Der Messerfisch ist ein faszinierender, nachtaktiver Süßwasserfisch aus Süd- und Südostasien. Mit seinem messerförmigen Körper, der langen, wellenförmig schlagenden Afterflosse und der Fähigkeit, schwache elektrische Felder zu erzeugen, ist er ein einzigartiger Aquarienbewohner für erfahrene Halter.
| Wissenschaftlicher Name | Notopterus notopterus |
| Ordnung | Knochenzünglerartige (Osteoglossiformes) |
| Familie | Messerfische (Notopteridae) |
| Gattung | Notopterus |
| Größe | 30–60 cm |
| Gewicht | 100–500 g |
| Lebenserwartung | 10–15 Jahre |
| Verbreitung | Süd- und Südostasien (Indien bis Indonesien) |
| Lebensraum | Langsam fließende Flüsse, Seen, Überflutungsgebiete |
| Schutzstatus | Nicht gefährdet (LC) – IUCN |
| Aquarium | ab 400 Liter |
| Temperatur | 24–28 °C |
| pH-Wert | 6,0–7,5 |
| Wasserhärte | 5–15 °dGH |
Beschreibung & Aussehen
Der Messerfisch besitzt einen stark seitlich abgeflachten, messerförmigen Körper, der ihm seinen deutschen Namen eingebracht hat. Er erreicht eine Körperlänge von 30–60 cm und hat eine silbrig-bronzefarbene Grundfärbung, die ihm den englischen Namen „Bronze Featherback" gegeben hat. Entlang des Rückens verläuft eine markante, buckelförmige Erhebung.
Die auffälligste Eigenschaft ist die extrem lange Afterflosse, die nahtlos in die Schwanzflosse übergeht und sich über die gesamte Unterseite des Fisches erstreckt. Diese Flosse bewegt sich in wellenförmigen Undulationen, die dem Fisch ein schwebendes, fast übernatürliches Fortbewegungsmuster verleihen – er kann sowohl vorwärts als auch rückwärts schwimmen. Die Rückenflosse ist winzig und federartig (daher „Featherback"). Die Brustflossen sind ebenfalls klein, während die Bauchflossen fehlen oder rudimentär sind.
Verbreitung & Lebensraum
Der Messerfisch ist in Süd- und Südostasien weit verbreitet und kommt von Pakistan und Indien über Myanmar, Thailand, Laos, Kambodscha und Vietnam bis nach Malaysia und Indonesien vor. Er bewohnt ein riesiges Areal, das verschiedene Klimazonen und Gewässertypen umfasst.
Der natürliche Lebensraum umfasst langsam fließende Flüsse, stehende Gewässer, Seen, Kanäle und saisonal überflutete Gebiete. Er bevorzugt ruhige, trübe oder dunkle Gewässer mit reichlich Versteckmöglichkeiten wie Unterwasserwurzeln, versunkenen Baumstämmen und dichter Vegetation. In seiner Heimat ist er ein beliebter Speisefisch und wird in Aquakultur gezüchtet.
Lebensweise & Verhalten
Der Messerfisch ist ein überwiegend nachtaktiver Raubfisch, der tagsüber in dunklen Verstecken ruht und erst in der Dämmerung und Nacht auf Nahrungssuche geht. Er bewegt sich dabei lautlos und elegant durch das Wasser, angetrieben von der wellenförmigen Bewegung seiner langen Afterflosse.
Eine faszinierende Besonderheit ist seine Fähigkeit, schwache elektrische Felder zu erzeugen und zu empfangen. Diese Fähigkeit nutzt er zur Orientierung in trüben Gewässern und zur Ortung von Beute – ähnlich wie bei den Messerfischen Südamerikas, mit denen er jedoch nicht näher verwandt ist (konvergente Evolution). Der Messerfisch ist territorial und kann gegenüber Artgenossen und ähnlich geformten Fischen aggressiv werden. Jüngere Tiere sind geselliger als ausgewachsene Exemplare.
Ernährung
Der Messerfisch ist ein Raubfisch, der sich in der Natur von Fischen, Krebstieren, Insektenlarven, Garnelen und gelegentlich Fröschen ernährt. Er jagt bevorzugt nachts und nutzt seine Elektrorezeption, um Beute auch in trübem Wasser oder völliger Dunkelheit aufzuspüren.
Im Aquarium akzeptiert er nach Eingewöhnung auch Frostfutter wie Stinte, Garnelen, Muschelfleisch und große Mückenlarven. Lebendfutter wie Regenwürmer, kleine Fische und Garnelen werden bevorzugt. Die Umstellung auf Trockenfutter gelingt selten – hochwertiges Granulat wird nur von wenigen Exemplaren angenommen. Füttere in der Dämmerung oder bei gedämpftem Licht, um dem natürlichen Fressrhythmus zu entsprechen.
Fortpflanzung
Die Zucht des Messerfisches ist im Aquarium selten, in Aquakultur jedoch gut etabliert. Die Laichzeit beginnt mit der Regenzeit. Das Weibchen legt 200–1.000 klebrige Eier an feste Oberflächen wie Steine, Holz oder Pflanzen in flachen Uferbereichen.
Das Männchen bewacht die Eier bis zum Schlupf und fächelt ihnen mit der Afterflosse frisches Wasser zu. Die Larven schlüpfen nach 5–7 Tagen und ernähren sich zunächst von ihrem Dottersack, bevor sie auf kleine Lebendfutter wie Artemia-Nauplien umsteigen. Die väterliche Brutpflege ist für einen Raubfisch bemerkenswert engagiert und kann mehrere Wochen andauern.
Haltung im Aquarium
Der Messerfisch benötigt aufgrund seiner beträchtlichen Endgröße ein Aquarium ab 400 Litern mit einer gedämpften Beleuchtung und zahlreichen Versteckmöglichkeiten aus großen Wurzeln, Röhren und Steinaufbauten. Robuste Pflanzen können verwendet werden, sofern der Bodengrund ausreichend gesichert ist.
Die Wasserwerte sollten bei 24–28 °C, pH 6,0–7,5 und einer Gesamthärte von 5–15 °dGH liegen. Halte den Messerfisch einzeln oder mit deutlich größeren oder kleineren Fischen, die nicht ins Beuteschema passen – alles, was ins Maul passt, wird gefressen. Geeignete Beifische sind größere, robuste Arten wie Welse, große Barben oder andere Großfische. Eine Nachtbeleuchtung (Mondlicht-LED) ermöglicht es dir, das faszinierende Nachtverhalten zu beobachten.
Gefährdung & Schutzstatus
Der Messerfisch wird von der IUCN als „Least Concern" (nicht gefährdet) eingestuft. Die Art hat ein riesiges Verbreitungsgebiet und ist in vielen Regionen häufig. In seiner Heimat wird er als wichtiger Speisefisch geschätzt und in Teichkultur gezüchtet, was den Druck auf die Wildbestände verringert.
Lokale Bedrohungen umfassen Wasserverschmutzung, den Bau von Staudämmen und die Überfischung in einigen Gebieten. Die Aquakultur-Zucht hat sowohl für die Ernährungssicherheit als auch für den Artenschutz eine positive Wirkung, da sie die Nachfrage nach Wildfängen reduziert.
Quellen
- FishBase: Notopterus notopterus – fishbase.se
- Seriously Fish: Notopterus notopterus – seriouslyfish.com
- Roberts, T. R. (1992): Systematic revision of the Old World freshwater fish family Notopteridae. Ichthyological Exploration of Freshwaters, 2(4), 361–383.
- Riehl, R. & Baensch, H. A. (2002): Aquarien Atlas. Mergus Verlag.
- IUCN Red List: Notopterus notopterus – iucnredlist.org
