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Höhlenolm (Proteus anguinus)

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Höhlenolm (Proteus anguinus)

Bildquelle: Lapis2380 / shutterstock.com

Zusammenfassung

Der Höhlenolm, auch Grottenolm oder „Menschenfischlein" genannt, ist eines der faszinierendsten Tiere Europas. Dieser blinde, bleich-rosafarbene Schwanzlurch lebt ausschließlich in den unterirdischen Gewässern der Dinarischen Alpen und kann über 100 Jahre alt werden. Er ist neoten – behält also zeitlebens seine Larvenmerkmale wie äußere Kiemen bei.

Der Höhlenolm, auch Grottenolm oder „Menschenfischlein" genannt, ist eines der faszinierendsten Tiere Europas. Dieser blinde, bleich-rosafarbene Schwanzlurch lebt ausschließlich in den unterirdischen Gewässern der Dinarischen Alpen und kann über 100 Jahre alt werden. Er ist neoten – behält also zeitlebens seine Larvenmerkmale wie äußere Kiemen bei.

Steckbrief: Höhlenolm (Proteus anguinus)
Wissenschaftlicher NameProteus anguinus
OrdnungSchwanzlurche (Caudata)
FamilieOlme (Proteidae)
GattungProteus
Größe20–30 cm
Gewicht15–30 g
LebenserwartungÜber 100 Jahre
VerbreitungDinarische Alpen (Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Norditalien)
LebensraumUnterirdische Gewässer in Kalksteinhöhlen (Karstsysteme)
SchutzstatusGefährdet (VU) – IUCN

Beschreibung & Aussehen

Der Höhlenolm erreicht eine Gesamtlänge von 20–30 cm und hat einen aalförmig langgestreckten Körper. Die Haut ist bleich rosa bis weißlich und so dünn und durchscheinend, dass die inneren Organe teilweise sichtbar sind. Die rötliche Farbe stammt von den durchschimmernden Blutgefäßen. Am Kopf trägt er drei Paar federartige, leuchtend rote äußere Kiemen, die zeitlebens erhalten bleiben (Neotenie).

Die Augen sind vollständig zurückgebildet und unter der Haut verborgen – der Höhlenolm ist blind. Dafür besitzt er hochempfindliche Sinnesorgane: Ein ausgeprägtes Seitenlinienorgan nimmt feinste Vibrationen wahr, die Nase reagiert auf chemische Reize, und Elektrorezeptoren ermöglichen die Wahrnehmung schwacher elektrischer Felder. Die Beine sind winzig: Die Vorderbeine tragen drei, die Hinterbeine nur zwei Zehen. Es existiert eine pigmentierte Unterart (P. a. parkelj), der „Schwarze Olm", der in einer einzigen Höhle in Slowenien vorkommt.

Verbreitung & Lebensraum

Der Höhlenolm kommt ausschließlich in den unterirdischen Karstsystemen der Dinarischen Alpen vor – von Nordostitalien (Triest-Region) über Slowenien und Kroatien bis nach Bosnien-Herzegowina. Sein Verbreitungsgebiet ist auf die wasserführenden Kalksteinhöhlen dieser Region beschränkt, die zum Teil Hunderte von Kilometern umfassen.

Er bewohnt die dauerhaft wasserführenden Abschnitte unterirdischer Flüsse, Seen und Siphons in absoluter Dunkelheit. Die Wassertemperatur beträgt ganzjährig 8–12 °C. Gelegentlich werden Exemplare durch Hochwasser aus den Höhlen gespült und an der Oberfläche gefunden – so wurde die Art 1689 erstmals wissenschaftlich beschrieben. In Slowenien ist die Postojna-Höhle (Adelsberger Grotte) der bekannteste Fundort.

Lebensweise & Verhalten

Der Höhlenolm ist vollständig an das Höhlenleben angepasst und verbringt sein gesamtes Leben in der Dunkelheit unterirdischer Gewässer. Er ist das einzige europäische Wirbeltier, das ausschließlich Höhlen bewohnt. Seine Aktivität folgt keinem Tag-Nacht-Rhythmus – er kann zu jeder Zeit ruhen oder aktiv sein.

Bemerkenswert ist seine extreme Langlebigkeit: Wissenschaftliche Studien schätzen die maximale Lebenserwartung auf über 100 Jahre – ein absoluter Rekord unter Amphibien. Der Stoffwechsel ist extrem niedrig – der Olm kann bis zu 10 Jahre ohne Nahrung überleben! Er bewegt sich langsam und bedächtig durch die Höhlengewässer und orientiert sich über seinen Geruchssinn, das Seitenlinienorgan und die Elektrorezeption.

Ernährung

Im nahrungsarmen Höhlenmilieu frisst der Höhlenolm kleine Krebstiere (Höhlenflohkrebse, Höhlenasseln), Schnecken, Insektenlarven und gelegentlich Würmer, die ins Grundwasser gelangen. Die Nahrungsaufnahme ist opportunistisch – er frisst, was verfügbar ist, und kann extrem lange ohne Nahrung auskommen.

Seine hochempfindlichen chemischen Sinnesorgane und das Seitenlinienorgan ermöglichen es ihm, Beute in der völligen Dunkelheit aufzuspüren. In Gefangenschaft wird er mit kleinen Bachflohkrebsen, Mückenlarven und feinen Regenwurm-Stückchen gefüttert. Der extrem langsame Stoffwechsel ist eine Anpassung an das nahrungsarme Höhlenmilieu.

Fortpflanzung

Die Fortpflanzung des Höhlenolms ist wenig erforscht, da sie in unzugänglichen Höhlengewässern stattfindet. In Gefangenschaft wurde beobachtet, dass das Weibchen etwa 35 Eier an die Unterseite von Steinen klebt und diese über 4–6 Monate bewacht. Die Entwicklung verläuft bei den niedrigen Wassertemperaturen extrem langsam.

Alternativ wurde auch Viviparie (Lebendgeburt) beobachtet, bei der ein oder zwei voll entwickelte Jungtiere geboren werden – dies scheint jedoch selten zu sein. Die Jungtiere sind bei der Geburt oder dem Schlüpfen etwa 2–3 cm lang und bereits miniature Kopien der Erwachsenen mit äußeren Kiemen. Die Geschlechtsreife wird erst nach 14–16 Jahren erreicht – ein weiterer Rekord unter den Amphibien. 2016 schlüpften im Aquarium von Postojna erstmals erfolgreich Jungtiere unter kontrollierten Bedingungen.

Haltung im Terrarium

Die private Haltung des Höhlenolms ist streng verboten. Die Art steht unter dem strengsten europäischen Naturschutz (FFH-Richtlinie Anhang II und IV, Berner Konvention Anhang II) und ist in Slowenien ein Naturdenkmal. Jegliche Entnahme, Handel oder Haltung ohne behördliche Genehmigung ist eine Straftat.

In einigen zoologischen Einrichtungen und Schauhöhlen (z. B. Postojna-Höhle in Slowenien) werden Höhlenolme in speziellen, abgedunkelten Aquarien mit kühlem Quellwasser gehalten und können dort bestaunt werden. Die Haltungsbedingungen erfordern absolute Dunkelheit, konstant kühles Wasser (8–12 °C) und minimale Störung – Bedingungen, die für private Halter nicht realisierbar und nicht erlaubt sind.

Gefährdung & Schutzstatus

Der Höhlenolm wird von der IUCN als „Vulnerable" (gefährdet) eingestuft. Die größten Bedrohungen sind die Verschmutzung der Karstgewässer durch Landwirtschaft, Industrie und Siedlungsabwässer, die direkt ins Grundwasser gelangen können. Klimawandel und veränderte Niederschlagsmuster können die unterirdischen Wasserstände beeinflussen.

Weitere Gefährdungen sind die Entnahme für den illegalen Tierhandel und die Störung durch Höhlentourismus. In Slowenien ist der Höhlenolm ein nationales Symbol und steht unter strengstem Schutz – er ziert sogar die slowenische 10-Cent-Münze. Internationale Forschungs- und Schutzprogramme überwachen die Populationen und die Wasserqualität der Karstgebiete. Der Schutz der Dinarischen Karstlandschaft ist entscheidend für das Überleben dieses einzigartigen Tiers.

Quellen

  1. AmphibiaWeb: Proteus anguinusamphibiaweb.org
  2. IUCN Red List: Proteus anguinusiucnredlist.org
  3. Voituron, Y. et al. (2011): Extreme lifespan of the human fish (Proteus anguinus). Biology Letters, 7(1), 105–107.
  4. Nöllert, A. & Nöllert, C. (1992): Die Amphibien Europas. Franckh-Kosmos Verlag.
  5. Pough, F. H. et al. (2015): Herpetology. 4th Edition. Sinauer Associates.

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