Molche

Erdbeerfröschchen (Oophaga pumilio)

4 Min. Lesezeit
Mexikanischer Baumsteiger (Oophaga pumilio)

Bildquelle: Salparadis / shutterstock.com

Zusammenfassung

Das Erdbeerfröschchen ist ein winziger, aber auffällig gefärbter Pfeilgiftfrosch aus Mittelamerika. Trotz seiner geringen Größe von nur 1,7–2,4 cm gehört er zu den bekanntesten Pfeilgiftfröschen und beeindruckt durch seine enorme Farbvielfalt – von leuchtendem Erdbeerrot über Blau bis hin zu Grün. Sein Hautgift dient dem Schutz vor Fressfeinden.

Das Erdbeerfröschchen ist ein winziger, aber auffällig gefärbter Pfeilgiftfrosch aus Mittelamerika. Trotz seiner geringen Größe von nur 1,7–2,4 cm gehört er zu den bekanntesten Pfeilgiftfröschen und beeindruckt durch seine enorme Farbvielfalt – von leuchtendem Erdbeerrot über Blau bis hin zu Grün. Sein Hautgift dient dem Schutz vor Fressfeinden.

Steckbrief: Erdbeerfröschchen (Oophaga pumilio)
Wissenschaftlicher NameOophaga pumilio
OrdnungFroschlurche (Anura)
FamiliePfeilgiftfrösche (Dendrobatidae)
GattungOophaga
Größe1,7–2,4 cm
Gewicht0,5–1 g
Lebenserwartung3–10 Jahre
VerbreitungMittelamerika (Nicaragua bis Panama)
LebensraumTropische Regenwälder, Tieflandwälder, Plantagen
SchutzstatusNicht gefährdet (LC) – IUCN

Beschreibung & Aussehen

Das Erdbeerfröschchen ist mit nur 1,7–2,4 cm Körperlänge einer der kleinsten Pfeilgiftfrösche. Sein auffälligstes Merkmal ist die extreme Farbvielfalt zwischen verschiedenen Populationen (Polymorphismus). Die namensgebende Form ist leuchtend erdbeerrot mit dunkelblauen bis schwarzen Beinen. Es existieren jedoch über 30 verschiedene Farbmorphen, darunter komplett rote, blaue, grüne, orange, gelbe und gefleckte Varianten.

Der Körperbau ist schlank und froschtyisch mit langen Hinterbeinen, die zum Klettern und Springen geeignet sind. Die Haut ist glatt und enthält Giftdrüsen, die toxische Alkaloide produzieren, welche der Frosch über seine Nahrung (insbesondere Ameisen und Milben) aufnimmt. Die Augen sind groß und dunkel. Männchen sind etwas kleiner als Weibchen und besitzen zur Paarungszeit eine dunkle Kehle, mit der sie ihre Rufe erzeugen.

Verbreitung & Lebensraum

Das Erdbeerfröschchen kommt in Mittelamerika vor, von Nicaragua über Costa Rica bis in den Westen Panamas. Besonders artenreich und farbenvielfältig sind die Populationen auf den Inseln des Bocas-del-Toro-Archipels in Panama, wo fast jede Insel eine eigene Farbmorphe hervorgebracht hat – ein Paradebeispiel für adaptive Radiation.

Die Art bewohnt tropische Tieflandregenwälder vom Meeresniveau bis etwa 960 Meter Höhe. Sie ist auf feuchte, schattige Waldgebiete mit reichlich Bodenstreu und Bromelien angewiesen. Bromelien spielen eine zentrale Rolle als Bruthabitat, da sich die Kaulquappen in den wassergefüllten Blattachseln dieser Pflanzen entwickeln. Das Erdbeerfröschchen kommt auch in Kakaoplantagen und Sekundärwäldern vor, sofern genügend Bromelien vorhanden sind.

Lebensweise & Verhalten

Das Erdbeerfröschchen ist tagaktiv – eine Besonderheit unter den Fröschen, die durch seine aposematische (warnende) Färbung ermöglicht wird. Die leuchtenden Farben signalisieren Fressfeinden die Giftigkeit des Tieres. Die Männchen sind ausgesprochen territorial und verteidigen ihr Revier von etwa 2–3 m² aggressiv gegen Rivalen mit lautem Rufen und gelegentlich sogar Ringkämpfen.

Der Ruf des Männchens ist ein schnelles, insektenartiges Summen oder Zirpen, das an Zikaden erinnert. Die Tiere bewegen sich überwiegend auf dem Waldboden und klettern gelegentlich in niedrige Vegetation und auf Baumstämme. Trotz ihrer Giftigkeit haben Erdbeerfröschchen natürliche Feinde, darunter bestimmte Schlangenarten, die gegen das Gift immun sind.

Ernährung

Das Erdbeerfröschchen ernährt sich hauptsächlich von winzigen Wirbellosen. Ameisen und Milben machen den größten Teil der Nahrung aus und sind die Quelle der toxischen Alkaloide in der Haut. Daneben werden kleine Fliegen, Springschwänze, Blattläuse und andere Kleinstarthropoden gefressen.

In Gefangenschaft werden Fruchtfliegen (Drosophila), Springschwänze und Blattläuse als Hauptfutter angeboten. Da die Giftigkeit der Frösche in Gefangenschaft ohne ihre natürliche Nahrung nachlässt, sind Nachzuchten deutlich weniger giftig als Wildtiere. Eine regelmäßige Bestäubung des Futters mit Kalzium- und Vitaminpräparaten ist essenziell.

Fortpflanzung

Die Fortpflanzung des Erdbeerfröschchen ist besonders faszinierend und einzigartig unter den Amphibien. Das Männchen lockt das Weibchen mit seinem Ruf an. Nach einer ausgiebigen Balz legt das Weibchen 3–5 Eier auf ein befeuchtetes Blatt am Waldboden, die vom Männchen befruchtet werden. Das Männchen bewacht die Eier und hält sie durch regelmäßiges Wassertransportieren feucht.

Nach dem Schlüpfen (10–14 Tage) transportiert das Weibchen die Kaulquappen einzeln auf ihrem Rücken in wassergefüllte Blattachseln von Bromelien – teils in Baumkronen in mehreren Metern Höhe. Dort füttert das Weibchen jede Kaulquappe alle 1–2 Tage mit unbefruchteten Nähreiern (Oophagie – daher der Gattungsname Oophaga). Dieser intensive Brutpflegeaufwand ist unter den Fröschen selten und kann sich über 6–8 Wochen erstrecken, bis die Metamorphose abgeschlossen ist.

Haltung im Terrarium

Das Erdbeerfröschchen gehört zu den beliebtesten Pfeilgiftfröschen in der Terraristik. Für ein Paar eignet sich ein tropisches Regenwaldterrarium ab 40 × 40 × 40 cm mit hoher Luftfeuchtigkeit (80–100 %) und Temperaturen zwischen 24 und 28 °C tagsüber. Die Einrichtung sollte lebende Pflanzen, insbesondere Bromelien, Moos, Korkrinde und eine dünne Drainageschicht umfassen.

Gefüttert wird mit Fruchtfliegen (Drosophila melanogaster und D. hydei), Springschwänzen und Ofenfischchen, die regelmäßig mit Kalzium und Vitaminen bestäubt werden. Eine automatische Beregnungsanlage oder regelmäßiges Sprühen sorgt für die nötige Feuchtigkeit. Die Nachzucht gelingt erfahrenen Haltern regelmäßig und ist für den Arterhalt wichtig. Achte darauf, nur Nachzuchten aus verantwortungsvoller Zucht zu erwerben.

Gefährdung & Schutzstatus

Das Erdbeerfröschchen wird von der IUCN als „Least Concern" (nicht gefährdet) eingestuft, da es in seinem Verbreitungsgebiet insgesamt noch häufig vorkommt. Einige isolierte Insel-Populationen, besonders auf dem Bocas-del-Toro-Archipel, sind jedoch durch Habitatverlust und illegale Sammlung für den Tierhandel bedroht.

Die Art ist in CITES Anhang II gelistet, was den internationalen Handel reguliert. In Costa Rica und Panama steht sie unter nationalem Schutz. Die Abholzung tropischer Wälder und die Entfernung von Bromelien als Bruthabitat stellen die größten Bedrohungen dar. Der Chytridpilz (Batrachochytrium dendrobatidis) hat in einigen Regionen Mittelamerikas Amphibienpopulationen dezimiert, das Erdbeerfröschchen scheint aber vergleichsweise widerstandsfähig zu sein.

Quellen

  1. AmphibiaWeb: Oophaga pumilioamphibiaweb.org
  2. IUCN Red List: Oophaga pumilioiucnredlist.org
  3. Summers, K. et al. (2003): Biology of Oophaga pumilio. In: Donnelly, M. A. et al. (eds.): Ecology and Evolution in the Tropics. University of Chicago Press.
  4. Lötters, S. et al. (2007): The Poison Frogs – Dendrobatidae. Edition Chimaira.
  5. Pough, F. H. et al. (2015): Herpetology. 4th Edition. Sinauer Associates.

Hat dir dieser Artikel geholfen?

Weitere Ratgeber entdecken