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Kolumbianischer Baumsteiger (Oophaga histrionica)

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Kolumbianischer Baumsteiger (Oophaga histrionica)

Bildquelle: Dirk Ercken / shutterstock.com

Zusammenfassung

Der Kolumbianische Baumsteiger ist einer der variabelsten Pfeilgiftfrösche der Welt. Sein Farbenspektrum reicht von leuchtendem Rot über Orange und Gelb bis hin zu Schwarz mit kontrastierenden Mustern – kaum eine Population gleicht der anderen. Wie alle Oophaga-Arten ist er giftig und zeigt eine bemerkenswerte Brutpflege.

Der Kolumbianische Baumsteiger ist einer der variabelsten Pfeilgiftfrösche der Welt. Sein Farbenspektrum reicht von leuchtendem Rot über Orange und Gelb bis hin zu Schwarz mit kontrastierenden Mustern – kaum eine Population gleicht der anderen. Wie alle Oophaga-Arten ist er giftig und zeigt eine bemerkenswerte Brutpflege.

Steckbrief: Kolumbianischer Baumsteiger (Oophaga histrionica)
Wissenschaftlicher NameOophaga histrionica
OrdnungFroschlurche (Anura)
FamilieBaumsteigerfrösche (Dendrobatidae)
GattungOophaga
Größe2–3,5 cm
Gewicht2–5 g
Lebenserwartung8–12 Jahre
VerbreitungKolumbien (Chocó-Region, Pazifikküste)
LebensraumTropischer Regenwald, Bodenstreu und untere Baumschicht
SchutzstatusNicht gefährdet (LC) – IUCN

Beschreibung & Aussehen

Der Kolumbianische Baumsteiger ist ein kleiner, kompakter Frosch mit einer Körperlänge von 2–3,5 cm. Seine außergewöhnliche Farbvariabilität ist legendär – die Art zeigt ein schier unendliches Spektrum an Farbkombinationen und Mustern. Bekannte Farbformen umfassen leuchtend rote Tiere mit schwarzen Flecken, orange Exemplare mit schwarzen Netzmustern, gelbe Individuen und sogar überwiegend schwarze Varianten mit bunten Flecken.

Diese enorme Farbvielfalt ist auf die isolierten Populationen in den kolumbianischen Regenwäldern zurückzuführen, die sich unabhängig voneinander entwickelt haben. Die leuchtenden Warnfarben (Aposematismus) signalisieren potenziellen Fressfeinden die Giftigkeit des Frosches. Die Haut enthält verschiedene Alkaloide, die aus der Nahrung (insbesondere Ameisen und Milben) aufgenommen und in speziellen Hautdrüsen gespeichert werden.

Verbreitung & Lebensraum

Der Kolumbianische Baumsteiger kommt ausschließlich in Kolumbien vor, wo er entlang der Pazifikküste in der Chocó-Region verbreitet ist. Diese Region gehört zu den artenreichsten und regenreichsten Gebieten der Erde mit Niederschlägen von bis zu 10.000 mm pro Jahr.

Sein natürlicher Lebensraum sind die Bodenstreu und die untere Baumschicht des tropischen Regenwaldes. Die Frösche leben in der Laubschicht, auf umgestürzten Baumstämmen und in der Nähe kleiner Wasseransammlungen in Blattachseln und Bromelien. Sie benötigen eine hohe Luftfeuchtigkeit (über 80 %) und relativ konstante Temperaturen von 22–28 °C. Die Art ist eng an intakte Primärwälder gebunden und reagiert empfindlich auf Lebensraumveränderungen.

Lebensweise & Verhalten

Der Kolumbianische Baumsteiger ist tagaktiv und zeigt ein ausgeprägtes Territorialverhalten. Sowohl Männchen als auch Weibchen verteidigen Reviere gegen Artgenossen. Die Männchen locken Weibchen mit leisen, insektenartigen Rufen an, die sie von erhöhten Positionen in der Bodenstreu ausstoßen.

Besonders bemerkenswert ist die aufwendige Brutpflege der Gattung Oophaga. Nach der Befruchtung transportiert das Männchen die Kaulquappen auf seinem Rücken zu wassergefüllten Blattachseln von Bromelien oder ähnlichen Phytotelmata. Das Weibchen kehrt regelmäßig zu den Kaulquappen zurück und legt unbefruchtete Nähreier in das Wasser, von denen sich die Larven ernähren – eine einzigartige Form der Brutpflege unter Amphibien.

Ernährung

In der Natur ernährt sich der Kolumbianische Baumsteiger hauptsächlich von kleinen Ameisen, Milben und anderen winzigen Arthropoden, die er in der Laubschicht des Regenwaldes findet. Die aus der Nahrung aufgenommenen Alkaloide werden in der Haut gespeichert und dienen als chemische Verteidigung gegen Fressfeinde.

In Gefangenschaft werden die Frösche hauptsächlich mit Fruchtfliegen (Drosophila), Springschwänzen (Collembola) und kleinen tropischen Asseln gefüttert. Das Futter muss regelmäßig mit Vitamin- und Kalziumpräparaten bestäubt werden. Da die Nahrungsalkaloide in Gefangenschaft fehlen, verlieren nachgezüchtete Tiere ihre Giftigkeit – ein wichtiger Sicherheitsaspekt für die Terrarienhaltung.

Fortpflanzung

Die Fortpflanzung des Kolumbianischen Baumsteigers ist komplex und faszinierend. Das Männchen ruft vom Boden oder niedrigen Sitzwarten, um ein Weibchen anzulocken. Nach einer ausgiebigen Balz, die das gegenseitige Berühren und Umkreisen umfasst, werden 3–6 Eier in der Laubschicht auf einem glatten Blatt abgelegt und vom Männchen befruchtet.

Nach etwa 14 Tagen schlüpfen die Kaulquappen. Das Männchen transportiert die Larven einzeln auf seinem Rücken zu geeigneten Wasseransammlungen – meist in Blattachseln von Bromelien. Dort kümmert sich das Weibchen um die Kaulquappen, indem es regelmäßig unbefruchtete Nähreier ablegt, die als einzige Nahrungsquelle dienen. Diese Brutpflege dauert 6–8 Wochen, bis die Jungtiere die Metamorphose abschließen. Die Geschlechtsreife wird nach 12–18 Monaten erreicht.

Haltung im Terrarium

Für die Haltung des Kolumbianischen Baumsteigers benötigst du ein tropisches Regenwaldterrarium ab 45 × 45 × 60 cm (L × B × H) für ein Paar. Die Einrichtung sollte eine Drainageschicht, tropische Pflanzen (Bromelien, Farne, Moose), Korkrinde als Klettermöglichkeit und eine automatische Beregnungsanlage umfassen. Die Luftfeuchtigkeit muss konstant über 80 % liegen.

Die Temperatur sollte tagsüber 24–27 °C betragen und nachts auf 20–22 °C absinken. Eine leichte Luftbewegung und ein Tag-Nacht-Rhythmus von 12/12 Stunden sind wichtig. Füttere täglich mit bestäubten Fruchtfliegen und Springschwänzen. Beachte, dass Wildfänge unter strengem Artenschutz stehen – halte ausschließlich legal erworbene Nachzuchten. Die Art ist anspruchsvoll und eignet sich eher für erfahrene Terrarienhalter mit Erfahrung in der Dendrobatenhaltung.

Gefährdung & Schutzstatus

Der Kolumbianische Baumsteiger wird von der IUCN als „Least Concern" (nicht gefährdet) eingestuft, obwohl einige isolierte Populationen durch Lebensraumzerstörung bedroht sind. Die Abholzung der Regenwälder im kolumbianischen Chocó, insbesondere für Bergbau, Landwirtschaft und Holzeinschlag, gefährdet viele Standorte dieser farbenprächtigen Art.

Die Art ist im Anhang II des Washingtoner Artenschutzübereinkommens (CITES) gelistet, was den internationalen Handel reguliert. Illegale Sammlung für den Heimtiermarkt stellt in einigen Gebieten eine zusätzliche Bedrohung dar. In der Terrarienhaltung sollten ausschließlich Nachzuchten verwendet werden, die von seriösen Züchtern stammen und keine Wildpopulationen belasten.

Quellen

  1. AmphibiaWeb: Oophaga histrionicaamphibiaweb.org
  2. IUCN Red List: Oophaga histrionicaiucnredlist.org
  3. Lötters, S. et al. (2007): Poison Frogs – Biology, Species & Captive Husbandry. Edition Chimaira.
  4. Myers, C. W. & Daly, J. W. (1983): Dart-poison frogs. Scientific American, 248(2), 120–133.
  5. Dendrobates.org – Artportal Pfeilgiftfrösche – dendrobates.org

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