Der Grotten-Salamander (Eurycea spelaea) ist einer der faszinierendsten Höhlenbewohner Nordamerikas. Seine Larven leben in Höhlengewässern und besitzen funktionsfähige Augen und Pigmentierung. Mit zunehmender Reife verliert der Salamander jedoch seine Augen und seine Körperfärbung – ein beeindruckendes Beispiel für die Anpassung an das vollständige Höhlenleben (Troglobiont).
| Wissenschaftlicher Name | Eurycea spelaea |
| Ordnung | Schwanzlurche (Caudata) |
| Familie | Lungenlose Salamander (Plethodontidae) |
| Gattung | Eurycea |
| Größe | 7–13 cm |
| Gewicht | 2–6 g |
| Lebenserwartung | 10–15 Jahre |
| Verbreitung | Missouri und Arkansas (USA) |
| Lebensraum | Kalksteinhöhlen und unterirdische Gewässer |
| Schutzstatus | Nicht gefährdet (LC) – IUCN |
Beschreibung & Aussehen
Der Grotten-Salamander durchläuft eine bemerkenswerte Verwandlung im Laufe seines Lebens. Larven und Jungtiere sehen wie typische Bachsalamander aus – sie sind bräunlich gefärbt mit funktionsfähigen Augen und äußeren Kiemen. Mit zunehmender Reife und dem dauerhaften Aufenthalt in der Dunkelheit der Höhlen verlieren die Tiere progressiv ihre Augen und ihre Hautpigmentierung.
Erwachsene Tiere sind blass rosa bis weiß und besitzen nur noch rudimentäre, unter der Haut verborgene Augen. Sie erreichen eine Gesamtlänge von 7–13 cm und sind schlank gebaut. Trotz des Augenverlusts besitzen die adulten Tiere eine funktionsfähige Lunge-nicht-mehr – sie atmen als Plethodontidae über die Haut. Die blasse, durchscheinende Haut lässt die inneren Organe teilweise erkennen.
Verbreitung & Lebensraum
Der Grotten-Salamander kommt ausschließlich in den Kalksteinhöhlen der Ozark-Hochebene in Missouri und Arkansas (USA) vor. Sein Verbreitungsgebiet ist auf ein relativ kleines Gebiet im zentralen Nordamerika beschränkt, das jedoch eine außergewöhnlich hohe Dichte an Kalksteinhöhlen aufweist.
Larven leben in den Bächen und Teichen innerhalb der Höhlen, oft in der Nähe der Höhleneingänge, wo noch etwas Licht einfällt. Mit zunehmendem Alter dringen die Tiere tiefer in die Höhlen vor und verbringen ihr adultes Leben in der völligen Dunkelheit unterirdischer Gewässer und feuchter Höhlenpassagen. Die Wassertemperatur in den Höhlen beträgt konstant etwa 13–15 °C.
Lebensweise & Verhalten
Der Grotten-Salamander ist ein echtes Höhlentier (Troglobiont) – zumindest im Adultstadium. Er hat keine circadiane Rhythmik mehr und kann zu jeder Tages- und Nachtzeit aktiv sein. Die Orientierung erfolgt über den Tastsinn, chemische Reize und das Seitenlinienorgan, das Vibrationen im Wasser wahrnimmt.
Die Metamorphose vom pigmentierten, äugigen Larvenstadium zum blassen, augenlosen Erwachsenen ist ein faszinierender Prozess, der sich über mehrere Jahre erstrecken kann. Junge Tiere halten sich noch in den helleren Höhlenbereichen auf und wandern mit zunehmender Reife in die tieferen, lichtlosen Zonen. Die Stoffwechselrate ist an das nahrungsarme Höhlenmilieu angepasst und deutlich niedriger als bei oberirdisch lebenden Verwandten.
Ernährung
In den Höhlen ernährt sich der Grotten-Salamander von höhlenbewohnenden Wirbellosen wie Höhlenkrebsen (Isopoda, Amphipoda), Höhlenspinnen, Springschwänzen und gelegentlich von Fledermausdung-bewohnenden Insektenlarven. Die Nahrung im Höhlenmilieu ist generell spärlich, weshalb der Salamander einen sehr niedrigen Stoffwechsel besitzt.
Larven in der Nähe der Höhleneingänge haben Zugang zu einer reichhaltigeren Nahrung, darunter Insektenlarven, Bachflohkrebse und organische Partikel, die vom Wasser in die Höhle getragen werden. Der Grotten-Salamander kann längere Hungerphasen überstehen und passt seinen Energieverbrauch an das Nahrungsangebot an.
Fortpflanzung
Über die Fortpflanzung des Grotten-Salamanders ist relativ wenig bekannt, da sie in der Dunkelheit tiefer Höhlenbereiche stattfindet. Man nimmt an, dass die Weibchen eine geringe Anzahl großer, dotterreicher Eier in geschützten Höhlengewässern ablegen und Brutpflege betreiben.
Die Larven entwickeln sich in den Höhlengewässern und durchlaufen eine verlängerte Larvenphase, die mehrere Jahre dauern kann. Die Metamorphose – einschließlich des progressiven Verlusts von Augen und Pigmentierung – ist ein gradueller Prozess. Die Geschlechtsreife wird wahrscheinlich erst nach 4–6 Jahren erreicht, und die Reproduktionsrate ist gering.
Haltung im Terrarium
Die Haltung des Grotten-Salamanders im Terrarium ist aus ethischen und praktischen Gründen nicht empfehlenswert. Die Art ist auf die konstanten Bedingungen der Höhlenumgebung (Dunkelheit, stabile Temperatur, hohe Feuchtigkeit) angepasst und würde unter normalen Terrarienbedingungen Stress erleiden.
Falls du dich für höhlenbewohnende Amphibien interessierst, gibt es besser geeignete und weniger spezialisierte Arten. Der Grotten-Salamander sollte in seinem natürlichen Höhlenlebensraum belassen und geschützt werden. In einigen Höhlen werden geführte Naturexkursionen angeboten, bei denen du die Tiere in ihrer natürlichen Umgebung beobachten kannst.
Gefährdung & Schutzstatus
Der Grotten-Salamander wird von der IUCN als „Least Concern" eingestuft, steht aber aufgrund seines begrenzten Verbreitungsgebiets und seiner Abhängigkeit von intakten Höhlenökosystemen unter besonderer Beobachtung. Bedrohungen sind die Verschmutzung unterirdischer Gewässer durch Landwirtschaft und Siedlungen, Störungen durch Höhlentourismus und die Zerstörung von Höhlen durch Steinbruchbetrieb.
Da Karstsysteme besonders empfindlich auf Wasserverschmutzung reagieren (Pestizide und Düngemittel können schnell ins Grundwasser gelangen), ist die Wasserwirtschaft in der Ozark-Region ein wichtiger Faktor für den Schutz dieser Art. Mehrere Höhlen mit wichtigen Populationen stehen unter staatlichem Schutz.
Quellen
- AmphibiaWeb: Eurycea spelaea – amphibiaweb.org
- IUCN Red List: Eurycea spelaea – iucnredlist.org
- Bonett, R. M. & Chippindale, P. T. (2006): Streambed microstructure predicts evolution of development and life history mode in the plethodontid salamander Eurycea. BMC Biology, 4, 6.
- Petranka, J. W. (1998): Salamanders of the United States and Canada. Smithsonian Institution Press.
- Pough, F. H. et al. (2015): Herpetology. 4th Edition. Sinauer Associates.
