Die Malaiische Turmdeckelschnecke ist der heimliche Held vieler Aquarien. Tagsüber im Bodengrund verborgen, lockert sie nachts den Boden auf und verhindert Fäulniszonen. Ihre turmförmigen Gehäuse und die Fähigkeit zur Jungfernzeugung machen sie einzigartig unter den Aquarienschnecken.
| Wissenschaftlicher Name | Melanoides tuberculata |
| Ordnung | Sorbeoconcha |
| Familie | Turmdeckelschnecken (Thiaridae) |
| Gattung | Melanoides |
| Größe | 2–3 cm |
| Lebenserwartung | 2–3 Jahre |
| Verbreitung | Südostasien, Afrika (kosmopolitisch in Tropen) |
| Lebensraum | Stehende und fließende Süßgewässer, Brackwasser |
| Schutzstatus | Nicht gefährdet (LC) |
| Aquarium | ab 30 Liter |
| Temperatur | 20–30 °C |
| pH-Wert | 7,0–8,5 |
| Wasserhärte | 8–25 °dGH |
Beschreibung & Aussehen
Die Malaiische Turmdeckelschnecke besitzt ein charakteristisches, langgestrecktes, turmförmiges Gehäuse mit einer Länge von 2–3 cm. Das Gehäuse besteht aus 8–12 Windungen und ist relativ dickwandig. Die Gehäusefarbe variiert von hellbraun über dunkelbraun bis zu olivgrün, oft mit dunkleren Flecken oder rötlichen Flammenzeichnungen auf den Windungen.
Ein wichtiges Merkmal ist der kräftige, hornige Deckel (Operculum), mit dem die Schnecke ihr Gehäuse vollständig verschließen kann. Der Weichkörper ist graubraun mit dunklen Flecken. Am Kopf sitzen zwei schlanke Fühler mit Augen an deren Basis. Die Art ist getrenntgeschlechtlich, wobei Männchen seltener vorkommen als Weibchen, da sich die Art auch durch Parthenogenese vermehren kann.
Verbreitung & Lebensraum
Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der Malaiischen Turmdeckelschnecke umfasst Südostasien und Ostafrika. Durch den internationalen Aquarienhandel und als blinder Passagier hat sie sich jedoch in tropischen und subtropischen Regionen weltweit ausgebreitet. In vielen Gebieten gilt sie als invasiv, richtet aber in der Regel wenig Schaden an.
Die Art bewohnt eine große Vielfalt von Süßgewässern – von Seen und Teichen über Flüsse und Bäche bis zu Quellen und Bewässerungskanälen. Sie toleriert sogar leicht brackiges Wasser. Im Gewässer lebt sie bevorzugt eingegraben im sandigen oder schlammigen Bodengrund und kommt erst bei Dunkelheit an die Oberfläche.
Lebensweise & Verhalten
Die Malaiische Turmdeckelschnecke ist vorwiegend nachtaktiv und verbringt den Tag eingegraben im Bodengrund. Bei Dunkelheit kommt sie an die Oberfläche und weidet Algen und organisches Material von Steinen, Pflanzen und Scheiben ab. Diese Lebensweise macht sie zu einem idealen „Bodenpolizisten" im Aquarium.
Durch ihre Grabaktivität lockert die Turmdeckelschnecke den Bodengrund auf und verhindert die Bildung von anaeroben Zonen (Fäulniszonen), in denen giftiges Schwefelwasserstoffgas (H₂S) entstehen kann. Wenn tagsüber plötzlich viele Turmdeckelschnecken an die Oberfläche kommen, ist dies oft ein Warnsignal für schlechte Wasserqualität oder Sauerstoffmangel im Bodengrund.
Ernährung
Die Turmdeckelschnecke ist ein Allesfresser, der sich von Algen, Biofilmen, abgestorbenen Pflanzenteilen, Futterresten und organischem Material im Bodengrund ernährt. Sie frisst keine lebenden Pflanzen und ist daher für bepflanzte Aquarien bestens geeignet.
In gut eingefahrenen Aquarien findet die Turmdeckelschnecke meist ausreichend Nahrung durch Mulm und Aufwuchs im Bodengrund. Bei Bedarf kannst du mit Welstabletten, überbrühtem Gemüse und Seemandelbaumblättern zufüttern. Beachte, dass ein Überangebot an Futter zu einer starken Vermehrung führen kann.
Fortpflanzung
Die Malaiische Turmdeckelschnecke vermehrt sich auf eine besondere Weise: durch Parthenogenese (Jungfernzeugung). Ein einzelnes Weibchen kann ohne Befruchtung durch ein Männchen Nachwuchs produzieren – alle Nachkommen sind genetisch identische Klone der Mutter. Männchen kommen zwar vor, sind aber selten und in vielen Populationen praktisch abwesend.
Die Art ist lebendgebärend (ovovivipar) – die Eier entwickeln sich im Muttertier, und die Jungschnecken werden als fertig entwickelte Miniatur-Schnecken geboren. Ein Weibchen bringt alle 4–6 Wochen 1–10 Jungschnecken zur Welt. Die Vermehrungsrate ist stark vom Nahrungsangebot abhängig: Bei reichlich Futter kann die Population schnell anwachsen, bei knappem Angebot stagniert sie.
Haltung im Aquarium
Die Malaiische Turmdeckelschnecke ist ein äußerst pflegeleichter und nützlicher Aquarienbewohner. Ein Aquarium ab 30 Liter mit sandigem oder feinem Kiesboden ist ideal, da sich die Schnecken darin eingraben. Die Wassertemperatur sollte zwischen 20 und 30 °C liegen, der pH-Wert im neutralen bis leicht alkalischen Bereich (7,0–8,5).
Mittelhartes bis hartes Wasser wird bevorzugt. Die Art ist äußerst robust und toleriert kurzzeitige Schwankungen der Wasserwerte gut. Sie eignet sich hervorragend als „Gesundheitspolizei" für den Bodengrund und kann mit praktisch allen friedlichen Fischen und Wirbellosen vergesellschaftet werden. Einziger Nachteil: Bei Überfütterung kann die Population stark anwachsen – reguliere die Futtermenge entsprechend.
Gefährdung & Schutzstatus
Die Malaiische Turmdeckelschnecke ist global nicht gefährdet und gehört zu den häufigsten Süßwasserschnecken in tropischen Regionen. In einigen Gebieten außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebiets gilt sie als invasive Art, verursacht aber in der Regel keine schwerwiegenden ökologischen Schäden.
Ein gesundheitlicher Aspekt ist, dass die Art in der Natur als Zwischenwirt für verschiedene Trematoden (Saugwürmer) dienen kann, darunter parasitäre Arten, die den Menschen befallen können. Im Aquarium nachgezüchtete Tiere sind in der Regel frei von Parasiten. Wildfänge aus tropischen Gewässern solltest du sicherheitshalber einige Wochen in Quarantäne halten.
Quellen
- Pointier, J.P. et al. (1993): Biological control of Biomphalaria glabrata by Melanoides tuberculata – pubmed.ncbi.nlm.nih.gov
- Gastropods.com – Thiaridae – gastropods.com
- Eberhard Hartmann (2013): Schnecken im Aquarium. Dähne Verlag.
- IUCN Red List: Melanoides tuberculata – iucnredlist.org
- AquaInfo: Turmdeckelschnecken – aqua-info.de
