im oder am Wasser und sonnt sich auf Steinen am Ufer. Bei Störung taucht er blitzschnell ins kalte Wasser ab und versteckt sich unter Steinen.

In den Wintermonaten hält er eine Winterruhe, die je nach Höhenlage 4–7 Monate dauern kann. Er überwintert auf dem Gewässergrund unter Steinen oder im Schlamm, wo er durch die Haut Sauerstoff aus dem Wasser aufnimmt. Seine Stoffwechselrate ist an die niedrigen Temperaturen angepasst, und er kann auch unter einer geschlossenen Eisdecke überleben. In den kurzen Sommermonaten ist er tagaktiv und nutzt die wenigen warmen Stunden zum Sonnenbaden und zur Jagd.

Ernährung

Der Himalaya-Frosch ernährt sich von Wirbellosen der Hochgebirgsfauna. Hauptbeute sind Insekten (Eintagsfliegen, Steinfliegen, Köcherfliegen und deren Larven), Spinnen, Asseln und kleine Schnecken. Die Nahrungsverfügbarkeit ist in den hohen Lagen begrenzt und stark saisonal – die meiste Nahrung wird in den kurzen Sommermonaten aufgenommen.

Die Kaulquappen ernähren sich von Algenaufwuchs auf Steinen in den kalten Bergbächen und Seen. Die niedrigen Wassertemperaturen verlangsamen ihre Entwicklung erheblich – die Kaulquappenphase kann über einen Winter andauern. In einigen Populationen überwintern die Kaulquappen unter der Eisdecke.

Fortpflanzung

Die Fortpflanzung findet in den kurzen Sommermonaten statt, typischerweise von Mai bis Juli, sobald die Gewässer eisfrei werden. Die Männchen rufen leise aus dem flachen Wasser heraus. Die Paarung findet im Wasser statt, oft in ruhigen Buchten von Bergbächen oder in flachen Bereichen alpiner Seen.

Das Weibchen legt mehrere hundert Eier in kleinen Klumpen ab, die an Steinen oder Wasserpflanzen befestigt werden. Die Entwicklung verläuft aufgrund der niedrigen Temperaturen extrem langsam: Die Kaulquappen schlüpfen nach 2–4 Wochen und benötigen mehrere Monate bis über ein Jahr für die Metamorphose. In höheren Lagen können die Kaulquappen zwei Sommer für die Entwicklung benötigen und überwintern als Larven unter dem Eis.

Haltung im Terrarium

Die Haltung des Himalaya-Froschs in Gefangenschaft ist äußerst selten und erfordert spezielle Kaltwasserbedingungen, die in normalen Terrarien nur schwer zu realisieren sind. Ein Kaltwater-Aquaterrarium mit Temperaturen von 5–15 °C, einem starken Filter und einer Strömungspumpe wäre notwendig.

Die Art wird im Handel nicht angeboten und ist für die private Haltung nicht geeignet. Stattdessen ist sie ein Forschungsobjekt in wissenschaftlichen Institutionen, die sich mit Hochgebirgsökologie und Anpassungen an extreme Umweltbedingungen beschäftigen. Der Schutz seiner natürlichen Lebensräume ist der beste Beitrag zum Erhalt dieser Art.

Gefährdung & Schutzstatus

Der Himalaya-Frosch wird von der IUCN als „Least Concern" eingestuft, da er ein großes Verbreitungsgebiet hat und in vielen Schutzgebieten des Himalaya vorkommt. Die Populationen gelten insgesamt als stabil, obwohl systematische Bestandserfassungen in den schwer zugänglichen Hochgebirgsregionen schwierig sind.

Die größte langfristige Bedrohung ist der Klimawandel, der die Gletscher und alpinen Ökosysteme des Himalaya verändert. Steigende Temperaturen könnten die Verbreitungsgebiete nach oben verschieben, wobei es in den höchsten Lagen keine Ausweichmöglichkeiten gibt. Auch die Verschmutzung von Gewässern durch Tourismus und Siedlungen in höheren Lagen stellt eine zunehmende Bedrohung dar. Der Schutz der Hochgebirgsökosysteme und die Begrenzung des Klimawandels sind entscheidend für das langfristige Überleben dieser bemerkenswerten Hochgebirgsart.

Quellen

  1. AmphibiaWeb: Nanorana liebigiiamphibiaweb.org
  2. IUCN Red List: Nanorana liebigiiiucnredlist.org
  3. Schleich, H. H. & Kästle, W. (2002): Amphibians and Reptiles of Nepal. A.R.G. Gantner Verlag.
  4. Che, J. et al. (2010): Phylogeny of Raninae and the evolution of high-altitude adaptation. Molecular Phylogenetics and Evolution, 55(3), 1025–1038.
  5. Frost, D. R. (2023): Amphibian Species of the World. American Museum of Natural History – amphibiansoftheworld.amnh.org

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