Kröten

Knoblauchkröte (Pelobates fuscus)

3 Min. Lesezeit
Pelobates fuscus

Bildquelle: Martin Thum / shutterstock.com

Zusammenfassung

Die Knoblauchkröte ist eine nachtaktive, grabende Krötenart, die sich tagsüber in selbst gegrabenen Erdhöhlen verbirgt. Ihren Namen verdankt sie dem knoblauchartigen Geruch, den sie bei Bedrohung absondern kann. Sie ist in weiten Teilen Mittel- und Osteuropas verbreitet.

📚 Steckbrief – Knoblauchkröte (Pelobates fuscus)
Wissenschaftlicher NamePelobates fuscus
OrdnungFroschlurche (Anura)
FamilieSchaufelfußkröten (Pelobatidae)
GattungPelobates
Größe4–6,5 cm
Gewicht8–20 g
Lebenserwartung5–8 Jahre (in Gefangenschaft bis 12 Jahre)
VerbreitungMittel- und Osteuropa bis Westsibirien
LebensraumSandige Böden, Ackerland, Heidegebiete
SchutzstatusNicht gefährdet (LC) – IUCN

Beschreibung & Aussehen

Die Knoblauchkröte ist mit 4–6,5 cm Körperlänge eine relativ kleine Art. Die Haut ist glatter als bei echten Kröten und die Grundfarbe variiert von gelblich-braun über grau bis hellbraun mit dunklen, olivbraunen Flecken. Die Unterseite ist weißlich. Der Körperbau ist kompakt mit einem großen, gewölbten Kopf und relativ großen, hervorstehenden Augen.

Besonders auffällig sind die vertikalen, katzenartigen Pupillen – ein Unterscheidungsmerkmal zu den echten Kröten, die horizontale Pupillen besitzen. An den Hinterfüßen trägt sie eine große, scharfkantige Fersenschwiele (Metatarsalhöcker), die als Grabschaufel dient. Mit dieser kann sie sich innerhalb weniger Minuten rückwärts in lockere Sandböden eingraben. Bei Bedrohung sondert die Knoblauchkröte ein knoblauchartig riechendes Sekret ab – daher ihr deutscher Name.

Verbreitung & Lebensraum

Die Knoblauchkröte ist von Westfrankreich und den Niederlanden über Mitteleuropa bis nach Westsibirien und Kasachstan verbreitet. In Deutschland liegt der Verbreitungsschwerpunkt im Nordosten (Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern) und im Oberrheingebiet.

Die Art ist strikt an lockere, sandige oder lehmige Böden gebunden, in die sie sich eingraben kann. Typische Lebensräume sind sandige Äcker, Heidegebiete, Dünen und lichte Kiefernwälder auf Sandboden. Als Laichgewässer werden stehende, mäßig tiefe Gewässer mit Unterwasservegetation bevorzugt – Teiche, Weiher und Überschwemmungsflächen.

Lebensweise & Verhalten

Die Knoblauchkröte führt eine extrem verborgene Lebensweise. Sie ist streng nachtaktiv und verbringt den gesamten Tag in selbst gegrabenen Erdröhren – oft 20–30 cm tief im Boden. Erst nach Einbruch der Dunkelheit kommt sie an die Oberfläche, um zu jagen.

Die Überwinterung findet in Tiefen von bis zu 1 m im Boden statt, von September/Oktober bis März/April. Die Art ist die am stärksten an das Grabenleben angepasste europäische Kröte. Durch ihre verborgene Lebensweise wird sie häufig übersehen, selbst dort, wo sie relativ häufig vorkommt.

Ernährung

Die Knoblauchkröte frisst hauptsächlich Käfer, Ameisen, Spinnen, Regenwürmer und Schnecken. Die Nahrungssuche findet ausschließlich nachts statt. Die Kaulquappen der Knoblauchkröte werden außergewöhnlich groß – bis zu 18 cm Gesamtlänge – und gehören damit zu den größten Kaulquappen Europas. Sie ernähren sich von Algen, Wasserpflanzen und organischem Material.

Fortpflanzung

Die Laichzeit dauert von März bis Mai. Die Männchen rufen unter Wasser mit einem leisen, schnell wiederholten „Glock-Glock"-Laut. Das Weibchen legt 1.000–3.000 Eier in dicken, bandförmigen Laichschnüren ab, die um Wasserpflanzen gewickelt werden.

Die Larvenentwicklung dauert 2–5 Monate – die Kaulquappen können dabei eine beachtliche Größe von bis zu 18 cm erreichen (einschließlich Schwanz). Die Metamorphose findet zwischen Juni und September statt. Die Jungtiere sind bei der Umwandlung 2–3 cm groß und beginnen sofort, sich in den Boden einzugraben. Die Geschlechtsreife wird nach 2–3 Jahren erreicht.

Haltung im Terrarium

Die Knoblauchkröte ist in Deutschland streng geschützt (Anhang IV der FFH-Richtlinie) und darf nicht der Natur entnommen werden. Eine Haltung ist nur mit Nachzuchten und entsprechender Genehmigung möglich.

Für die Haltung benötigt man ein Terrarium mit einer mindestens 15–20 cm dicken Schicht feinen, feuchten Sandes, in den sich die Tiere eingraben können. Ein flaches Wasserbecken und Verstecke ergänzen die Einrichtung. Temperaturen von 18–22 °C und eine Winterruhe bei 4–6 °C sind wichtig.

Gefährdung & Schutzstatus

Die Knoblauchkröte ist in Deutschland auf der Roten Liste als „stark gefährdet" (Kategorie 2) eingestuft. Hauptgefährdungsursachen sind der Verlust sandiger Böden durch Bebauung und Versiegelung, die Intensivierung der Landwirtschaft (Bodenverdichtung durch schwere Maschinen) und die Zerstörung geeigneter Laichgewässer.

Schutzmaßnahmen umfassen die Erhaltung sandiger Böden und geeigneter Laichgewässer, die Extensivierung der Landnutzung und die Neuanlage von Kleingewässern in Bereichen mit Sandböden.

Quellen

  1. AmphibiaWeb: Pelobates fuscus – amphibiaweb.org
  2. IUCN Red List: Pelobates fuscus – www.iucnredlist.org
  3. Nöllert, A. & Nöllert, C. (1992): Die Amphibien Europas. Franckh-Kosmos Verlag.
  4. Bundesamt für Naturschutz: Knoblauchkröte – www.bfn.de

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