Der Lanza-Salamander ist ein seltener Schwanzlurch aus der südwestlichen Türkei und einigen griechischen Inseln. Er bewohnt felsige Kalksteinhabitate und ist überwiegend nachtaktiv. Als lebendgebärende Art bringt das Weibchen vollständig entwickelte Jungtiere zur Welt. Aufgrund seines stark fragmentierten Lebensraums gilt er als gefährdet.
| Wissenschaftlicher Name | Lyciasalamandra luschani |
| Ordnung | Schwanzlurche (Caudata) |
| Familie | Echte Salamander (Salamandridae) |
| Gattung | Lyciasalamandra |
| Größe | 10–14 cm |
| Gewicht | 5–10 g |
| Lebenserwartung | 10–15 Jahre |
| Verbreitung | Südwesttürkei, griechische Inseln (u. a. Kastellorizo) |
| Lebensraum | Felsige Habitate, Kalksteingebiete, Macchie |
| Schutzstatus | Gefährdet (VU) – IUCN |
Beschreibung & Aussehen
Der Lanza-Salamander erreicht eine Gesamtlänge von 10–14 cm und besitzt einen schlanken, leicht abgeflachten Körperbau. Die Oberseite ist dunkelbraun bis schwärzlich gefärbt, oft mit feinen hellen Punkten oder Flecken versehen. Die Unterseite ist heller und kann gelblich bis cremefarben sein. Die Haut ist relativ glatt mit feinen Drüsen.
Besonders charakteristisch sind die großen, vorstehenden Augen mit vertikalen Pupillen sowie der breite, abgeflachte Kopf. Die Parotiden sind deutlich sichtbar, aber weniger prominent als bei vielen anderen Salamandridae. Männchen und Weibchen unterscheiden sich in der Paarungszeit durch die geschwollene Kloakalregion der Männchen. Der Schwanz ist etwa körperlang und rund im Querschnitt.
Verbreitung & Lebensraum
Das Verbreitungsgebiet des Lanza-Salamanders beschränkt sich auf die südwestliche Türkei (Provinz Antalya und Muğla) sowie einige vorgelagerte griechische Inseln, insbesondere Kastellorizo. Die Populationen sind stark fragmentiert, und die einzelnen Vorkommen sind oft durch unüberwindbare Barrieren voneinander getrennt.
Als Lebensraum bevorzugt die Art felsige Kalksteinhänge, Spalten und Klüfte in Macchie- und Phrygana-Vegetation. Du findest diesen Salamander typischerweise in Höhenlagen zwischen Meeresniveau und etwa 1.500 m. Die Tiere sind eng an ihre felsigen Mikrohabitate gebunden und verlassen diese selten. Feuchtigkeit in den Felsspalten ist entscheidend für ihr Überleben.
Lebensweise & Verhalten
Der Lanza-Salamander ist vorwiegend nachtaktiv und verlässt seine Felsverstecke nur bei ausreichender Feuchtigkeit, besonders nach Regenfällen. Tagsüber verbirgt er sich in tiefen Felsspalten und unter Steinen, wo ein kühl-feuchtes Mikroklima herrscht. Die Art zeigt eine ausgeprägte Standorttreue und nutzt über Jahre hinweg dieselben Versteckplätze.
Während der heißen, trockenen Sommermonate zieht sich der Lanza-Salamander in tiefere Felsspalten zurück und hält eine Art Sommerruhe (Ästivation). Die Aktivitätsperiode erstreckt sich hauptsächlich auf den Herbst, Winter und das Frühjahr, wenn die Niederschläge ausreichend sind. Bei Bedrohung kann der Salamander seinen Schwanz abwerfen (Autotomie), der anschließend regeneriert wird.
Ernährung
Die Ernährung des Lanza-Salamanders besteht hauptsächlich aus kleinen Wirbellosen, die er in und um seine Felsspalten-Habitate erbeutet. Dazu gehören Insekten wie kleine Käfer und Fliegen, Spinnen, Asseln und Milben. Die Beute wird durch langsames Anschleichen und schnelles Zupacken mit dem Maul gefangen.
Aufgrund seines relativ kleinen Körpers und des begrenzten Nahrungsangebots in felsigen Habitaten frisst der Lanza-Salamander eher kleine Beutetiere. Die Nahrungsaufnahme erfolgt hauptsächlich während der feuchten Nachtstunden, wenn auch die Beutetiere aktiv sind. In Trockenperioden kann er längere Fastenzeiten überstehen.
Fortpflanzung
Der Lanza-Salamander ist lebendgebärend (vivipar) – eine bemerkenswerte Anpassung an seinen trockenen, felsigen Lebensraum, in dem stehende Gewässer für eine larvale Entwicklung fehlen. Die Paarung findet im Herbst statt, wobei das Männchen ein Spermatophor absetzt, das vom Weibchen aufgenommen wird.
Nach einer langen Tragzeit von etwa 12 Monaten bringt das Weibchen in der Regel nur 1–2 vollständig entwickelte Jungtiere zur Welt. Diese sind bei der Geburt bereits 3–4 cm lang und vollständig metamorphosiert. Die geringe Reproduktionsrate wird durch die relativ hohe Überlebensrate der Jungtiere in den geschützten Felsspalten kompensiert. Die Geschlechtsreife erreichen die Tiere mit etwa 3–4 Jahren.
Haltung im Terrarium
Die Haltung des Lanza-Salamanders im Terrarium ist aufgrund seines Schutzstatus und seiner speziellen Ansprüche nur selten möglich und erfordert entsprechende Genehmigungen. Ein Terrarium ab 60 × 30 × 40 cm mit zahlreichen Kalksteinaufbauten, engen Spalten und Versteckmöglichkeiten ist erforderlich. Das Substrat sollte aus einer Mischung von Sand und Lehm bestehen.
Die Temperatur sollte tagsüber bei 18–22 °C liegen und nachts auf 12–16 °C absinken. Eine hohe Luftfeuchtigkeit in den Versteckbereichen ist essenziell, während der Rest des Terrariums eher trocken gehalten werden kann. Gefüttert wird mit kleinen Heimchen, Asseln und Wachsmottenlarven. Eine kühle Winterruhe bei 8–12 °C über 2–3 Monate fördert die Vitalität und Fortpflanzungsbereitschaft.
Gefährdung & Schutzstatus
Der Lanza-Salamander wird von der IUCN als „Vulnerable" (gefährdet) eingestuft. Die Hauptbedrohungen sind Lebensraumverlust durch touristische Erschließung, Waldbrände, Habitatfragmentierung und der Klimawandel, der zu zunehmender Trockenheit in seinen Verbreitungsgebieten führt.
Die kleinen, isolierten Populationen sind besonders anfällig für lokales Aussterben. Die Art ist durch die Berner Konvention und nationale Schutzgesetze in der Türkei und Griechenland geschützt. Schutzmaßnahmen umfassen den Erhalt der felsigen Lebensräume und die Einschränkung touristischer Aktivitäten in Kernhabitaten. Langfristige Monitoringprogramme sind notwendig, um den Bestandstrend zu überwachen.
Quellen
- AmphibiaWeb: Lyciasalamandra luschani – amphibiaweb.org
- IUCN Red List: Lyciasalamandra luschani – iucnredlist.org
- Olgun, K. et al. (2001): The herpetofauna of the Lycian coast. Herpetological Journal, 11, 137–142.
- Pough, F. H. et al. (2015): Herpetology. 4th Edition. Sinauer Associates.
- Vitt, L. J. & Caldwell, J. P. (2014): Herpetology. 4th Edition. Academic Press.
