Die Kleine Schlammschnecke ist ein häufiger, unauffälliger Bewohner europäischer Gewässer, der oft als blinder Passagier ins Aquarium gelangt. Mit ihrem dünnwandigen, eiförmigen Gehäuse und den breiten, dreieckigen Fühlern ist sie gut von Blasenschnecken zu unterscheiden.
| Wissenschaftlicher Name | Radix spec. |
| Ordnung | Basommatophora |
| Familie | Schlammschnecken (Lymnaeidae) |
| Gattung | Radix |
| Größe | 1–2 cm |
| Lebenserwartung | 1–2 Jahre |
| Verbreitung | Europa, Asien |
| Lebensraum | Stehende und langsam fließende Süßgewässer |
| Schutzstatus | Nicht gefährdet |
| Aquarium | ab 10 Liter |
| Temperatur | 5–25 °C |
| pH-Wert | 6,5–8,5 |
| Wasserhärte | 5–25 °dGH |
Beschreibung & Aussehen
Die Kleine Schlammschnecke erreicht eine Gehäuselänge von nur 1–2 cm. Ihr Gehäuse ist dünnwandig, durchscheinend und rechtsgewunden mit einer großen Mündung, die fast die Hälfte der Gehäuselänge einnimmt. Die Gehäusefarbe variiert von hellbraun über hornfarben bis grünlich-braun, oft mit einem leicht glänzenden Überzug.
Der Weichkörper ist graubraun bis olivfarben mit dunklen Flecken. Charakteristisch sind die breiten, flachen, dreieckigen Fühler – ein deutliches Unterscheidungsmerkmal zu den fadenförmigen Fühlern der Blasenschnecken. Die Augen sitzen an der Basis der Fühler. Ein Deckel fehlt. Die Gattung Radix umfasst mehrere schwer unterscheidbare Arten, weshalb in der Aquaristik oft der Sammelbegriff „Radix spec." verwendet wird.
Verbreitung & Lebensraum
Kleine Schlammschnecken der Gattung Radix sind in ganz Europa und weiten Teilen Asiens verbreitet. Sie bewohnen nahezu alle Typen von Süßgewässern – von stehenden Teichen und Seen über langsam fließende Gräben bis zu den Uferbereichen größerer Flüsse. Besonders häufig sind sie in pflanzenreichen, nährstoffreichen Gewässern.
Die Art ist sehr anpassungsfähig und toleriert sowohl kühle als auch warme Wassertemperaturen. In der Natur besiedelt sie Steine, Wasserpflanzen und Totholz. Im Aquarium gelangt sie häufig als blinder Passagier mit Pflanzen aus Freilandkulturen ins Becken. In Gartenteichen ist sie ein häufiger natürlicher Bewohner.
Lebensweise & Verhalten
Kleine Schlammschnecken sind sowohl tag- als auch nachtaktiv und bewegen sich langsam über Oberflächen. Als Lungenschnecke steigt sie regelmäßig zur Wasseroberfläche, um ihre Lungenhöhle mit Luft zu füllen. Sie kann aber auch gelösten Sauerstoff über die Haut aufnehmen und ist daher nicht zwingend auf Luftatmung angewiesen.
Bei Gefahr zieht sich die Schlammschnecke in ihr Gehäuse zurück, kann dieses aber mangels Deckel nicht verschließen. Sie ist ein friedlicher Aquarienbewohner, der weder andere Tiere belästigt noch gesunde Pflanzen frisst. In kalten Gewässern reduziert sie ihre Aktivität im Winter deutlich, verfällt aber nicht in eine echte Winterruhe.
Ernährung
Die Kleine Schlammschnecke ernährt sich hauptsächlich von Algenaufwuchs, Biofilmen und abgestorbenen Pflanzenteilen. Mit ihrer Radula raspt sie den Belag von Steinen, Scheiben und Blättern ab. Auch Futterreste und Aas werden gerne verwertet. Lebende Pflanzen werden nur in Ausnahmefällen und bei Nahrungsmangel angenagt.
Im Aquarium ist eine Zufütterung bei geringem Aufwuchs sinnvoll. Geeignet sind überbrühtes Gemüse, Spirulina-Tabletten, Welstabs und Seemandelbaumblätter. Eine Kalziumergänzung (Sepiaschale) fördert die Gehäusebildung, ist aber bei mittelharten bis harten Wasserwerten meist nicht zwingend nötig.
Fortpflanzung
Kleine Schlammschnecken sind Zwitter und können sich sowohl untereinander als auch durch Selbstbefruchtung vermehren. Die Eiablage erfolgt in länglichen, gallertartigen Laichpaketen, die an Scheiben, Pflanzen und harten Oberflächen befestigt werden. Jedes Gelege enthält 20–50 Eier.
Die Entwicklung dauert je nach Wassertemperatur 10–20 Tage. Die Jungschnecken sind beim Schlupf nur etwa 1–2 mm groß und wachsen relativ schnell heran. Unter guten Bedingungen (reichlich Futter, warme Temperaturen) kann sich die Art zügig vermehren, erreicht aber selten die Populationsdichten von Blasenschnecken.
Haltung im Aquarium
Die Kleine Schlammschnecke ist anspruchslos und kommt mit nahezu allen Aquarienbedingungen zurecht. Ein Becken ab 10 Liter genügt für eine kleine Population. Die Wassertemperatur kann zwischen 5 und 25 °C liegen, was die Art sowohl für tropische als auch für Kaltwasseraquarien und Gartenteiche geeignet macht.
Da die Art häufig als blinder Passagier eingeschleppt wird, wird sie selten gezielt gehalten. Sie ist jedoch ein nützlicher Mitbewohner, der Algen und Reste verwertet. Die Population reguliert sich über das Nahrungsangebot – weniger Futter bedeutet weniger Schnecken. Vergesellschaftung mit friedlichen Fischen und Garnelen ist problemlos möglich.
Gefährdung & Schutzstatus
Kleine Schlammschnecken der Gattung Radix sind in Europa weit verbreitet und nicht gefährdet. Einige spezialisierte Arten innerhalb der Gattung können jedoch in bestimmten Regionen durch Gewässerverschmutzung und Lebensraumverlust zurückgehen.
In der Aquaristik spielt die Gattung vor allem als „Beifang" bei Pflanzenkäufen eine Rolle. Viele Aquarianer empfinden sie als störend, doch die Kleine Schlammschnecke richtet keinen Schaden an und kann als nützlicher Resteverwerter betrachtet werden.
Quellen
- Gloer, P. (2019): Süßwassergastropoden Nord- und Mitteleuropas. ConchBooks.
- Glöer, P. & Meier-Brook, C. (2003): Süßwassermollusken. Deutscher Jugendbund für Naturbeobachtung.
- Gastropods.com – Lymnaeidae – gastropods.com
- AquaInfo: Schlammschnecken – aqua-info.de
