Kröten

Kreuzkröte (Epidalea calamita)

3 Min. Lesezeit
Kreuzkröte (Bufo calamita)

Bildquelle: LFRabanedo / shutterstock.com

Zusammenfassung

Die Kreuzkröte ist eine kleine, agile Krötenart, die an dem charakteristischen hellen Rückenstreifen leicht zu erkennen ist. Als Pionierart bevorzugt sie offene, vegetationsarme Flächen und temporäre Gewässer. Ihr lauter Paarungsruf ist in warmen Frühlingsnächten weithin hörbar.

📚 Steckbrief – Kreuzkröte (Epidalea calamita)
Wissenschaftlicher NameEpidalea calamita
OrdnungFroschlurche (Anura)
FamilieKröten (Bufonidae)
GattungEpidalea
Größe4–7 cm
Gewicht8–20 g
Lebenserwartung7–8 Jahre (in Gefangenschaft bis 15 Jahre)
VerbreitungWest- und Mitteleuropa
LebensraumOffene, sandige Flächen, Dünen, Kiesgruben, Brachflächen
SchutzstatusNicht gefährdet (LC) – IUCN

Beschreibung & Aussehen

Die Kreuzkröte ist mit 4–7 cm Körperlänge eine relativ kleine Krötenart. Ihr auffälligstes Merkmal ist der helle, gelblich-grüne Längsstreifen auf dem Rücken, der von der Schnauze bis zum Hinterende verläuft und der Art ihren Namen gibt. Die Grundfarbe ist variabel – von graubraun über olivgrün bis grünlich.

Die Haut ist weniger warzig als bei der Erdkröte, die Parotiden sind flach und parallel zueinander angeordnet. Die Iris ist gelbgrün mit einem charakteristischen horizontalen Pupillenstreifen. Die Beine sind relativ kurz, weshalb sich die Kreuzkröte eher laufend als springend fortbewegt – sie wird daher manchmal als „Rennkröte" bezeichnet. Männchen sind kleiner als Weibchen und besitzen zur Paarungszeit eine violettblaue Kehlhaut.

Verbreitung & Lebensraum

Die Kreuzkröte kommt von der Iberischen Halbinsel über Frankreich, die Beneluxstaaten und Großbritannien bis nach Norddeutschland, Südskandinavien und ins Baltikum vor. In Deutschland liegt ein Schwerpunkt der Verbreitung im Nordwesten (Niedersachsen, NRW) und in der Oberrheinebene.

Als typische Pionierart besiedelt die Kreuzkröte offene, vegetationsarme Standorte mit lockerem, sandigem Boden. Bevorzugte Lebensräume sind Dünen, Kiesgruben, Steinbrüche, Industriebrachen und militärische Übungsgelände. Zur Fortpflanzung werden flache, temporäre Gewässer wie Pfützen, Radspuren und Überschwemmungsflächen genutzt. Die Art meidet bewaldete Gebiete und dauerhafte Gewässer.

Lebensweise & Verhalten

Die Kreuzkröte ist dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber vergräbt sie sich in selbst gegrabene Röhren im Sand oder versteckt sich unter Steinen und Brettern. Sie kann sich erstaunlich schnell laufend fortbewegen – daher auch der Beiname „Rennkröte".

Die Überwinterung findet von Oktober bis März in frostfreien, sandigen Verstecken statt – oft in selbst gegrabenen Höhlen bis zu 1 m Tiefe. Im Frühjahr versammeln sich die Männchen an flachen Gewässern und stoßen sehr laute, ratternde Rufe aus, die an das Knarren einer Tür erinnern und bis zu 1 km weit hörbar sind.

Ernährung

Die Kreuzkröte ernährt sich hauptsächlich von Ameisen, kleinen Käfern, Spinnen, Asseln und Schnecken. Aufgrund ihrer geringen Größe frisst sie überwiegend kleinere Beutetiere als die Erdkröte. Die Nahrungssuche findet nachts statt, wobei die Kröte aktiv umherläuft und Beute aufsammelt.

Kaulquappen ernähren sich von Algen und Detritus in ihren flachen, warmen Kleingewässern.

Fortpflanzung

Die Laichzeit erstreckt sich von April bis August – deutlich länger als bei den meisten anderen europäischen Krötenarten. Die Männchen rufen in warmen, feuchten Nächten von flachen Gewässern aus. Der Ruf ist extrem laut und kann mit einer aufblasbaren Kehlblase verstärkt werden.

Die Weibchen legen 2.000–4.000 Eier in einreihigen Laichschnüren in flache, warme Gewässer. Die Entwicklung der Kaulquappen ist rasant schnell – in nur 3–6 Wochen ist die Metamorphose abgeschlossen. Diese schnelle Entwicklung ist eine Anpassung an die temporären Laichgewässer, die auszutrocknen drohen. Die Jungtiere sind bei der Umwandlung nur 7–10 mm groß.

Haltung im Terrarium

Die Kreuzkröte ist in Deutschland und der EU streng geschützt (Anhang IV der FFH-Richtlinie) und darf nicht der Natur entnommen werden. Eine Terrarienhaltung ist nur mit legal erworbenen Nachzuchten und entsprechender Genehmigung möglich.

Ein Terrarium ab 60 × 40 × 40 cm mit einer dicken Sandschicht zum Graben, Verstecken und einem flachen Wasserbecken ist geeignet. Die Temperatur sollte tagsüber 20–24 °C betragen. Eine Winterruhe bei 5–8 °C über 3 Monate ist wichtig für die Gesundheit der Tiere.

Gefährdung & Schutzstatus

Die Kreuzkröte ist in Deutschland auf der Roten Liste als „gefährdet" (Kategorie 3) eingestuft. Die Hauptgefährdungsursache ist der Verlust offener, vegetationsarmer Lebensräume und temporärer Kleingewässer durch Sukzession, Bebauung und die Rekultivierung von Kiesgruben und Steinbrüchen.

Schutzmaßnahmen umfassen die Erhaltung und Neuanlage flacher, besonnter Kleingewässer, die Offenhaltung von Brachflächen und das Management von Sekundärlebensräumen. Die Art profitiert von dynamischen, sich verändernden Landschaften.

Quellen

  1. AmphibiaWeb: Epidalea calamita – amphibiaweb.org
  2. IUCN Red List: Epidalea calamita – www.iucnredlist.org
  3. Laufer, H., Fritz, K. & Sowig, P. (2007): Die Amphibien und Reptilien Baden-Württembergs. Ulmer Verlag.
  4. Bundesamt für Naturschutz: Kreuzkröte – www.bfn.de

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