Der Kleine Bärbling, heute wissenschaftlich als Boraras maculatus geführt, ist einer der kleinsten Aquarienfische der Welt. Mit nur 1,5–2,5 cm Körperlänge ist er ein idealer Bewohner für Nano-Aquarien und begeistert mit seiner leuchtend roten Grundfärbung und den markanten schwarzen Flecken.
| Wissenschaftlicher Name | Boraras maculatus |
| Ordnung | Karpfenartige (Cypriniformes) |
| Familie | Karpfenfische (Cyprinidae) |
| Gattung | Boraras |
| Größe | 1,5–2,5 cm |
| Gewicht | unter 1 g |
| Lebenserwartung | 2–4 Jahre |
| Verbreitung | Malaiische Halbinsel und Sumatra |
| Lebensraum | Torfmoorwälder, Schwarzwassergewässer mit dichter Vegetation |
| Schutzstatus | Nicht gefährdet (LC) – IUCN |
| Aquarium | ab 20 Liter |
| Temperatur | 23–28 °C |
| pH-Wert | 4,0–6,5 |
| Wasserhärte | 1–5 °dGH |
Beschreibung & Aussehen
Der Kleine Bärbling gehört mit einer maximalen Körperlänge von nur 1,5–2,5 cm zu den kleinsten Wirbeltieren der Welt. Die Grundfärbung ist ein leuchtendes Rot bis Orangerot, das bei gut gepflegten Tieren besonders intensiv strahlt. Auf dem Körper befinden sich mehrere charakteristische schwarze Flecken – je einer an der Basis der Afterflosse, unter der Rückenflosse und an der Schwanzwurzel.
Die Art wurde ursprünglich als Rasbora maculata beschrieben, wurde aber 1993 in die Gattung Boraras überführt, die speziell für die winzigen Zwergbärblinge Südostasiens geschaffen wurde. Männchen und Weibchen sind schwer zu unterscheiden – Männchen sind tendenziell etwas schlanker und intensiver gefärbt, Weibchen etwas fülliger, besonders wenn sie laichtragend sind.
Verbreitung & Lebensraum
Der Kleine Bärbling kommt auf der Malaiischen Halbinsel (Malaysia und Südthailand) sowie auf Sumatra (Indonesien) vor. Sein natürlicher Lebensraum sind die Torfmoorwälder, die für ihre dunklen, tanninfarbenen Gewässer bekannt sind.
Die Schwarzwassergewässer in seinem Verbreitungsgebiet sind extrem weich und sauer mit pH-Werten von teilweise unter 4,0. Das Wasser ist durch gelöste Huminsäuren dunkelbraun gefärbt und enthält kaum gelöste Mineralien. Der Boden ist mit einer dicken Schicht aus Falllaub bedeckt, die den Fischen sowohl Nahrung als auch Schutz bietet. Leider sind diese einzigartigen Lebensräume durch Abholzung und Trockenlegung für Palmölplantagen stark bedroht.
Lebensweise & Verhalten
Der Kleine Bärbling ist ein friedlicher, lebhafter Schwarmfisch, der sich bevorzugt in den mittleren und oberen Wasserschichten aufhält. In der Natur lebt er in losen Gruppen zwischen der Falllaub- und Pflanzenschicht, wo er nach winzigen Nahrungspartikeln sucht.
Im Aquarium zeigt er ein faszinierendes Sozialverhalten – die Männchen führen subtile Rivalitätsdisplays durch, bei denen sie ihre Farben intensivieren und sich gegenseitig umkreisen. Trotz seiner winzigen Größe ist der Kleine Bärbling ein robuster und langlebiger Fisch, der bei guter Pflege 2–4 Jahre alt werden kann. Er ist tagaktiv und zeigt bei gedämpftem Licht die intensivsten Farben.
Ernährung
Aufgrund seiner extrem geringen Größe benötigt der Kleine Bärbling entsprechend winziges Futter. In der Natur ernährt er sich von Mikroorganismen, winzigen Insektenlarven, Zooplankton und organischen Partikeln, die er in der Laubschicht findet.
Im Aquarium eignen sich feinst gemahlenes Flockenfutter, Staubfutter, lebende Artemia-Nauplien, Mikrowürmer, Grindal-Würmer und Paramecien. Frisch geschlüpfte Artemia sind eine ausgezeichnete Hauptnahrung, die die Farbentwicklung fördert. Füttere mehrmals täglich in kleinsten Mengen, da die winzigen Mäuler nur sehr kleine Futterpartikel aufnehmen können.
Fortpflanzung
Die Zucht des Kleinen Bärblings ist möglich, erfordert aber sehr weiches, saures Wasser (pH 4,5–5,5, GH unter 3 °dGH) und erhöhte Temperaturen um 26–28 °C. Die Fische sind Freilaicher, die ihre winzigen Eier zwischen feinfiedrige Pflanzen wie Javamoos streuen.
Pro Laichvorgang werden nur wenige Eier (5–15) abgesetzt. Die Eier sind extrem klein und die Larven nach dem Schlupf (nach ca. 24–48 Stunden) winzig. Die Erstnahrung muss dementsprechend fein sein – Infusorien und Paramecien sind unerlässlich. In dicht bepflanzten Artbecken können sich bei stabilen Wasserbedingungen gelegentlich Jungfische quasi von selbst aufziehen.
Haltung im Aquarium
Der Kleine Bärbling ist der perfekte Bewohner für Nano-Aquarien ab 20 Litern. Richte das Becken mit viel Javamoos, feinfiedrigen Pflanzen, Schwimmpflanzen und einer Schicht Seemandelbaumblätter oder Erlenzapfen ein, um die natürlichen Schwarzwasserbedingungen nachzuempfinden. Ein dunkler Bodengrund bringt die leuchtenden Farben optimal zur Geltung.
Halte die Tiere in einer Gruppe von mindestens 8–12 Exemplaren. Die Wasserwerte sollten weich und sauer sein (pH 4,0–6,5, GH 1–5 °dGH) bei Temperaturen von 23–28 °C. Ideale Mitbewohner sind andere Nano-Fische wie Boraras-Arten, Zwerggarnelen (Neocaridina/Caridina) und kleine Schnecken. Vermeide strömungsstarke Filter und achte auf einen engmaschigen Ansaugschutz – die winzigen Fische können sonst eingesaugt werden.
Gefährdung & Schutzstatus
Der Kleine Bärbling wird von der IUCN als „Least Concern" (nicht gefährdet) eingestuft, obwohl sein Lebensraum – die Torfmoorwälder Südostasiens – zu den am stärksten bedrohten Ökosystemen der Welt gehört. Die großflächige Zerstörung dieser Wälder für Palmölplantagen könnte langfristig auch den Bestand dieser Art gefährden.
Im Aquarienhandel ist der Kleine Bärbling gut verfügbar und stammt teilweise aus Wildfängen, teilweise aus Nachzuchten. Die zunehmende Beliebtheit von Nano-Aquaristik hat die Nachfrage nach dieser Art deutlich gesteigert. Nachzuchtprogramme tragen dazu bei, den Wildfangdruck zu reduzieren.
Quellen
- FishBase: Boraras maculatus – fishbase.se
- Seriously Fish: Boraras maculatus – seriouslyfish.com
- Kottelat, M. & Vidthayanon, C. (1993): Boraras micros, a new genus and species of minute freshwater fish. Ichthyological Exploration of Freshwaters, 4(2), 161–176.
- Riehl, R. & Baensch, H. A. (2002): Aquarien Atlas. Mergus Verlag.
- IUCN Red List: Boraras maculatus – iucnredlist.org
