Molche

Kleiner Wassermolch (Lissotriton vulgaris)

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Kleiner Wassermolch (Lissotriton vulgaris)

Bildquelle: imageBROKER.com / shutterstock.com

Zusammenfassung

Der Kleine Wassermolch, auch Teichmolch genannt, ist die häufigste und am weitesten verbreitete Molchart Europas. Er kommt in fast jedem Gartenteich und Tümpel vor und ist oft der erste Molch, den Naturfreunde in ihrem Garten entdecken. Die Männchen zeigen zur Paarungszeit einen hohen, gewellten Rückenkamm und eine bunte Schwanzfärbung.

Der Kleine Wassermolch, auch Teichmolch genannt, ist die häufigste und am weitesten verbreitete Molchart Europas. Er kommt in fast jedem Gartenteich und Tümpel vor und ist oft der erste Molch, den Naturfreunde in ihrem Garten entdecken. Die Männchen zeigen zur Paarungszeit einen hohen, gewellten Rückenkamm und eine bunte Schwanzfärbung.

Steckbrief: Kleiner Wassermolch (Lissotriton vulgaris)
Wissenschaftlicher NameLissotriton vulgaris
OrdnungSchwanzlurche (Urodela)
FamilieEchte Salamander (Salamandridae)
GattungLissotriton
Größe7–11 cm
Gewicht3–6 g
Lebenserwartung10–14 Jahre
VerbreitungEuropa (von Großbritannien bis Westsibirien)
LebensraumTeiche, Gartenteiche, Gräben, Tümpel
SchutzstatusNicht gefährdet (LC) – IUCN

Beschreibung & Aussehen

Der Kleine Wassermolch erreicht eine Gesamtlänge von 7–11 cm und ist damit einer der kleineren europäischen Molche. Die Oberseite ist olivbraun bis gelbbraun mit dunklen Flecken. Die Unterseite ist gelblich bis orange mit runden, dunklen Flecken – ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zum Fadenmolch, der weniger oder keine Bauchflecken besitzt.

Männchen in Wassertracht sind deutlich prächtiger gefärbt: Sie entwickeln einen hohen, gewellten Rückenkamm, der am Übergang zum Schwanz nicht eingekerbt ist (Unterschied zum Kammmolch). Die Schwanzseiten zeigen ein kontrastreiches Muster aus dunklen Flecken und einem bläulich-schimmernden Band. An den Hinterzehen bilden sich Schwimmlappen. Weibchen und Landtiere beider Geschlechter sind deutlich unauffälliger gefärbt und besitzen keinen Kamm.

Verbreitung & Lebensraum

Der Kleine Wassermolch besitzt das größte Verbreitungsgebiet aller europäischen Molcharten. Es erstreckt sich von Großbritannien und der Iberischen Halbinsel über ganz Mittel- und Osteuropa bis nach Westsibirien und zum Ural. Im Norden reicht das Areal bis nach Skandinavien, im Süden bis zur nördlichen Balkanhalbinsel und zum nördlichen Türkei.

Die Art ist äußerst anpassungsfähig und besiedelt nahezu jede Art von stehendem oder langsam fließendem Gewässer. Gartenteiche, Tümpel, Gräben, Altarme, Viehtränken und wassergefüllte Wagenspuren werden als Laichgewässer genutzt. Er kommt sowohl in der offenen Landschaft als auch in Wäldern und Siedlungsbereichen vor. An Land lebt er unter Steinen, in der Laubstreu, in Komposthaufen und in Gärten.

Lebensweise & Verhalten

Der Kleine Wassermolch wandert im Frühjahr (Februar–April) zu seinen Laichgewässern und verbringt dort 2–4 Monate. Er ist in der Wasserphase sowohl tag- als auch nachtaktiv und lässt sich oft gut beobachten, wenn er zum Luftholen an die Wasseroberfläche schwimmt. Die Art ist gesellig und kommt in Laichgewässern oft in hohen Dichten vor.

Nach der Laichzeit kehrt er an Land zurück und führt ein dämmerungs- und nachtaktives Leben. Die Winterruhe verbringt er von Oktober bis Februar in frostfreien Verstecken – häufig in Komposthaufen, unter Holzstapeln, in Erdlöchern oder in Kellern. In milden Wintern oder bei ganzjährig verfügbaren Gewässern kann er auch über den Winter im Wasser bleiben.

Ernährung

Der Kleine Wassermolch ernährt sich von einer breiten Palette kleiner Wirbelloser. Im Wasser frisst er Wasserflöhe, Hüpferlinge, Mückenlarven, kleine Schnecken und Würmer. An Land stehen Insekten, Spinnen, kleine Nacktschnecken und Asseln auf dem Speiseplan.

Die Beute wird visuell geortet und mit einer schnellen Kopfbewegung geschnappt. Im Wasser nutzt er die Saugschnapp-Technik. Der Kleine Wassermolch ist ein wichtiger Regulator von Mückenlarven-Populationen und damit ein nützlicher Bewohner von Gartenteichen. Larven ernähren sich von Kleinstlebewesen wie Wasserflöhen und winzigen Mückenlarven.

Fortpflanzung

Die Paarungszeit erstreckt sich von März bis Juni. Das Männchen führt eine eindrucksvolle Balz durch: Es stellt sich seitlich vor das Weibchen, richtet den Kamm auf und schlägt mit dem Schwanz rhythmisch Pheromone zum Weibchen. Diese Balz umfasst mehrere ritualisierte Phasen und endet mit dem Absetzen einer Spermatophore, die vom Weibchen aufgenommen wird.

Das Weibchen legt 200–300 Eier einzeln an Blätter von Wasserpflanzen und faltet jedes Blatt sorgfältig über das Ei. Die Larven schlüpfen nach 2–3 Wochen und leben 2–3 Monate aquatisch. Bei der Metamorphose sind die Jungtiere nur etwa 3–4 cm groß. Sie verlassen das Wasser und werden nach 2–3 Jahren geschlechtsreif. In Gartenteichen kann die Fortpflanzung jedes Jahr beobachtet werden.

Haltung im Aquarium

Der Kleine Wassermolch ist in Deutschland und den meisten europäischen Ländern besonders geschützt. Eine Entnahme aus der Natur ist verboten. Die Beobachtung im Gartenteich ist jedoch erlaubt und ein wunderbares Naturerlebnis. Wenn du deinen Gartenteich molchfreundlich gestalten möchtest, achte auf fischfreie Bereiche, reichlich Unterwasserpflanzen und flache Uferzonen.

Die Haltung von legal erworbenen Nachzuchten ist in einem kühlen Aquaterrarium ab 60 × 30 cm Grundfläche möglich. Die Wassertemperatur sollte 12–18 °C betragen. Reichlich feine Wasserpflanzen wie Hornkraut und Wasserpest bieten Versteck- und Eiablageplätze. Gefüttert wird mit kleinen Mückenlarven, Wasserflöhen und Enchyträen. Eine Winterruhe bei 4–6 °C über 2–3 Monate ist essenziell.

Gefährdung & Schutzstatus

Der Kleine Wassermolch wird von der IUCN als „Least Concern" eingestuft. Er ist insgesamt noch häufig und die am wenigsten gefährdete europäische Molchart. Dennoch gehen die Bestände vielerorts durch den Verlust von Kleingewässern, die Intensivierung der Landwirtschaft, den Einsatz von Pestiziden und den Fischbesatz in Gartenteichen zurück.

In Deutschland ist der Kleine Wassermolch nach Bundesnaturschutzgesetz besonders geschützt. Die Anlage naturnaher Gartenteiche ohne Fischbesatz ist eine der wirksamsten Maßnahmen zur Förderung dieser sympathischen Art. Auch der Erhalt von Kleingewässern in der Agrarlandschaft, Feldgehölzen und Hecken als Landlebensraum ist wichtig. Der Salamanderfresserpilz Bsal stellt eine zunehmende Bedrohung dar.

Quellen

  1. AmphibiaWeb: Lissotriton vulgarisamphibiaweb.org
  2. IUCN Red List: Lissotriton vulgarisiucnredlist.org
  3. Laufer, H., Fritz, K. & Sowig, P. (2007): Die Amphibien und Reptilien Baden-Württembergs. Ulmer Verlag.
  4. Nöllert, A. & Nöllert, C. (1992): Die Amphibien Europas. Franckh-Kosmos Verlag.
  5. Pough, F. H. et al. (2015): Herpetology. 4th Edition. Sinauer Associates.

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