Der Marmormolch ist einer der schönsten europäischen Molche und fasziniert durch sein einzigartiges grün-marmoriertes Muster. Er kommt in Frankreich und auf der Iberischen Halbinsel vor und bewohnt dort stehende Gewässer und lichte Wälder. Besonders beeindruckend ist der hohe, gewellte Rückenkamm der Männchen während der Paarungszeit.
| Wissenschaftlicher Name | Triturus marmoratus |
| Ordnung | Schwanzlurche (Urodela) |
| Familie | Echte Salamander (Salamandridae) |
| Gattung | Triturus |
| Größe | 13–17 cm |
| Gewicht | 8–15 g |
| Lebenserwartung | 10–15 Jahre |
| Verbreitung | Frankreich, Iberische Halbinsel |
| Lebensraum | Teiche, Tümpel, Feuchtgebiete, lichte Wälder |
| Schutzstatus | Nicht gefährdet (LC) – IUCN |
Beschreibung & Aussehen
Der Marmormolch erreicht eine Gesamtlänge von 13–17 cm und gehört damit zu den größeren europäischen Molcharten. Sein namensgebendes Merkmal ist das außergewöhnliche Farbmuster: Die Oberseite zeigt eine leuchtend grüne bis dunkelgrüne Marmorierung auf schwarzem Grund, die an polierten Marmor erinnert. Kein anderer europäischer Molch besitzt eine vergleichbar auffällige Zeichnung.
Die Unterseite ist dunkel – grau bis schwarz mit weißlichen Flecken, was den Marmormolch von den Kammmolchen unterscheidet, die eine leuchtend orange Bauchseite besitzen. Männchen entwickeln während der Wassertracht einen hohen, gewellten Rückenkamm mit abwechselnd hellen und dunklen Bändern, der vom Hinterkopf bis zum Schwanzende reicht. Weibchen besitzen keinen Kamm, zeigen aber eine orange Linie auf der Schwanzoberseite. In der Kontaktzone mit dem Kammmolch (Triturus cristatus) in Frankreich kommen natürliche Hybride vor.
Verbreitung & Lebensraum
Der Marmormolch ist ein westeuropäischer Endemit. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich über den größten Teil Frankreichs (mit Ausnahme des Nordens und Nordostens), die nördliche und zentrale Iberische Halbinsel (Spanien und Portugal) sowie einen kleinen Bereich in den westlichen Pyrenäen. In Frankreich überlappt sein Areal stellenweise mit dem des Kammmolchs.
Die Art bevorzugt als Laichgewässer stehende oder langsam fließende, gut besonnte Gewässer wie Teiche, Tümpel, Gräben, Brunnen und wassergefüllte Steinbrüche. Die Gewässer sollten reich an Unterwasserpflanzen sein. An Land bewohnt der Marmormolch lichte Eichen- und Kiefernwälder, Heckenlandschaften, Gärten und Parks. Er ist anpassungsfähiger als viele andere Triturus-Arten und kommt auch in mediterranen Landschaften vor.
Lebensweise & Verhalten
Der Marmormolch führt eine amphibische Lebensweise mit einer ausgeprägten aquatischen Phase von Februar/März bis Juni/Juli. Während dieser Zeit zeigen die Männchen ihr spektakuläres Balzverhalten mit aufgerichtetem Kamm und wellenförmigen Schwanzbewegungen. Außerhalb der Laichzeit leben die Tiere an Land und sind vorwiegend nachtaktiv.
Die Landphase verbringen Marmormolche unter Steinen, in Mauerspalten, unter Totholz und in der Laubstreu. In südlicheren Populationen kann die aquatische Phase auch im Herbst stattfinden. Die Art ist vergleichsweise kältetolerant und kann bereits bei Wassertemperaturen ab 8 °C aktiv sein. Die Winterruhe ist in den südlichen Teilen des Areals oft nur kurz oder entfällt ganz.
Ernährung
Der Marmormolch ernährt sich räuberisch von kleinen Wirbellosen. Im Wasser frisst er Mückenlarven, Wasserflöhe, Bachflohkrebse, kleine Schnecken und Würmer. Gelegentlich werden auch Eier und Larven anderer Amphibien erbeutet. An Land stehen Regenwürmer, Nacktschnecken, Spinnen, Asseln und Insekten auf dem Speiseplan.
Die Beute wird visuell geortet und mit einer schnellen Schnappbewegung des Kopfes ergriffen. Im Wasser nutzt der Molch die für Molche typische Saugschnapp-Technik. Larven ernähren sich von Kleinstlebewesen wie Wasserflöhen und Hüpferlingen.
Fortpflanzung
Die Paarungszeit erstreckt sich von Februar bis Juni, je nach Region und Höhenlage. Die Balz des Männchens ist besonders eindrucksvoll: Es richtet seinen mächtigen, gebänderten Kamm auf, stellt sich seitlich vor das Weibchen und fächelt mit rhythmischen Schwanzbewegungen Pheromone zu. Nach erfolgreicher Balz setzt es eine Spermatophore ab, die vom Weibchen aufgenommen wird.
Das Weibchen legt 200–400 Eier einzeln an Blätter von Wasserpflanzen und faltet die Blätter sorgfältig um jedes Ei. Die Larven schlüpfen nach 2–3 Wochen und entwickeln sich innerhalb von 3–4 Monaten zu Jungtieren. Bemerkenswert ist, dass in der Kontaktzone mit Triturus cristatus fertile Hybride entstehen können, die Merkmale beider Elternarten vereinen. Die Geschlechtsreife erreichen Marmormolche mit 2–3 Jahren.
Haltung im Aquarium
Der Marmormolch kann in einem Aquaterrarium ab 80 × 40 cm Grundfläche für ein Paar gehalten werden. Der Wasserstand sollte 15–25 cm betragen, ergänzt durch einen Landteil aus feuchtem Moos und Korkrinde. Die Wassertemperatur sollte 14–20 °C betragen – im Sommer ist ein kühler Standort wichtig. Reichlich Wasserpflanzen wie Hornkraut und Javamoos bieten Versteck- und Eiablageplätze.
Gefüttert wird mit lebenden oder aufgetauten Mückenlarven, Regenwürmern, Enchyträen und Bachflohkrebsen. Eine Winterruhe bei 5–8 °C über 2–3 Monate ist für die Gesundheit und Fortpflanzungsbereitschaft essenziell. In vielen europäischen Ländern unterliegt die Art dem Artenschutz – nur legal erworbene Nachzuchten dürfen gehalten werden. Die Nachzucht gelingt erfahrenen Haltern regelmäßig.
Gefährdung & Schutzstatus
Der Marmormolch wird von der IUCN als „Least Concern" (nicht gefährdet) eingestuft. Dennoch gehen die Bestände in Teilen seines Verbreitungsgebiets zurück. Hauptursachen sind der Verlust geeigneter Laichgewässer durch Verfüllung und Entwässerung, die Intensivierung der Landwirtschaft, Pestizideinsatz und der Fischbesatz in Laichgewässern.
In der EU ist der Marmormolch durch die FFH-Richtlinie (Anhang IV) geschützt. In Frankreich und auf der Iberischen Halbinsel ist er durch nationale Naturschutzgesetze geschützt. Der Salamanderfresserpilz Bsal stellt eine potenzielle, aber bislang noch nicht eingetretene Bedrohung dar. Der Erhalt strukturreicher Landschaften mit naturnahen Gewässern ist die wichtigste Schutzmaßnahme.
Quellen
- AmphibiaWeb: Triturus marmoratus – amphibiaweb.org
- IUCN Red List: Triturus marmoratus – iucnredlist.org
- Nöllert, A. & Nöllert, C. (1992): Die Amphibien Europas. Franckh-Kosmos Verlag.
- Sparreboom, M. (2014): Salamanders of the Old World. KNNV Publishing.
- Raffaëlli, J. (2013): Les Urodèles du monde. 2nd Edition. Penclen Édition.
