Der Kissing Gourami ist ein imposanter Labyrinthfisch aus Südostasien, der für sein charakteristisches „Küssen" bekannt ist. Dieses Verhalten ist jedoch kein Zeichen von Zuneigung, sondern dient der Kräftemessung zwischen rivalisierenden Tieren.
| Wissenschaftlicher Name | Helostoma temminckii |
| Ordnung | Anabantiformes |
| Familie | Küssende Guramis (Helostomatidae) |
| Gattung | Helostoma |
| Größe | 20–30 cm |
| Gewicht | 100–500 g |
| Lebenserwartung | 5–7 Jahre |
| Verbreitung | Südostasien (Thailand, Malaysia, Indonesien) |
| Lebensraum | Stehende und langsam fließende Gewässer, Überflutungsgebiete, Reisfelder |
| Schutzstatus | Nicht gefährdet (LC) – IUCN |
| Aquarium | ab 300 Liter |
| Temperatur | 22–28 °C |
| pH-Wert | 6,0–8,0 |
| Wasserhärte | 5–20 °dGH |
Beschreibung & Aussehen
Der Kissing Gourami ist mit 20–30 cm einer der größten Labyrinthfische und erreicht in der Natur sogar bis zu 30 cm. Die Wildform zeigt eine silbrig-grünliche Grundfärbung mit horizontalen dunklen Streifen. In der Aquaristik ist jedoch die rosafarbene Zuchtform am weitesten verbreitet, die durch Selektion entstanden ist und unter dem Namen „Pink Kisser" bekannt ist.
Das auffälligste Merkmal sind die dicken, fleischigen, vorstülpbaren Lippen, die dem Fisch seinen Namen geben. Diese Lippen sind mit feinen Zähnen (Hornzähnchen) besetzt und dienen zum Abweiden von Algen und Aufwuchs von Oberflächen. Der Körper ist seitlich zusammengedrückt und hochrückig. Die Schuppen sind deutlich sichtbar, und die Flossenränder können bei älteren Tieren leicht ausgefranst wirken.
Verbreitung & Lebensraum
Der Kissing Gourami stammt ursprünglich aus Südostasien und kommt natürlich in Thailand, Malaysia, Borneo, Sumatra und Java vor. Er wurde außerdem in zahlreiche andere tropische Regionen eingeführt, darunter Sri Lanka, Papua-Neuguinea und Teile Südamerikas.
In seiner Heimat besiedelt der Kissing Gourami stehende und langsam fließende Gewässer wie Seen, Flussauen, Überflutungsgebiete und Reisfelder. Er bevorzugt dicht bewachsene, warme Gewässer mit geringer Strömung. Dank seines Labyrinthorogans kann er auch in sauerstoffarmen Gewässern überleben, indem er atmosphärische Luft an der Oberfläche aufnimmt. In seiner Heimat wird er als Speisefisch gezüchtet.
Lebensweise & Verhalten
Das namensgebende „Küssen" des Kissing Gourami ist tatsächlich ein Kräftemessen – zwei Tiere pressen ihre mit Hornzähnchen besetzten Lippen aufeinander und versuchen, den Gegner wegzuschieben. Dieses Verhalten tritt sowohl zwischen Männchen als auch zwischen Weibchen auf und dient der Festlegung der Rangordnung. Es kann Minuten dauern und wird oft fälschlicherweise als Zuneigung interpretiert.
Kissing Guramis sind gesellige Fische, die jedoch eine deutliche Hierarchie ausbilden. Sie sind vorwiegend tagaktiv und verbringen einen Großteil ihrer Zeit mit dem Abweiden von Algenbelägen und Aufwuchs von Steinen, Pflanzen und Scheiben. Gegenüber anderen Fischarten sind sie in der Regel friedlich, können aber kleinere Fische gelegentlich bedrängen. Pflanzen mit weichen Blättern werden manchmal angeknabbert.
Ernährung
Der Kissing Gourami ist ein Allesfresser mit einer Vorliebe für pflanzliche Kost und Aufwuchs. In der Natur ernährt er sich hauptsächlich von Algen, Periphyton (Aufwuchsgemeinschaft auf Oberflächen), Phytoplankton, Zooplankton und kleinen Wirbellosen. Seine speziell angepassten Lippen ermöglichen es ihm, Algen effektiv von Oberflächen abzuschaben.
Im Aquarium akzeptiert er handelsübliches Flockenfutter, Granulat und Tablettenfutter. Ergänze den Speiseplan regelmäßig mit Gemüse wie blanchierten Spinatblättern, Gurke, Zucchini und Salat. Auch Spirulina-Flocken und Algentabletten werden gerne angenommen. Lebend- und Frostfutter wie Mückenlarven und Artemia runden die Ernährung ab.
Fortpflanzung
Im Gegensatz zu den meisten anderen Labyrinthfischen baut der Kissing Gourami kein Schaumnest. Stattdessen sind die Eier mit einer Ölschicht versehen, die sie an der Wasseroberfläche schwimmen lässt. Die Laichabgabe erfolgt nach einer intensiven Balz, bei der das Paar kreisförmig unter der Wasseroberfläche schwimmt.
Pro Laichvorgang können mehrere tausend Eier abgegeben werden – in Zuchtbetrieben wurden bis zu 10.000 Eier pro Weibchen gezählt. Die Eier schlüpfen bereits nach 24–48 Stunden. Die Eltern betreiben keine Brutpflege. Die winzigen Larven benötigen zunächst Infusorien und feinstes Plankton als Erstnahrung. Die Zucht im Aquarium ist aufgrund der Größe der Tiere und der enormen Eizahlen anspruchsvoll.
Haltung im Aquarium
Aufgrund seiner beträchtlichen Endgröße benötigt der Kissing Gourami ein Aquarium ab 300 Litern. Richte das Becken mit robusten Pflanzen ein, da weichblättrige Arten angefressen werden können. Anubias, Javafarn und Vallisnerien sind gute Optionen. Biete ausreichend freien Schwimmraum und Versteckmöglichkeiten aus Wurzeln und Steinen.
Die Wasserwerte sind unkritisch – der Kissing Gourami ist sehr tolerant gegenüber unterschiedlichen Bedingungen (pH 6,0–8,0, GH 5–20 °dGH, 22–28 °C). Halte mindestens 3–5 Tiere, um Aggressionen zu verteilen. Die Vergesellschaftung mit mittelgroßen, robusten Fischen wie größeren Barben, Welsen und anderen Guramis gelingt gut. Vermeide sehr kleine oder scheue Beifische, die durch das „Küss-Verhalten" gestresst werden könnten.
Gefährdung & Schutzstatus
Der Kissing Gourami wird von der IUCN als „Least Concern" (nicht gefährdet) eingestuft. Die Art hat ein weites Verbreitungsgebiet und wird in Südostasien intensiv als Speise- und Zuchtfisch kultiviert, was die Wildpopulationen entlastet.
In einigen Gebieten, in die er eingeführt wurde, gilt der Kissing Gourami als potenziell invasive Art, da er mit einheimischen Fischen um Nahrung und Lebensraum konkurrieren kann. Im Aquarienhandel ist er als einer der meistverkauften Labyrinthfische weit verbreitet und stammt ausschließlich aus Nachzuchten.
Quellen
- FishBase: Helostoma temminckii – fishbase.se
- Seriously Fish: Helostoma temminckii – seriouslyfish.com
- Rainboth, W. J. (1996): Fishes of the Cambodian Mekong. FAO Species Identification Field Guide.
- Riehl, R. & Baensch, H. A. (2002): Aquarien Atlas. Mergus Verlag.
- IUCN Red List: Helostoma temminckii – iucnredlist.org
