Der Längsstreifen-Ohrgitterharnischwels, besser bekannt als Otocinclus, ist einer der effektivsten und beliebtesten Algenfresser in der Süßwasseraquaristik. Mit seiner friedlichen Art und seiner geringen Größe ist er der ideale Aufwuchsfresser für bepflanzte Aquarien.
| Wissenschaftlicher Name | Otocinclus macrospilus |
| Ordnung | Welsartige (Siluriformes) |
| Familie | Harnischwelse (Loricariidae) |
| Gattung | Otocinclus |
| Größe | 3–5 cm |
| Gewicht | 1–3 g |
| Lebenserwartung | 3–5 Jahre |
| Verbreitung | Südamerika (Peru, Ecuador, Kolumbien) |
| Lebensraum | Flache, klare Fließgewässer mit Aufwuchs auf Steinen und Pflanzen |
| Schutzstatus | Nicht gefährdet (LC) – IUCN |
| Aquarium | ab 60 Liter |
| Temperatur | 22–26 °C |
| pH-Wert | 5,5–7,5 |
| Wasserhärte | 2–15 °dGH |
Beschreibung & Aussehen
Der Otocinclus macrospilus ist ein kleiner, schlanker Wels mit einer Körperlänge von 3–5 cm. Sein Körper ist stromlinienförmig und mit Knochenplatten (dem namensgebenden „Harnisch") bedeckt. Die Grundfärbung ist olivgrün bis bräunlich auf der Oberseite und cremefarben bis weiß auf der Unterseite. Ein markanter dunkler Längsstreifen zieht sich von der Schnauze über das Auge bis zur Schwanzwurzel, wo er in einem großen schwarzen Fleck endet.
Die Unterseite ist mit einem kräftigen Saugmaul ausgestattet, das es dem Fisch ermöglicht, sich an glatten Oberflächen festzusaugen und Algenbeläge abzuraspeln. Die Flossen sind transparent bis leicht gelblich. Die Unterscheidung der Geschlechter ist schwierig – Weibchen sind bei genauer Betrachtung etwas fülliger als Männchen, besonders wenn sie Eier tragen.
Verbreitung & Lebensraum
Otocinclus macrospilus stammt aus den westlichen Andenvorländern Südamerikas und kommt in Peru, Ecuador und Kolumbien vor. Sein Verbreitungsgebiet umfasst verschiedene Flusssysteme, die in den Pazifik und den oberen Amazonas entwässern.
Der natürliche Lebensraum sind flache, klare Fließgewässer mit mäßiger Strömung und reichlich Aufwuchs auf Steinen, Wurzeln und Wasserpflanzen. Die Gewässer sind in der Regel gut mit Sauerstoff versorgt und haben einen sandigen oder kiesigen Bodengrund. Die Fische leben in großen Gruppen an sonnenbeschienenen Stellen, wo der Algenwuchs besonders üppig ist.
Lebensweise & Verhalten
Otocinclus-Welse sind ausgesprochen gesellige Tiere, die in der Natur in Schwärmen von oft hunderten Individuen zusammenleben. Sie sind fast pausenlos damit beschäftigt, Algenbeläge und Aufwuchs von Oberflächen abzuraspeln – Steine, Pflanzenblätter, Wurzeln und Aquarienscheiben werden systematisch bearbeitet.
Die Fische sind friedlich und scheu und fühlen sich nur in Gruppen wohl. Einzeln oder in zu kleinen Gruppen gehaltene Otocinclus zeigen Stresssymptome und sind anfälliger für Krankheiten. Sie sind vorwiegend tagaktiv, können aber auch nachts beim Fressen beobachtet werden. Im Aquarium saugen sie sich gerne an Pflanzenblättern und der Scheibe fest und bewegen sich von Stelle zu Stelle, um frischen Aufwuchs zu finden.
Ernährung
Otocinclus sind spezialisierte Aufwuchsfresser, die sich in der Natur hauptsächlich von Biofilmen, Kieselalgen und anderen Mikroalgen ernähren, die auf Hartsubstraten wachsen. Sie fressen keine Fadenalgen oder Blaualgen, sind aber hervorragend bei der Beseitigung von Braunalgen und grünen Belägen.
Im Aquarium reicht der natürliche Algenaufwuchs oft nicht als alleinige Nahrungsquelle aus, besonders bei gut gepflegten Becken mit wenig Algenwachstum. Ergänze die Ernährung daher mit Algentabletten, blanchierten Gemüsescheiben (Zucchini, Gurke, Spinat) und Spirulina-Flocken. Auch überbrühtes Herbstlaub wird gerne angenommen. Eine ausreichende Nahrungsversorgung ist entscheidend – hungernde Otocinclus magern schnell ab und können daran sterben.
Fortpflanzung
Die Zucht von Otocinclus im Aquarium gelingt gelegentlich und wird durch ausgiebige Fütterung mit Lebendfutter und häufige Frischwasserzufuhr stimuliert. Die Balz beinhaltet ein typisches Jagdverhalten, bei dem das Männchen das Weibchen durch das Becken verfolgt.
Die Eier werden einzeln oder in kleinen Gruppen an Pflanzenblätter und Scheiben geheftet – pro Laichvorgang werden 20–50 Eier abgesetzt. Die Eier sind transparent und etwa 1 mm groß. Die Larven schlüpfen nach 2–3 Tagen und sind extrem klein. Sie ernähren sich zunächst von Biofilmen und Mikroalgen auf Oberflächen. Die Aufzucht erfordert ein eingelaufenes Becken mit reichlich Aufwuchs und eine sehr gute Wasserqualität.
Haltung im Aquarium
Otocinclus benötigen ein gut eingelaufenes Aquarium ab 60 Litern mit reichlich Pflanzen, Oberflächen für den Aufwuchs und einer guten Wasserqualität. Halte die Tiere in einer Gruppe von mindestens 6, besser 8–10 Exemplaren. Ein dicht bepflanztes Becken mit Moorkienholz, Steinen und einer leichten Strömung bietet ideale Bedingungen.
Die Wasserwerte sollten bei 22–26 °C, pH 5,5–7,5 und einer Gesamthärte von 2–15 °dGH liegen. Otocinclus sind empfindlich gegenüber Wasserbelastungen – Ammoniak und Nitrit müssen bei null liegen, und regelmäßige Wasserwechsel sind unerlässlich. Die Vergesellschaftung mit anderen friedlichen Arten wie Salmlern, Bärblingen, Garnelen und Zwergbuntbarschen ist problemlos möglich. Beachte, dass frisch importierte Wildfänge oft empfindlich sind – achte auf gesunde, aktive Tiere mit rundem Bauch beim Kauf.
Gefährdung & Schutzstatus
Otocinclus macrospilus wird von der IUCN als „Least Concern" (nicht gefährdet) eingestuft. Die Wildbestände gelten als stabil, obwohl große Mengen für den Aquarienhandel gesammelt werden. In manchen Exportländern werden jährlich Millionen von Otocinclus gesammelt.
Die intensive Wildfangpraxis kann lokal zu Bestandsrückgängen führen. Erfreulicherweise gelingt die Nachzucht im Aquarium zunehmend besser, was langfristig den Druck auf die Wildpopulationen verringern könnte. Ein nachhaltiges Sammlungsmanagement in den Herkunftsländern ist für die langfristige Erhaltung der Art wichtig.
Quellen
- FishBase: Otocinclus macrospilus – fishbase.se
- Seriously Fish: Otocinclus macrospilus – seriouslyfish.com
- Schaefer, S. A. (1997): The Neotropical cascudinhos: Systematics and biogeography of the Otocinclus catfishes. Proceedings of the Academy of Natural Sciences of Philadelphia, 148, 1–120.
- Riehl, R. & Baensch, H. A. (2002): Aquarien Atlas. Mergus Verlag.
- IUCN Red List: Otocinclus macrospilus – iucnredlist.org
