Frösche

Moorfrosch (Rana arvalis)

4 Min. Lesezeit
Rana arvalis

Bildquelle: SuperZiemia / shutterstock.com

Zusammenfassung

Der Moorfrosch ist ein mittelgroßer Braunfrosch Nord- und Mitteleuropas, der für ein spektakuläres Naturschauspiel bekannt ist: Während der kurzen Laichzeit im Frühjahr färben sich die Männchen leuchtend blau! Diese einzigartige Blaufärbung macht den Moorfrosch zu einem der faszinierendsten heimischen Amphibien. Er bewohnt bevorzugt Moore, Feuchtwiesen und Auenwälder.

Der Moorfrosch ist ein mittelgroßer Braunfrosch Nord- und Mitteleuropas, der für ein spektakuläres Naturschauspiel bekannt ist: Während der kurzen Laichzeit im Frühjahr färben sich die Männchen leuchtend blau! Diese einzigartige Blaufärbung macht den Moorfrosch zu einem der faszinierendsten heimischen Amphibien. Er bewohnt bevorzugt Moore, Feuchtwiesen und Auenwälder.

Steckbrief: Moorfrosch (Rana arvalis)
Wissenschaftlicher NameRana arvalis
OrdnungFroschlurche (Anura)
FamilieRanidae
GattungRana
Größe5–7 cm
Gewicht15–30 g
Lebenserwartung5–10 Jahre
VerbreitungNord- und Mitteleuropa bis Westsibirien
LebensraumMoore, Feuchtwiesen, Sümpfe, Auenwälder
SchutzstatusNicht gefährdet (LC) – IUCN

Beschreibung & Aussehen

Der Moorfrosch ist ein schlanker Braunfrosch mit einer Körperlänge von 5–7 cm. Die Grundfarbe der Oberseite variiert von hellbraun über rotbraun bis dunkelbraun. Charakteristisch ist eine dunkle Temporalmaske vom Nasenloch über das Auge zum Trommelfell sowie ein breiter, heller Rückenstreifen. Die Flanken zeigen oft dunklere Flecken.

Das spektakulärste Merkmal des Moorfroschs ist die Blaufärbung der Männchen während der Paarungszeit: Für wenige Tage im Frühjahr färbt sich die gesamte Oberseite der Männchen leuchtend hellblau bis violettblau. Diese einzigartige Färbung entsteht durch strukturelle Veränderungen der Haut und dient der Artkennung und sexuellen Signalgebung. Außerhalb der Paarungszeit sind die Männchen braun gefärbt wie die Weibchen.

Verbreitung & Lebensraum

Der Moorfrosch ist von Nordfrankreich und Belgien über Mittel- und Nordeuropa bis nach Westsibirien verbreitet. In Deutschland kommt er vor allem im norddeutschen Tiefland vor, ist aber auch in Teilen Süddeutschlands (Oberrheinebene, Donauauen) zu finden. In den Alpen und im Hochgebirge fehlt er.

Sein Name verrät seinen bevorzugten Lebensraum: Er lebt in Mooren, Feuchtwiesen, Sümpfen, Auenwäldern und Marschen. Er bevorzugt saure bis leicht saure Gewässer und ist besonders in Nieder- und Hochmooren, Seggenrieden und Erlenbruchwäldern anzutreffen. Als Laichgewässer nutzt er sonnige, flache Gewässer wie Moorgewässer, Überschwemmungstümpel und Wiesengräben.

Lebensweise & Verhalten

Der Moorfrosch ist vorwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, kann aber während der Laichzeit auch tagsüber aktiv sein. Außerhalb der Fortpflanzungszeit lebt er am Boden in feuchter Vegetation, Laubstreu und unter Moos. Er ist ein guter Springer und kann sich bei Gefahr schnell in Deckung bringen.

Die Winterruhe dauert von Oktober bis Februar/März und wird am Gewässergrund, in Schlamm eingegraben oder unter Laub in frostfreien Verstecken verbracht. Im zeitigen Frühjahr wandert er zu den Laichgewässern, wobei die Wanderung oft schon bei Temperaturen knapp über dem Gefrierpunkt beginnt. Die spektakuläre Blaufärbung der Männchen tritt nur für wenige Tage auf und ist in der Natur ein seltener Anblick.

Ernährung

Der Moorfrosch ernährt sich von kleinen Wirbellosen, die er am Boden und in der niedrigen Vegetation erbeutet. Zu seiner Hauptnahrung gehören Käfer, Ameisen, Fliegen, Spinnen, Schnecken und Würmer. Die Zusammensetzung der Beute variiert saisonal mit dem Angebot an Wirbellosen.

Kaulquappen ernähren sich von Algen, Detritus und Biofilmen. Sie sind relativ säuretolerant und können sich auch in den sauren Gewässern der Moore gut entwickeln, was sie von vielen anderen Amphibienarten unterscheidet.

Fortpflanzung

Die Laichzeit ist eine der kürzesten unter den europäischen Fröschen und dauert nur 3–10 Tage im zeitigen Frühjahr (März–April). In dieser kurzen Zeit versammeln sich die Männchen an den Laichgewässern und zeigen ihre spektakuläre Blaufärbung. Die Rufe sind leise, blubbernde Laute, die unter Wasser erzeugt werden.

Das Weibchen legt 500–3.000 Eier in einem kompakten, kugeligen Laichballen ab, der zunächst am Gewässergrund liegt und später an die Oberfläche steigt. Die Kaulquappen schlüpfen nach 1–3 Wochen und metamorphosieren innerhalb von 2–3 Monaten. Die Jungfrösche verlassen das Wasser im Sommer und erreichen die Geschlechtsreife nach 2–3 Jahren.

Haltung im Terrarium

Der Moorfrosch ist in Deutschland und weiten Teilen Europas streng geschützt, und eine Haltung ist nur mit Nachzuchten und entsprechenden Genehmigungen möglich. Ein Aquaterrarium ab 80 × 40 × 40 cm mit einem großzügigen Wasseranteil und einem feuchten, moosigen Landteil ist empfehlenswert.

Die Temperatur sollte tagsüber bei 18–22 °C liegen, im Winter deutlich kühler (4–8 °C) für eine Winterruhe von 3–4 Monaten. Das Wasser sollte leicht sauer sein (pH 5,5–6,5), um die natürlichen Moorgewässer nachzuahmen. Torfhaltige Substrate und Sphagnum-Moos schaffen ein naturnahes Moorhabitat. Die Art ist anspruchsvoll und eher für erfahrene Halter geeignet.

Gefährdung & Schutzstatus

Der Moorfrosch wird von der IUCN global als „Least Concern" (nicht gefährdet) eingestuft, ist aber in vielen Teilen Mitteleuropas im Bestand rückläufig und regional gefährdet. In Deutschland steht er auf der Vorwarnliste der Roten Liste. Die Hauptbedrohungen sind der Verlust von Moorlebensräumen durch Entwässerung, intensive Landwirtschaft und Torfabbau.

Die Art ist durch die europäische Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (Anhang IV) und das Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt. Schutzmaßnahmen konzentrieren sich auf die Wiedervernässung von Mooren, den Erhalt von Feuchtwiesen und Auenwäldern sowie die Schaffung geeigneter Laichgewässer. Die Renaturierung von Mooren kommt nicht nur dem Moorfrosch, sondern auch dem Klimaschutz zugute.

Quellen

  1. AmphibiaWeb: Rana arvalisamphibiaweb.org
  2. IUCN Red List: Rana arvalisiucnredlist.org
  3. Laufer, H., Fritz, K. & Sowig, P. (2007): Die Amphibien und Reptilien Baden-Württembergs. Ulmer Verlag.
  4. Nöllert, A. & Nöllert, C. (1992): Die Amphibien Europas. Franckh-Kosmos Verlag.
  5. Deutsches Bundesamt für Naturschutz: Artenschutz-Steckbrief Moorfrosch – bfn.de

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