Der Marmor-Feuersalamander ist eine süditalienische Unterart des Feuersalamanders, die sich durch ein besonders ausgedehntes, marmoriertes Gelbmuster von der Nominatform unterscheidet. Er bewohnt feuchte Berg- und Laubwälder Süditaliens und ist wie alle Feuersalamander nachtaktiv. Diese Unterart zeigt eine faszinierende Variation in der Farbgebung mit oft großflächigen gelben Bereichen.
| Wissenschaftlicher Name | Salamandra salamandra gigliolii |
| Ordnung | Schwanzlurche (Caudata) |
| Familie | Echte Salamander (Salamandridae) |
| Gattung | Salamandra |
| Größe | 15–20 cm |
| Gewicht | 20–40 g |
| Lebenserwartung | 15–25 Jahre |
| Verbreitung | Süditalien (Kalabrien, Basilikata, Kampanien) |
| Lebensraum | Feuchte Laubwälder, Bergwälder, Schluchten |
| Schutzstatus | Nicht gefährdet (LC) – IUCN (als Unterart von S. salamandra) |
Beschreibung & Aussehen
Der Marmor-Feuersalamander erreicht eine Gesamtlänge von 15–20 cm und besitzt den typischen, kräftigen Körperbau der Feuersalamander. Sein auffälligstes Merkmal ist das besonders ausgeprägte, großflächige Gelbmuster auf glänzend schwarzem Grund. Im Gegensatz zur Nominatform, die oft getrennte gelbe Flecken zeigt, verschmelzen beim Marmor-Feuersalamander die gelben Bereiche häufig zu einem ausgedehnten, marmorierten Muster.
Die Haut ist glatt und glänzend mit deutlich sichtbaren Parotiden hinter den Augen. Der Körper ist robust mit kräftigen Beinen und einem runden Schwanz. Die Unterseite ist dunkel gefärbt. Jedes Individuum besitzt ein einzigartiges Zeichnungsmuster, das zur individuellen Identifikation genutzt werden kann. Die großen, dunklen Augen sind typisch für die nachtaktive Lebensweise.
Verbreitung & Lebensraum
Der Marmor-Feuersalamander ist in Süditalien verbreitet, insbesondere in den Regionen Kalabrien, Basilikata und Kampanien. Sein Verbreitungsgebiet überschneidet sich teilweise mit anderen Feuersalamander-Unterarten, und die genauen Grenzen werden taxonomisch diskutiert.
Du findest diesen Salamander in feuchten Laubwäldern, insbesondere in Buchen- und Kastanienwäldern der süditalienischen Bergregionen. Er bevorzugt schattige Schluchten und bewaldete Hänge mit permanenten Wasserläufen in Höhenlagen von 300 bis 1.500 m. Die Nähe zu klaren, kühlen Bächen ist für die Larvalentwicklung essenziell. Das Habitat muss ausreichend Versteckmöglichkeiten wie Totholz, Steine und Laubstreu bieten.
Lebensweise & Verhalten
Wie alle Feuersalamander ist der Marmor-Feuersalamander vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv. Tagsüber versteckt er sich unter Steinen, in morschen Baumstämmen oder in Erdlöchern. An regnerischen Tagen kann er auch tagsüber an der Oberfläche beobachtet werden – das typische „Feuersalamanderwetter".
Die leuchtende schwarz-gelbe Warnfärbung (Aposematismus) signalisiert potenziellen Fressfeinden die Giftigkeit der Hautdrüsensekrete. Die Parotiden und Rückendrüsen können bei Bedrohung ein alkaloidhaltiges Sekret (Samandarin) absondern, das für kleine Fressfeinde giftig sein kann. Im Winter hält die Art je nach Höhenlage eine mehrmonatige Winterruhe in frostfreien Verstecken.
Der Marmor-Feuersalamander zeigt eine ausgeprägte Standorttreue und kann über viele Jahre im selben kleinen Revier leben. Die Populationsdichte ist in geeigneten Habitaten oft überraschend hoch.
Ernährung
Die Nahrung besteht hauptsächlich aus Wirbellosen wie Regenwürmern, Schnecken, Insektenlarven, Käfern, Spinnen und Asseln. Regenwürmer stellen in vielen Populationen den Hauptbestandteil der Nahrung dar. Die Beute wird durch langsames Anschleichen und schnelles Zupacken mit dem Maul erbeutet.
Larven des Marmor-Feuersalamanders leben aquatisch in Bächen und ernähren sich räuberisch von kleinen Wasserwirbellosen wie Bachflohkrebsen, Insektenlarven und Würmern. Bei hoher Larvendichte kann auch Kannibalismus auftreten. Die adulten Tiere jagen ausschließlich an Land und nur bei ausreichender Feuchtigkeit.
Fortpflanzung
Die Paarung findet überwiegend an Land statt, oft im Herbst oder zeitigen Frühjahr. Das Männchen klettert auf den Rücken des Weibchens und reibt seine Kinndrüse über deren Nacken. Nach einem ausgiebigen Paarungsspiel setzt das Männchen ein Spermatophor auf dem Boden ab, das vom Weibchen mit der Kloake aufgenommen wird.
Nach einer Tragzeit von mehreren Monaten setzt das Weibchen 20–40 bereits weit entwickelte Larven in klare, kühle Bäche ab. Die Larven besitzen äußere Kiemenbüschel und vier entwickelte Beine. Die Metamorphose dauert je nach Wassertemperatur 3–6 Monate. Im Gegensatz zum Alpensalamander ist der Marmor-Feuersalamander also larvipar (lebendgebärend mit Larvalstadium) und nicht vollständig vivipar. Die Geschlechtsreife wird mit 3–4 Jahren erreicht.
Haltung im Terrarium
Die Haltung des Marmor-Feuersalamanders im Terrarium ist grundsätzlich wie bei der Nominatform möglich. Ein Terrarium ab 80 × 40 × 40 cm für ein Paar mit einer Schicht feuchter Walderde, Moos, Verstecken aus Korkrinde und flachen Steinen sowie einem kleinen Wasserbereich ist ideal. Echte Pflanzen wie Farne und Moos erhöhen die Luftfeuchtigkeit und schaffen ein naturnahes Habitat.
Die Temperatur sollte tagsüber 15–20 °C betragen, wobei Temperaturen über 22 °C vermieden werden müssen. Die Luftfeuchtigkeit sollte konstant bei 70–90 % liegen. Gefüttert wird mit Regenwürmern, Asseln, Heimchen und Wachsmottenlarven. Eine Winterruhe bei 5–8 °C über 2–3 Monate ist wichtig. Beachte, dass europäische Feuersalamander dem Artenschutz unterliegen und nur legal erworbene Nachzuchten gehalten werden dürfen.
Gefährdung & Schutzstatus
Als Unterart des Feuersalamanders (Salamandra salamandra) wird der Marmor-Feuersalamander von der IUCN insgesamt als „Least Concern" eingestuft. Lokal sind die Bestände jedoch durch Waldrodung, Wasserverschmutzung und den Ausbau von Straßen bedroht. In Süditalien stellen Waldbrände und zunehmende Trockenheit durch den Klimawandel bedeutende Gefahren dar.
Eine besondere Bedrohung für alle europäischen Feuersalamander stellt der Hautpilz Batrachochytrium salamandrivorans (Bsal) dar, der in den Niederlanden und Belgien bereits zu massiven Bestandseinbrüchen geführt hat. Die Art ist durch die Berner Konvention, die FFH-Richtlinie und nationale italienische Schutzgesetze geschützt. Der Erhalt zusammenhängender Waldgebiete mit sauberen Bächen ist für den Schutz dieser Unterart essenziell.
Quellen
- AmphibiaWeb: Salamandra salamandra – amphibiaweb.org
- IUCN Red List: Salamandra salamandra – iucnredlist.org
- Lanza, B. et al. (2006): Fauna d'Italia – Amphibia. Calderini, Bologna.
- Sparreboom, M. (2014): Salamanders of the Old World. KNNV Publishing.
- Pough, F. H. et al. (2015): Herpetology. 4th Edition. Sinauer Associates.
