Was sind Molche?
Molche sind Schwanzlurche (Ordnung Urodela) aus der Familie der Echten Salamander (Salamandridae) und verwandten Familien. Im Gegensatz zu den meisten Salamandern verbringen Molche einen großen Teil ihres Lebens im Wasser – besonders während der Fortpflanzungszeit. Der Begriff „Molch" ist keine streng wissenschaftliche Kategorie, sondern beschreibt umgangssprachlich jene Schwanzlurche, die eine ausgeprägte aquatische Lebensphase besitzen. Weltweit sind über 100 Molcharten bekannt, die meisten davon in Europa und Ostasien.
Molche unterscheiden sich von Salamandern vor allem durch ihre stärker an das Wasserleben angepasste Körperform: Der Schwanz ist seitlich abgeflacht und dient als Ruder, und viele Arten entwickeln während der Wasserphase Hautkämme und Schwimmhäute. An Land sind Molche eher unauffällig und verstecken sich unter Steinen, Totholz oder in feuchten Erdlöchern.
Merkmale
Molche besitzen einige charakteristische Merkmale, die sie von anderen Amphibien unterscheiden:
- Körperbau: Schlank und langgestreckt mit vier gleich langen Beinen und einem langen, seitlich abgeflachten Schwanz.
- Haut: Feucht und glatt (Wasserphase) oder samtig-rau (Landphase). Viele Arten wechseln ihr Hautkleid je nach Lebensphase.
- Hautkamm: Männchen vieler europäischer Arten entwickeln während der Paarungszeit einen auffälligen, gezackten Rückenkamm.
- Färbung: Oft leuchtende Bauchfärbung (orange, gelb, rot) als Warnsignal, Oberseite eher unauffällig braun, oliv oder dunkel.
- Größe: Die meisten Arten erreichen 7–18 cm Gesamtlänge, einige Arten wie der Rippenmolch bis 30 cm.
- Regeneration: Molche besitzen eine bemerkenswerte Fähigkeit zur Regeneration verlorener Gliedmaßen, Schwanzteile und sogar Augenlinsen.
Verbreitung
Molche kommen hauptsächlich auf der Nordhalbkugel vor. Die größte Artenvielfalt findet sich in Europa und Ostasien. In Europa sind etwa 20 Molcharten heimisch, darunter der weit verbreitete Teichmolch (Lissotriton vulgaris), der farbenprächtige Bergmolch (Ichthyosaura alpestris) und der imposante Kammmolch (Triturus cristatus). In Nordamerika sind die Querzahnmolche (Ambystomatidae) und die Rotbauchmolche (Notophthalmus) vertreten, in Ostasien die Feuerbauchmolche (Cynops) und die Krokodilmolche (Tylototriton).
Molche besiedeln eine Vielzahl von Lebensräumen – von Tieflandteichen und Gartenweihern über Bergbäche bis hin zu alpinen Seen in über 2.000 Metern Höhe. Die meisten Arten bevorzugen stehende oder langsam fließende Gewässer mit reicher Unterwasservegetation als Laichhabitat.
Lebensweise
Die meisten Molcharten leben amphibisch und wechseln im Jahresverlauf zwischen Land- und Wasserlebensraum. Im Frühjahr wandern sie zu ihren Laichgewässern, wo sie mehrere Wochen bis Monate verbringen. In dieser aquatischen Phase sind sie tag- und nachtaktiv und zeigen ihr spektakuläres Balzverhalten. Nach der Fortpflanzungszeit verlassen die meisten Arten das Wasser und führen ein verstecktes Leben an Land.
Molche ernähren sich räuberisch von kleinen Wirbellosen. Im Wasser fressen sie Mückenlarven, Wasserflöhe, kleine Schnecken und Würmer. An Land stehen Insekten, Spinnen, Regenwürmer und Nacktschnecken auf dem Speiseplan. Europäische Molcharten halten eine Winterruhe von Oktober bis März in frostfreien Verstecken an Land.
Bekannte Molcharten
Zu den bekanntesten und am häufigsten gehaltenen Molcharten gehören:
- Bergmolch (Ichthyosaura alpestris): Einer der farbenprächtigsten europäischen Molche mit leuchtend orangem Bauch und blauer Flanke beim Männchen.
- Europäischer Kammmolch (Triturus cristatus): Der größte heimische Molch mit imposantem gezacktem Rückenkamm beim Männchen.
- Teichmolch (Lissotriton vulgaris): Die häufigste und am weitesten verbreitete Molchart Europas.
- Feuerbauchmolch (Cynops pyrrhogaster): Beliebter Aquarienmolch aus Japan mit leuchtend rotem Bauch.
- Iberischer Rippenmolch (Pleurodeles waltl): Der größte europäische Molch mit einzigartiger Rippenverteidigung.
- Axolotl (Ambystoma mexicanum): Berühmter neotener Molch aus Mexiko, der zeitlebens im Larvenstadium bleibt.
Molche im Aquarium
Einige Molcharten eignen sich hervorragend für die Haltung im Aquarium oder Aquaterrarium. Besonders beliebt sind der Feuerbauchmolch, der Rippenmolch und verschiedene Cynops-Arten. Wichtig ist eine artgerechte Einrichtung mit Wasserteil und Landteil (Aquaterrarium), sauberem, kühlem Wasser und ausreichend Versteckmöglichkeiten. Die meisten Molcharten bevorzugen Wassertemperaturen zwischen 15 und 22 °C – deutlich kühler als tropische Fische.
Europäische Molcharten stehen unter Naturschutz und dürfen nicht der Natur entnommen werden. Für die Aquarienhaltung kommen nur legal erworbene Nachzuchten oder nicht geschützte exotische Arten infrage. Die Vergesellschaftung mit Fischen ist bei den meisten Arten nicht empfehlenswert, da Fische den Molchlaich und die Larven fressen können.
Schutzstatus
Viele Molcharten sind weltweit durch Lebensraumverlust, Gewässerverschmutzung, Klimawandel und den Chytridpilz (Batrachochytrium salamandrivorans, Bsal) bedroht. Bsal ist ein besonders gefährlicher Pilz, der in den letzten Jahren europäische Molchpopulationen dezimiert hat. In Europa stehen alle heimischen Molcharten unter strengem Naturschutz. Der Erhalt und die Neuanlage von Laichgewässern sowie der Schutz der Landlebensräume sind entscheidend für die Zukunft dieser faszinierenden Amphibien.
Quellen
- AmphibiaWeb: Information on amphibian biology and conservation – amphibiaweb.org
- IUCN Red List of Threatened Species – iucnredlist.org
- Laufer, H., Fritz, K. & Sowig, P. (2007): Die Amphibien und Reptilien Baden-Württembergs. Ulmer Verlag.
- Pough, F. H. et al. (2015): Herpetology. 4th Edition. Sinauer Associates.
