Der Kleine Beilbauchfisch ist ein faszinierender Oberflächenfisch aus den Schwarzwasserflüssen Südamerikas. Seine enorm kräftige Brustmuskulatur, die bis zu 25 % seines Körpergewichts ausmacht, ermöglicht es ihm, sich mit vibrierenden Brustflossen aus dem Wasser zu katapultieren und kurze Strecken zu „fliegen".
| Wissenschaftlicher Name | Carnegiella marthae |
| Ordnung | Salmlerartige (Characiformes) |
| Familie | Beilbauchfische (Gasteropelecidae) |
| Gattung | Carnegiella |
| Größe | 2–3,5 cm |
| Gewicht | unter 1 g |
| Lebenserwartung | 3–5 Jahre |
| Verbreitung | Südamerika (Orinoco-Becken, Rio Negro) |
| Lebensraum | Schwarzwasserflüsse und -bäche mit überhängender Ufervegetation |
| Schutzstatus | Nicht gefährdet (LC) – IUCN |
| Aquarium | ab 60 Liter |
| Temperatur | 24–28 °C |
| pH-Wert | 4,5–7,0 |
| Wasserhärte | 1–8 °dGH |
Beschreibung & Aussehen
Der Kleine Beilbauchfisch besitzt die für Beilbauchfische typische, extreme Körperform: Der Bauch ist stark nach unten gewölbt und bildet eine markante Kielform – wie ein umgedrehtes Beil. Diese einzigartige Körperform entsteht durch den massiv vergrößerten Brustgürtel und die enorm kräftige Brustmuskulatur, die beim „Flug" zum Einsatz kommt.
Die Grundfärbung ist silbrig bis transparent mit einem dunklen Seitenband und feinen schwarzen Linien auf den Brustflossen – daher der englische Name „Black-winged Hatchetfish". Die Brustflossen sind vergrößert und dienen als „Flügel" beim Gleitflug über der Wasseroberfläche. Mit einer Maximalgröße von nur 2–3,5 cm ist er der kleinste Vertreter der Beilbauchfische.
Verbreitung & Lebensraum
Der Kleine Beilbauchfisch kommt im nördlichen Südamerika vor und bewohnt das Orinoco-Becken in Venezuela und Kolumbien sowie den Rio Negro und seine Zuflüsse in Brasilien. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich über einige der größten Schwarzwassersysteme der Welt.
Er bevorzugt langsam fließende Gewässerabschnitte mit überhängender Ufervegetation, die ihm sowohl Nahrung als auch Schutz vor Fressfeinden bietet. Das typische Habitat sind extrem weiches, saures Schwarzwasser mit pH-Werten von 3,5–6,0 und einer Gesamthärte von nahezu null. Der Fisch hält sich fast ausschließlich direkt unter der Wasseroberfläche auf.
Lebensweise & Verhalten
Die eindrucksvollste Eigenschaft des Kleinen Beilbauchfisches ist seine Fähigkeit zum aktiven Flug – er ist einer der wenigen Fische, die tatsächlich fliegen können. Die Brustmuskulatur macht etwa 25 % seines Körpergewichts aus und ermöglicht es ihm, sich mit vibrierenden Brustflossen aus dem Wasser zu katapultieren und Strecken von bis zu einem Meter zurückzulegen.
Dieses Flugverhalten dient in erster Linie der Flucht vor Raubfischen. Im Aquarium kann der Fisch bei Erschrecken aus dem Becken springen – eine eng anliegende Abdeckung ist daher zwingend erforderlich. Der Kleine Beilbauchfisch ist ein friedlicher Schwarmfisch, der ausschließlich an der Wasseroberfläche lebt und sich kaum in tiefere Wasserschichten begibt.
Ernährung
Als reiner Oberflächenfresser nimmt der Kleine Beilbauchfisch in der Natur hauptsächlich Insekten und deren Larven auf, die auf die Wasseroberfläche fallen. Kleine Mücken, Fliegen, Ameisen und andere Fluginsekten bilden den Großteil seiner Nahrung.
Im Aquarium akzeptiert er feines Flockenfutter, das an der Oberfläche schwimmt, sowie Lebendfutter wie Fruchtfliegen (Drosophila), kleine Mückenlarven und Artemia. Futter, das zu Boden sinkt, wird ignoriert. Eine regelmäßige Fütterung mit lebenden Fruchtfliegen ist ideal und wird begeistert angenommen. Achte darauf, nur schwimmfähiges Futter zu verwenden.
Fortpflanzung
Die Zucht des Kleinen Beilbauchfisches im Aquarium ist schwierig und gelingt nur selten. Die Fische benötigen extrem weiches, saures Wasser (pH unter 5,5, GH unter 2 °dGH) und eine Simulation der natürlichen Regenzeit mit kühleren Temperaturen und häufigen Wasserwechseln.
Die Eier werden zwischen feinfiedrige Pflanzen oder Wurzelwerk an der Oberfläche abgelegt. Pro Laichvorgang werden nur wenige Eier (10–30) produziert. Die Larven schlüpfen nach 24–36 Stunden und benötigen Infusorien als Erstnahrung. Die gezielte Zucht erfordert Erfahrung und Geduld – Nachzuchten sind im Handel selten, die meisten Tiere stammen aus Wildfängen.
Haltung im Aquarium
Für eine Gruppe von 6–8 Kleinen Beilbauchfischen benötigst du ein Aquarium ab 60 Litern mit einer großen Wasseroberfläche. Da sich die Fische ausschließlich an der Oberfläche aufhalten, ist die Grundfläche wichtiger als die Beckenhöhe. Schwimmpflanzen bieten wichtige Deckung und sorgen für gedämpftes Licht.
Eine absolut dicht schließende Abdeckung ist unerlässlich – selbst kleinste Spalte reichen den springfreudigen Fischen zum Entweichen. Die Wasserwerte sollten weich und sauer sein (pH 4,5–7,0, GH 1–8 °dGH) bei Temperaturen von 24–28 °C. Der Kleine Beilbauchfisch lässt sich gut mit bodenbewohnenden Arten wie Panzerwelsen, Zwergbuntbarschen und Salmlern vergesellschaften, da er keine Konkurrenz um die Oberflächenzone darstellt.
Gefährdung & Schutzstatus
Der Kleine Beilbauchfisch wird von der IUCN als „Least Concern" (nicht gefährdet) eingestuft. Sein großes Verbreitungsgebiet im Orinoco- und Rio-Negro-System bietet derzeit ausreichend Lebensraum. Allerdings können lokale Umweltbelastungen wie Quecksilberverschmutzung durch Goldabbau die Populationen beeinträchtigen.
Da die Zucht im Aquarium nur selten gelingt, stammen die meisten im Handel erhältlichen Tiere aus Wildfängen. Ein nachhaltiges Management der Sammlung ist wichtig, um eine Überfischung zu vermeiden. Die Nachfrage ist jedoch moderat, weshalb derzeit kein akuter Bestandsdruck besteht.
Quellen
- FishBase: Carnegiella marthae – fishbase.se
- Seriously Fish: Carnegiella marthae – seriouslyfish.com
- Weitzman, S. H. & Palmer, L. (2003): Family Gasteropelecidae. In: Reis, R. E. et al. (Eds.): Check List of the Freshwater Fishes of South and Central America.
- Riehl, R. & Baensch, H. A. (2002): Aquarien Atlas. Mergus Verlag.
- IUCN Red List: Carnegiella marthae – iucnredlist.org
