Salamander

Kaukasischer Salamander (Mertensiella caucasica)

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Mertensiella caucasica

Bildquelle: HWall / shutterstock.com

Zusammenfassung

Der Kaukasische Salamander ist der einzige Vertreter seiner Gattung und ein Endemit des Kaukasus. Er lebt in den feuchten Berg- und Schluchtwäldern der Nordosttürkei und Westgeorgiens und gilt als lebendes Relikt einer einst weiter verbreiteten Salamanderlinie. Bemerkenswert ist seine einzigartige Fortpflanzungsmethode mit einer speziellen Spermatophor-Übertragung.

Der Kaukasische Salamander ist der einzige Vertreter seiner Gattung und ein Endemit des Kaukasus. Er lebt in den feuchten Berg- und Schluchtwäldern der Nordosttürkei und Westgeorgiens und gilt als lebendes Relikt einer einst weiter verbreiteten Salamanderlinie. Bemerkenswert ist seine einzigartige Fortpflanzungsmethode mit einer speziellen Spermatophor-Übertragung.

Steckbrief: Kaukasischer Salamander (Mertensiella caucasica)
Wissenschaftlicher NameMertensiella caucasica
OrdnungSchwanzlurche (Caudata)
FamilieEchte Salamander (Salamandridae)
GattungMertensiella
Größe12–18 cm
Gewicht5–15 g
Lebenserwartung10–20 Jahre
VerbreitungKaukasus (Nordost-Türkei, Westgeorgien)
LebensraumFeuchte Bergwälder, Bachufer, Schluchten, 500–2.500 m Höhe
SchutzstatusGefährdet (VU) – IUCN

Beschreibung & Aussehen

Der Kaukasische Salamander erreicht eine Gesamtlänge von 12–18 cm und ist schlank und elegant gebaut mit einem langen Schwanz. Die Grundfarbe ist dunkelbraun bis schwarz mit kleinen, unregelmäßigen gelben bis orangefarbenen Flecken auf Rücken und Flanken. Die Zeichnung erinnert entfernt an die des Feuersalamanders, ist aber feiner und spärlicher.

Der Kopf ist schmal und leicht abgeflacht mit großen, vorstehenden Augen. Die Beine sind mittellang, die Zehen relativ lang und ohne Schwimmhäute. Der Schwanz ist lang, seitlich leicht abgeflacht und kann an der Basis eingeschnürt sein, was auf die Möglichkeit der Autotomie (Schwanzabwurf) hindeutet. Die Haut ist glatt und feucht mit deutlichen Rippenrillen an den Flanken.

Verbreitung & Lebensraum

Der Kaukasische Salamander kommt in einem relativ kleinen Gebiet im westlichen Kaukasus vor – in der Nordost-Türkei (Provinzen Artvin, Rize, Trabzon) und im angrenzenden Westgeorgien (Adscharien, Gurien). Sein Verbreitungsgebiet ist auf die feuchten, atlantisch beeinflussten Nordhänge des Kleinen Kaukasus und die Kolchische Tiefebene beschränkt.

Er bewohnt feuchte, moosreiche Bergwälder (Buchen-, Tannen- und Fichtenwälder) in Höhenlagen von 500 bis 2.500 m. Bevorzugte Habitate sind schattige Bachschluchten mit kühlen, klaren Gewässern, bemooste Felswände und feuchte Wälder mit reichlich Totholz. Die Region gehört zu den feuchtesten Gebieten Eurasiens und empfängt jährlich bis zu 3.000 mm Niederschlag.

Lebensweise & Verhalten

Der Kaukasische Salamander ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv und lebt an feuchten Bachufern und auf bemoosten Felsen. Bei feuchtem Wetter ist er auch tagsüber aktiv. Er ist ein geschickter Kletterer und wird häufig an vertikalen, bemoosten Felswänden und Baumstämmen beobachtet.

Die Art ist für Salamander ungewöhnlich agil und schnell. Wie der Goldstreifen-Salamander kann er überraschend schnell über den Boden rennen. Bei Bedrohung kann er seinen Schwanz abwerfen, der noch minutenlang zuckt und den Fressfeind ablenkt. Die Winterruhe erstreckt sich von November bis März in tieferen Lagen, in Hochgebirgsregionen kann sie länger dauern.

Ernährung

Der Kaukasische Salamander ernährt sich von verschiedenen kleinen Wirbellosen. Zum Beutespektrum gehören Insekten (besonders Fliegen, Käfer und Ameisen), Spinnen, Milben, Asseln, Springschwänze und kleine Schnecken. Die Jagd findet bevorzugt an feuchten Felswänden und Bachufern statt.

Er besitzt wie der Goldstreifen-Salamander eine teilweise freie Zunge, die kurze Strecken herausgeschleudert werden kann, um fliegende oder schnelle Beute zu fangen. Diese Jagdmethode ist unter Salamandridae relativ selten. Larven ernähren sich aquatisch von Bachflohkrebsen, Insektenlarven und anderen kleinen Wasserwirbellosen.

Fortpflanzung

Die Fortpflanzung des Kaukasischen Salamanders weist eine einzigartige Besonderheit auf: Die Spermatophor-Übertragung findet nicht wie bei anderen Salamandridae durch ein auf dem Boden abgesetztes Paket statt, sondern das Männchen überträgt das Spermatophor direkt an das Weibchen, indem es einen hakenartigen Fortsatz am Schwanzansatz verwendet. Diese Methode ist unter Salamandern einzigartig.

Die Paarung findet im Frühling (April–Mai) an Bachufern statt. Das Weibchen legt 8–20 Eier in kleinen Gruppen unter Steine in klaren Bergbächen oder in feuchten Felsspalten am Bachufer ab. Die Larven schlüpfen nach einigen Wochen und leben aquatisch. Die Metamorphose dauert 1–2 Jahre. Die Geschlechtsreife wird nach 3–5 Jahren erreicht.

Haltung im Terrarium

Die Haltung des Kaukasischen Salamanders im Terrarium ist aufgrund seines geschützten Status und der Seltenheit nur mit behördlicher Genehmigung und Nachzuchttieren möglich. Ein Aquaterrarium ab 80 × 40 × 40 cm mit einem kühlen Bachlauf, bemoosten Steinen, Korkrinde und einem feuchten Landteil wäre ideal.

Die Temperatur sollte bei kühlen 12–18 °C liegen – keinesfalls über 22 °C. Die Luftfeuchtigkeit muss hoch sein (70–90 %). Gefüttert wird mit kleinen Heimchen, Springschwänzen, Asseln und Fruchtfliegen. Die Art wird in Europa nur äußerst selten in Gefangenschaft gehalten und gezüchtet. Der Handel mit Wildfängen ist verboten.

Gefährdung & Schutzstatus

Der Kaukasische Salamander wird von der IUCN als „Vulnerable" (gefährdet) eingestuft. Die Hauptbedrohungen sind die Abholzung der kaukasischen Bergwälder, Gewässerverschmutzung und der Bau von Wasserkraftwerken, die seine Bachhabitate zerstören. In der Türkei werden zunehmend die letzten natürlichen Bergwälder in seiner Verbreitungsregion gerodet.

Die Art ist im Anhang II der Berner Konvention gelistet und in beiden Verbreitungsländern (Türkei und Georgien) gesetzlich geschützt. Der Borçka-Nationalpark in der Nordost-Türkei und verschiedene Schutzgebiete in Georgien beherbergen wichtige Populationen. Internationale Forschungsprojekte überwachen die Bestandsentwicklung und die genetische Vielfalt dieser einzigartigen monotypischen Gattung.

Quellen

  1. AmphibiaWeb: Mertensiella caucasicaamphibiaweb.org
  2. IUCN Red List: Mertensiella caucasicaiucnredlist.org
  3. Nöllert, A. & Nöllert, C. (1992): Die Amphibien Europas. Franckh-Kosmos Verlag.
  4. Tarkhnishvili, D. & Gokhelashvili, R. (1999): The amphibians of the Caucasus. Advances in Amphibian Research in the Former Soviet Union, 4, 1–240.
  5. Pough, F. H. et al. (2015): Herpetology. 4th Edition. Sinauer Associates.

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