Der Iberische Rippenmolch ist der größte europäische Molch und kann bis zu 30 cm lang werden. Er besitzt einen einzigartigen Verteidigungsmechanismus: Bei Bedrohung drückt er seine scharfen Rippenspitzen durch die Haut nach außen, wobei gleichzeitig ein giftiges Sekret abgesondert wird. Er ist ein beliebter und robuster Aquarienmolch.
| Wissenschaftlicher Name | Pleurodeles waltl |
| Ordnung | Schwanzlurche (Urodela) |
| Familie | Echte Salamander (Salamandridae) |
| Gattung | Pleurodeles |
| Größe | 15–30 cm |
| Gewicht | 20–60 g |
| Lebenserwartung | 15–20 Jahre |
| Verbreitung | Iberische Halbinsel, Marokko |
| Lebensraum | Teiche, Zisternen, Brunnen, langsam fließende Gewässer |
| Schutzstatus | Potenziell gefährdet (NT) – IUCN |
Beschreibung & Aussehen
Der Iberische Rippenmolch erreicht eine Gesamtlänge von 15–30 cm und ist damit der größte Molch Europas. Der Körperbau ist kräftig und abgeflacht mit einem breiten, flachen Kopf. Die Haut ist rau und körnig. Die Oberseite ist graubraun bis olivbraun, oft mit dunkleren Flecken. Die Unterseite ist heller, weißlich-grau bis gelblich.
Ein markantes Merkmal sind die seitlich am Körper sichtbaren orangefarbenen Punkte – hier liegen die Rippenspitzen direkt unter der Haut. Bei Bedrohung kann der Molch diese scharfen Rippenspitzen durch spezielle Hautporen nach außen drücken. Gleichzeitig werden aus Hautdrüsen giftige Sekrete abgesondert, die über die Rippenspitzen in den Angreifer eindringen. Dieser einzigartige Verteidigungsmechanismus ist namensgebend. Der Schwanz ist lang und seitlich abgeflacht. Männchen entwickeln während der Paarungszeit raue Brunftschwielen an den Unterarmen.
Verbreitung & Lebensraum
Der Iberische Rippenmolch kommt auf der Iberischen Halbinsel (Spanien, Portugal) und im nördlichen Marokko vor. In Spanien ist er vor allem im Süden und Westen verbreitet, in Portugal im gesamten Land. Auf den Kanarischen Inseln wurde er eingeführt.
Die Art bewohnt eine Vielzahl stehender und langsam fließender Gewässer. Typische Habitate sind Teiche, Zisternen, Brunnen, Bewässerungsbecken, Altarme und überschwemmte Wiesen. Der Rippenmolch ist sehr anpassungsfähig und kommt auch in menschengemachten Gewässern vor – traditionelle mediterrane Zisternen und Brunnenschächte gehören zu seinen bevorzugten Lebensräumen. Er ist stärker aquatisch als die meisten europäischen Molche und kann ganzjährig im Wasser leben.
Lebensweise & Verhalten
Der Iberische Rippenmolch ist überwiegend nachtaktiv und verbringt den Großteil seines Lebens im Wasser. Er ist einer der am stärksten aquatisch lebenden europäischen Molche und verlässt das Wasser oft nur bei Austrocknung des Gewässers oder zur Besiedlung neuer Habitate. In permanenten Gewässern kann er ganzjährig aquatisch leben.
Der einzigartige Rippenverteidigungsmechanismus macht den Rippenmolch zu einem der am besten geschützten Molche überhaupt. Bei Bedrohung nimmt er eine starre Haltung ein und drückt die Rippenspitzen durch die Haut. Die Wunden heilen dank der hervorragenden Regenerationsfähigkeit der Molche schnell und narbenlos ab. Der Rippenmolch ist ein ruhiger, friedlicher Molch, der sich gut an die Aquarienhaltung anpasst.
Ernährung
Der Iberische Rippenmolch ist ein gefräßiger Räuber. Im Wasser frisst er Mückenlarven, Wasserflöhe, Bachflohkrebse, Schnecken, Würmer, Kaulquappen und kleine Fische. Aufgrund seiner Größe kann er auch relativ große Beutetiere überwältigen. An Land werden Regenwürmer, Nacktschnecken und Insekten gefressen.
Im Aquarium ist der Rippenmolch ein unkomplizierter Futterverwerter. Er akzeptiert Frostfutter (Mückenlarven, Artemia, Stinte), Lebendfutter (Regenwürmer, Tubifex) und sogar Pelletfutter für Amphibien oder Störpellets. Füttere 2–3 Mal pro Woche großzügig, da die Art einen entsprechend großen Appetit hat. Achte darauf, dass keine Futterreste im Becken verbleiben.
Fortpflanzung
Die Paarungszeit erstreckt sich von Herbst bis Frühjahr – ungewöhnlich für europäische Molche. Das Männchen umklammert das Weibchen von unten (ventraler Amplexus) – ein bei Molchen seltenes Verhalten, das eher an Frösche erinnert. Der Amplexus kann mehrere Stunden dauern. Das Männchen setzt eine Spermatophore ab, die vom Weibchen aufgenommen wird.
Das Weibchen legt 200–800 Eier in kleinen Klumpen an Wasserpflanzen, Steinen oder am Gewässergrund ab. Die Larven schlüpfen nach 2–3 Wochen und entwickeln sich über 3–6 Monate im Wasser. Sie können beachtliche Größen erreichen (bis 10 cm) bevor sie metamorphosieren. Die Zucht in Gefangenschaft ist relativ einfach und gelingt regelmäßig. Die Geschlechtsreife wird mit 1–2 Jahren erreicht.
Haltung im Aquarium
Der Iberische Rippenmolch ist einer der besten Molche für die Aquarienhaltung und eignet sich hervorragend für Anfänger. Aufgrund seiner Größe benötigst du ein Aquarium ab 80 × 40 cm Grundfläche für ein Paar, besser 100 × 50 cm für eine kleine Gruppe. Der Wasserstand kann 20–35 cm betragen. Ein Landteil ist nicht zwingend erforderlich, da die Art weitgehend aquatisch lebt.
Die Wassertemperatur sollte 15–24 °C betragen – die Art toleriert ein breiteres Temperaturspektrum als die meisten anderen Molcharten. Der pH-Wert kann zwischen 6,5 und 8,0 liegen, die Härte zwischen 5 und 20 °dGH. Ein Filter mit moderater Strömung und regelmäßige Wasserwechsel sind empfehlenswert. Wasserpflanzen, Steine und Wurzeln bieten Versteckmöglichkeiten. Eine Winterruhe ist möglich, aber nicht zwingend erforderlich.
Die Vergesellschaftung mit größeren, friedlichen Fischen ähnlicher Temperaturansprüche ist möglich, aber nicht ideal – kleine Fische könnten gefressen werden. Am besten hältst du Rippenmolche artein oder mit anderen robusten Molcharten ähnlicher Größe.
Gefährdung & Schutzstatus
Der Iberische Rippenmolch wird von der IUCN als „Near Threatened" (potenziell gefährdet) eingestuft. Die Bestände sind in den letzten Jahrzehnten durch den Verlust von Feuchtgebieten, die Trockenlegung traditioneller Zisternen und Brunnen sowie den Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft zurückgegangen. Auch der Klimawandel mit zunehmender Trockenheit im Mittelmeerraum stellt eine Bedrohung dar.
Die Art ist durch die Berner Konvention und die EU-Habitatrichtlinie (Anhang IV) geschützt. In Portugal und Spanien unterliegt sie nationalem Artenschutz. Der Rippenmolch wird in Gefangenschaft erfolgreich nachgezüchtet, was den Druck auf die Wildpopulationen reduziert. Interessanterweise wurde er aufgrund seiner guten Regenerationsfähigkeit auch in der Weltraumforschung eingesetzt – er war der erste Molch im All.
Quellen
- AmphibiaWeb: Pleurodeles waltl – amphibiaweb.org
- IUCN Red List: Pleurodeles waltl – iucnredlist.org
- Laufer, H., Fritz, K. & Sowig, P. (2007): Die Amphibien und Reptilien Baden-Württembergs. Ulmer Verlag.
- Sparreboom, M. (2014): Salamanders of the Old World. KNNV Publishing.
- Pough, F. H. et al. (2015): Herpetology. 4th Edition. Sinauer Associates.
