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Marmorierter Beilbauchfisch (Carnegiella strigata)

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Marmorierter Beilbauchfisch (Carnegiella strigata)

Bildquelle: JuanCarlosPalauDiaz / shutterstock.com

Zusammenfassung

Der Marmorierte Beilbauchfisch ist der bekannteste und am häufigsten gehaltene Beilbauchfisch in der Aquaristik. Mit seiner markanten Beilform und dem wunderschönen marmorierten Muster auf der Brust ist er ein einzigartiger Oberflächenbewohner, der tatsächlich kurze Strecken fliegen kann.

Der Marmorierte Beilbauchfisch ist der bekannteste und am häufigsten gehaltene Beilbauchfisch in der Aquaristik. Mit seiner markanten Beilform und dem wunderschönen marmorierten Muster auf der Brust ist er ein einzigartiger Oberflächenbewohner, der tatsächlich kurze Strecken fliegen kann.

Steckbrief: Marmorierter Beilbauchfisch (Carnegiella strigata)
Wissenschaftlicher NameCarnegiella strigata
OrdnungSalmlerartige (Characiformes)
FamilieBeilbauchfische (Gasteropelecidae)
GattungCarnegiella
Größe3–4 cm
Gewicht1–2 g
Lebenserwartung3–5 Jahre
VerbreitungSüdamerika (Amazonasbecken)
LebensraumKleine Waldbäche und überflutete Waldzonen im Amazonasgebiet
SchutzstatusNicht gefährdet (LC) – IUCN
Aquariumab 60 Liter
Temperatur24–28 °C
pH-Wert5,5–7,0
Wasserhärte2–10 °dGH

Beschreibung & Aussehen

Der Marmorierte Beilbauchfisch erreicht eine Körperlänge von 3–4 cm und besitzt die für Beilbauchfische charakteristische, extrem nach unten gewölbte Brustpartie. Diese Beilform wird durch eine enorm vergrößerte Brustmuskulatur verursacht, die für den Flug über der Wasseroberfläche verantwortlich ist. Der Rücken ist nahezu gerade, wodurch ein markantes Profil entsteht.

Die Grundfärbung ist silbrig mit einem wunderschönen, dunkelbraunen bis schwarzen Marmormuster auf der Brustpartie, das jedes Tier individuell zeichnet. Die vergrößerten Brustflossen dienen als „Flügel" und können mit einer Frequenz von bis zu 75 Schlägen pro Sekunde bewegt werden. Die übrigen Flossen sind transparent. Die Geschlechter sind schwer zu unterscheiden – trächtige Weibchen wirken von oben etwas fülliger.

Verbreitung & Lebensraum

Der Marmorierte Beilbauchfisch ist im Amazonasbecken weit verbreitet und kommt in Brasilien, Peru, Kolumbien, Guyana und Suriname vor. Er bewohnt ein großes Gebiet innerhalb des Amazonas- und Orinocosystems sowie deren Nebenflüsse.

Der natürliche Lebensraum sind kleine, schattige Waldbäche und die Uferzonen größerer Flüsse im Regenwald. Besonders häufig ist er in den saisonal überfluteten Igapó- und Várzea-Wäldern anzutreffen, wo er sich unter der Wasseroberfläche zwischen überhängenden Pflanzen und Fallholz aufhält. Das Wasser ist typischerweise weich, sauer und durch Huminsäuren dunkelbraun bis schwarz gefärbt.

Lebensweise & Verhalten

Der Marmorierte Beilbauchfisch lebt in kleinen Gruppen direkt an der Wasseroberfläche und begibt sich nur selten in tiefere Wasserschichten. Seine spektakulärste Fähigkeit ist der aktive Flug – bei Gefahr oder beim Fang von Insekten kann er sich mit vibrierenden Brustflossen aus dem Wasser katapultieren und Strecken von bis zu 1,5 Metern zurücklegen.

Dieser Flug ist kein bloßes Gleiten, sondern ein aktiver, motorisierter Flug, bei dem die Brustflossen wie Flügel bewegt werden. Der Fisch ist friedlich und gesellig, aber recht scheu und kann bei plötzlichen Bewegungen oder Erschrecken aus dem Becken springen. Eine lückenlos dicht schließende Abdeckung ist daher absolut essenziell. Im Aquarium zeigt er ein ruhiges Schwimmverhalten und lauert geduldig an der Oberfläche auf Nahrung.

Ernährung

Als spezialisierter Oberflächenfresser ernährt sich der Marmorierte Beilbauchfisch in der Natur von Insekten und deren Larven, die auf die Wasseroberfläche fallen. Ameisen, kleine Fliegen, Mücken und Spinnen bilden den Hauptteil seiner natürlichen Nahrung.

Im Aquarium akzeptiert er schwimmfähiges Flockenfutter, bevorzugt aber deutlich Lebendfutter. Flügellose Fruchtfliegen (Drosophila) sind die ideale Nahrung und werden begeistert von der Oberfläche geschnappt. Auch schwarze und weiße Mückenlarven, kleine Artemia und feinst geschnittenes Frostfutter werden gerne genommen. Futter, das zu Boden sinkt, wird ignoriert – achte daher auf schwimmfähige Futtersorten.

Fortpflanzung

Die Zucht des Marmorierten Beilbauchfisches im Aquarium ist schwierig und gelingt nur selten. Sie erfordert extrem weiches, saures Wasser (pH unter 6,0, GH unter 3 °dGH) und eine Simulation der Regenzeit mit kühleren Temperaturen und Starkregen-Simulation durch intensive Beregnung.

Die Eier werden zwischen feinblättrige Schwimmpflanzen oder Pflanzenwurzeln an der Wasseroberfläche abgesetzt. Pro Laichvorgang werden 10–40 Eier produziert. Die Larven schlüpfen nach 24–36 Stunden und benötigen extrem feines Futter wie Infusorien und Pantoffeltierchen. Da die Zucht so selten gelingt, stammen die meisten Tiere im Handel aus Wildfängen, die über die großen Exportstationen in Brasilien und Peru vertrieben werden.

Haltung im Aquarium

Der Marmorierte Beilbauchfisch benötigt ein Aquarium ab 60 Litern mit einer großen Wasseroberfläche – die Grundfläche ist wichtiger als die Höhe. Schwimmpflanzen wie Muschelblume, Froschbiss oder Wasserlinsen bieten wichtige Deckung und simulieren den natürlichen Lebensraum unter überhängender Vegetation.

Eine absolut dichte Abdeckung ohne Spalte ist zwingend erforderlich – selbst kleinste Öffnungen werden zum Entweichen genutzt. Halte die Tiere in einer Gruppe von mindestens 6 Exemplaren bei Temperaturen von 24–28 °C, pH 5,5–7,0 und einer Gesamthärte von 2–10 °dGH. Die Vergesellschaftung mit bodenbewohnenden Arten wie Panzerwelsen, Zwergbuntbarschen und kleinen Salmlern ist ideal, da keine Konkurrenz um die Oberflächenzone entsteht. Vermeide starke Strömung und zu helle Beleuchtung.

Gefährdung & Schutzstatus

Der Marmorierte Beilbauchfisch wird von der IUCN als „Least Concern" (nicht gefährdet) eingestuft. Sein weites Verbreitungsgebiet im Amazonasbecken und die stabilen Populationen sprechen für einen günstigen Erhaltungszustand. Die Abholzung der Regenwälder kann jedoch lokal die Lebensräume beeinträchtigen.

Da die Zucht im Aquarium nur selten gelingt, stammen die meisten Tiere im Handel aus nachhaltiger Wildfangfischerei. Die Sammlung der Tiere bietet lokalen Gemeinden im Amazonasgebiet eine wichtige Einkommensquelle und trägt zur wirtschaftlichen Bewertung intakter Regenwälder bei. Ein nachhaltiges Sammlungsmanagement ist für die langfristige Erhaltung der Art und der lokalen Lebensgrundlagen wichtig.

Quellen

  1. FishBase: Carnegiella strigatafishbase.se
  2. Seriously Fish: Carnegiella strigataseriouslyfish.com
  3. Weitzman, S. H. & Palmer, L. (2003): Family Gasteropelecidae. In: Reis, R. E. et al. (Eds.): Check List of the Freshwater Fishes of South and Central America.
  4. Wiest, F. C. (1995): The specialized locomotory apparatus of the freshwater hatchetfish family Gasteropelecidae. Journal of Zoology, 236, 571–592.
  5. IUCN Red List: Carnegiella strigataiucnredlist.org

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