Der Madagaskar-Tomatenfrosch ist einer der auffälligsten Frösche der Welt. Seine leuchtend rote bis orangerote Färbung, die an eine reife Tomate erinnert, dient als Warnsignal an Fressfeinde. Bei Bedrohung sondert er ein klebriges, weißes Hautsekret ab, das die Schleimhäute von Angreifern reizt. Die Art kommt nur im Nordosten Madagaskars vor und ist durch Habitatverlust gefährdet.
| Wissenschaftlicher Name | Dyscophus antongilii |
| Ordnung | Froschlurche (Anura) |
| Familie | Microhylidae |
| Gattung | Dyscophus |
| Größe | 6–10 cm |
| Gewicht | 30–70 g |
| Lebenserwartung | 6–10 Jahre |
| Verbreitung | Nordosten Madagaskars (Region Maroantsetra) |
| Lebensraum | Tropische Tieflandwälder, Sümpfe, Gärten |
| Schutzstatus | Potenziell gefährdet (NT) – IUCN |
Beschreibung & Aussehen
Der Madagaskar-Tomatenfrosch ist ein gedrungener, rundlicher Frosch mit einer Körperlänge von 6–10 cm. Weibchen sind deutlich größer und leuchtender gefärbt als Männchen. Die namensgebende Färbung ist ein leuchtend rotes bis orangerotes auf der Oberseite, das tatsächlich an eine reife Tomate erinnert. Die Unterseite ist heller, gelblich bis weißlich.
Männchen sind kleiner (ca. 6 cm) und etwas weniger intensiv gefärbt, oft eher orangebraun als leuchtend rot. Die Haut ist glatt und glänzend. Die Augen sind groß mit einer dunklen Pupille und orangefarbener Iris. Der Körper wirkt aufgeblasen und kugelförmig, was den tomatenartigen Eindruck verstärkt. Die Beine sind kurz und kräftig, ohne auffällige Schwimmhäute oder Haftscheiben.
Verbreitung & Lebensraum
Der Madagaskar-Tomatenfrosch hat ein sehr kleines Verbreitungsgebiet im Nordosten Madagaskars, hauptsächlich in der Region um die Stadt Maroantsetra und die Bucht von Antongil. Er kommt in Tieflandgebieten von Meeresniveau bis etwa 200 m Höhe vor.
Er bewohnt feuchte, sumpfige Gebiete, Regenwald-Randzonen, Gärten, Plantagen und gestörte Habitate. Im Gegensatz zu vielen anderen madagassischen Fröschen ist er relativ tolerant gegenüber veränderten Lebensräumen und kommt auch in der Nähe menschlicher Siedlungen vor. Er bevorzugt Gebiete mit weichem, feuchtem Boden, in den er sich tagsüber eingraben kann.
Lebensweise & Verhalten
Der Madagaskar-Tomatenfrosch ist nachtaktiv und verbringt den Tag eingegraben in feuchter Erde oder unter Laub und Steinen. Nachts kommt er hervor, um auf Nahrungssuche zu gehen. Er bewegt sich langsam und bedächtig und ist kein guter Springer.
Bei Bedrohung setzt er auf eine bemerkenswerte Verteidigungsstrategie: Er bläht sich auf, um größer zu wirken, und sondert ein dickes, klebriges, weißes Hautsekret ab, das die Schleimhäute und Augen von Angreifern reizt und deren Maul verkleben kann. Diese klebrige Substanz kann bei empfindlichen Personen allergische Reaktionen auf der Haut auslösen.
Ernährung
Der Madagaskar-Tomatenfrosch ernährt sich von einer Vielzahl wirbelloser Tiere. Zu seiner Beute gehören Insekten, Würmer, Schnecken und andere Wirbellose, die er nachts am Waldboden und in Gärten erbeutet. Er jagt im Ansitz und schnappt vorbeikommende Beute mit seinem breiten Maul.
In der Terrarienhaltung eignen sich Grillen, Heimchen, Regenwürmer, Wachsmottenlarven und gelegentlich kleine Mäuse für größere Exemplare als Futter. Die Fütterung sollte 2–3 Mal pro Woche erfolgen. Achte darauf, nicht zu überfüttern, da die Art zu Verfettung neigt.
Fortpflanzung
Die Fortpflanzung findet während der Regenzeit (November–März) statt. Nach starken Regenfällen versammeln sich die Frösche an temporären Gewässern und überschwemmten Flächen. Die Männchen rufen mit einer Serie kurzer, bellender Laute, um Weibchen anzulocken.
Das Weibchen legt 1.000–1.500 Eier als Oberflächenfilm auf das Wasser ab. Die schwarzen Kaulquappen schlüpfen nach 1–2 Tagen und entwickeln sich in den flachen, warmen Gewässern über etwa 45 Tage. Die Metamorphose führt zu kleinen, zunächst bräunlich gefärbten Jungfröschen, die ihre leuchtend rote Färbung erst mit zunehmender Reife entwickeln.
Haltung im Terrarium
Der Madagaskar-Tomatenfrosch ist ein beliebtes Terrarientier und relativ pflegeleicht. Ein Terrarium ab 80 × 40 × 40 cm eignet sich für ein Paar. Die Einrichtung sollte eine dicke, feuchte Substratschicht (Kokoshumus oder Walderde) zum Eingraben, Verstecke aus Korkrinde, Moos und ein großes, flaches Wasserbecken umfassen.
Die Temperatur sollte tagsüber bei 22–26 °C liegen, nachts um 18–20 °C. Die Luftfeuchtigkeit sollte bei 60–80 % gehalten werden. Beachte, dass das klebrige Hautsekret Hautreizungen verursachen kann – trage beim Hantieren Handschuhe oder wasche dir danach gründlich die Hände. Die Art ist durch CITES (Anhang I) streng geschützt; nur Nachzuchten dürfen gehandelt werden.
Gefährdung & Schutzstatus
Der Madagaskar-Tomatenfrosch wird von der IUCN als „Near Threatened" (potenziell gefährdet) eingestuft. Sein kleines Verbreitungsgebiet im Nordosten Madagaskars macht ihn anfällig für Habitatverlust durch Waldrodung, Landwirtschaft und Siedlungsbau. Auch die Sammlung für den internationalen Tierhandel hat in der Vergangenheit die Bestände belastet.
Die Art ist durch CITES (Anhang I) streng geschützt, was den kommerziellen internationalen Handel mit Wildfängen verbietet. Nur nachgezüchtete Tiere dürfen legal gehandelt werden. Schutzmaßnahmen konzentrieren sich auf den Erhalt der verbliebenen Lebensräume und die Unterstützung von Zuchtprogrammen.
Quellen
- AmphibiaWeb: Dyscophus antongilii – amphibiaweb.org
- IUCN Red List: Dyscophus antongilii – iucnredlist.org
- Glaw, F. & Vences, M. (2007): A Field Guide to the Amphibians and Reptiles of Madagascar. 3rd Edition. Vences & Glaw Verlag.
- CITES: Dyscophus antongilii – cites.org
- Andreone, F. & Randriamahazo, H. (2008): Sahonagasy Action Plan. Conservation programs for the amphibians of Madagascar.
