Der Kleine Schwarze Salamander, im Englischen „Green Salamander" genannt, ist ein spezialisierter Felsspaltenbewohner der Appalachischen Gebirge. Trotz seines deutschen Namens zeigt er eine olivgrüne bis gelbgrüne, flechtenartige Musterung auf dunklem Grund. Er ist der einzige Vertreter der Klettersalamander im östlichen Nordamerika und auf Kalksteinfelsen spezialisiert.
| Wissenschaftlicher Name | Aneides aeneus |
| Ordnung | Schwanzlurche (Caudata) |
| Familie | Lungenlose Salamander (Plethodontidae) |
| Gattung | Aneides |
| Größe | 8–12 cm |
| Gewicht | 3–8 g |
| Lebenserwartung | 8–15 Jahre |
| Verbreitung | Östliches Nordamerika (Appalachen-Gebirge) |
| Lebensraum | Felsspalten, Kalksteinaufschlüsse, feuchte Wälder |
| Schutzstatus | Gering gefährdet (NT) – IUCN |
Beschreibung & Aussehen
Der Kleine Schwarze Salamander erreicht eine Gesamtlänge von 8–12 cm und ist abgeflacht gebaut – eine Anpassung an das Leben in engen Felsspalten. Der englische Name „Green Salamander" beschreibt sein Aussehen besser: Auf dunkelbrauner bis schwarzer Grundfarbe trägt er unregelmäßige, flechtenartige grünliche bis gelbgrüne Flecken, die eine hervorragende Tarnung auf bemoostem Fels bieten.
Der Kopf ist breit und stark abgeflacht mit breiten, kräftigen Kiefern und großen Augen. Die Zehen sind abgeflacht und verbreitert mit deutlichen Haftpolstern, die das Klettern auf glatten Felswänden ermöglichen. Er ist der einzige Vertreter der sonst westlichen Gattung Aneides im östlichen Nordamerika – eine biogeografische Besonderheit, die auf ein ehemals zusammenhängendes Verbreitungsgebiet hinweist.
Verbreitung & Lebensraum
Der Kleine Schwarze Salamander kommt ausschließlich in den Appalachen vor – von Pennsylvania über West Virginia, Virginia, Kentucky und Tennessee bis nach North Carolina und Alabama. Sein Verbreitungsgebiet ist fragmentiert und besteht aus isolierten Populationen an geeigneten Felsstandorten.
Er ist ein strikter Felsspalten-Spezialist und lebt fast ausschließlich in Spalten und Rissen von Kalkstein-, Sandstein- und Granitfelsen. Bevorzugt werden nordseitig exponierte, feuchte Felsaufschlüsse mit schmalen Spalten (0,5–3 cm breit). Er kommt in Höhenlagen von 200 bis 1.200 m vor und ist eng an intakte Waldbestände in der Umgebung seiner Felshabitate gebunden.
Lebensweise & Verhalten
Der Kleine Schwarze Salamander ist überwiegend nachtaktiv und verlässt seine Felsspalten-Verstecke nur bei hoher Luftfeuchtigkeit. Er ist ein hervorragender Kletterer und kann dank seiner Haftpolster-Zehen an glatten, vertikalen Felswänden emporklettern. Bei Trockenheit zieht er sich tief in die Felsspalten zurück.
Die Art ist stark an einzelne Felsspalten gebunden und zeigt eine bemerkenswerte Ortstreue – ein Individuum kann Jahre oder sogar sein ganzes Leben in derselben Spaltengruppe verbringen. Die Populationen sind oft klein und isoliert. Bei Bedrohung flüchtet er blitzschnell in die engen Spalten, wo er für Fressfeinde unerreichbar ist.
Ernährung
Der Kleine Schwarze Salamander ernährt sich von kleinen Wirbellosen, die er auf Felsoberflächen und in Spalten findet. Zur Beute gehören Ameisen, kleine Käfer, Spinnen, Milben, Springschwänze und kleine Schnecken. Die Jagd findet nachts auf den Felsoberflächen statt, wenn die Feuchtigkeit ausreichend hoch ist.
Die Beute wird mit der klebrigen Zunge oder durch schnelles Zupacken gefangen. Seine abgeflachte Körperform ermöglicht es ihm, auch in engen Spalten nach Beute zu suchen. In der trockenen Jahreszeit, wenn er sich in die Tiefe der Spalten zurückzieht, fastet er und lebt von seinen Fettreserven.
Fortpflanzung
Die Paarung findet im Frühsommer statt. Das Weibchen legt im Sommer (Juni–August) 10–20 große, dotterreiche Eier in traubenartigen Gelegen in feuchten Felsspalten ab. Das Weibchen bewacht die Eier und hält sie feucht, bis die Jungtiere nach 2–3 Monaten schlüpfen.
Die Entwicklung ist direkt – es gibt kein aquatisches Larvenstadium. Die schlüpfenden Jungtiere sind fertige Miniatur-Salamander von etwa 2 cm Länge und suchen sofort Felsspalten als Versteck auf. Die Weibchen reproduzieren sich nur alle zwei Jahre, was die ohnehin niedrige Fortpflanzungsrate weiter begrenzt. Die Geschlechtsreife wird nach 3–4 Jahren erreicht.
Haltung im Terrarium
Der Kleine Schwarze Salamander kann prinzipiell im Terrarium gehalten werden, ist aber in Europa kaum erhältlich. Ein Terrarium ab 60 × 30 × 40 cm mit einer strukturierten Felsrückwand (gestapelte Schieferplatten mit engen Spalten), Moos und einer hohen Luftfeuchtigkeit wäre ideal. Die Temperatur sollte bei 15–22 °C liegen.
Die Einrichtung muss enge Spalten zum Verstecken bieten – ohne diese fühlt sich die Art nicht wohl. Gefüttert wird mit Springschwänzen, kleinen Heimchen, Asseln und Wachsmottenlarven. Eine Winterruhe bei 5–10 °C ist empfehlenswert. Aufgrund des gering gefährdeten Status sollte nur mit Nachzuchttieren gearbeitet werden.
Gefährdung & Schutzstatus
Der Kleine Schwarze Salamander wird von der IUCN als „Near Threatened" (gering gefährdet) eingestuft. Die Art ist aufgrund ihrer strikten Habitatspezialisierung (Felsspalten) und der natürlich fragmentierten Verbreitung besonders anfällig. Bedrohungen sind die Zerstörung von Felshabitaten durch Straßenbau und Steinbruchbetrieb, Sammeldruck durch Amphibienliebhaber und der Klimawandel.
In mehreren US-Bundesstaaten (Pennsylvania, Ohio, Indiana) ist die Art als „State Endangered" gelistet und gesetzlich geschützt. Der Schutz geeigneter Felsstandorte und der umgebenden Waldbestände ist entscheidend. Einige Populationen liegen innerhalb von Nationalforsten und Schutzgebieten der Appalachen, die einen gewissen Habitatschutz bieten.
Quellen
- AmphibiaWeb: Aneides aeneus – amphibiaweb.org
- IUCN Red List: Aneides aeneus – iucnredlist.org
- Petranka, J. W. (1998): Salamanders of the United States and Canada. Smithsonian Institution Press.
- Waldron, J. L. & Humphries, W. J. (2005): Arboreal habitat use by the green salamander. Journal of Herpetology, 39(3), 486–489.
- Pough, F. H. et al. (2015): Herpetology. 4th Edition. Sinauer Associates.
