Schnecken als natürliche Algenfresser
Algen sind in jedem Aquarium natürlich vorhanden – ein gewisser Algenwuchs gehört sogar zu einem gesunden Ökosystem. Problematisch wird es erst, wenn die Algen überhandnehmen und Pflanzen, Scheiben und Dekorationsgegenstände überwuchern. Hier kommen Schnecken ins Spiel: Als natürliche Aufwuchsfresser raspen sie Algenbeläge von Oberflächen ab und halten das Aquarium sauber, ohne dabei Pflanzen zu schädigen.
Der große Vorteil von Schnecken gegenüber algenfressenden Fischen: Sie arbeiten rund um die Uhr, kommen in jede Ecke und hinterlassen auf algenbedeckten Flächen sichtbare, saubere Fraßspuren. Zudem sind sie friedlich, stellen keine hohen Platzansprüche und belasten das Aquarienwasser weniger als Fische.
Die besten algenfressenden Schnecken
Nicht alle Schneckenarten sind gleich gute Algenfresser. Die folgenden Arten gelten als die effizientesten Algenfresser in der Aquaristik:
1. Rennschnecke (Neritina natalensis): Der unangefochtene Champion unter den Algenfressern. Rennschnecken bewegen sich flink über Scheiben und Steine und entfernen hartnäckige Kiesel- und Grünalgenbeläge. Sie fressen keine Pflanzen und vermehren sich nicht im Süßwasser – die perfekte Algenschnecke.
2. Teufelshörnchen (Clithon spp.): Kleine, attraktive Schnecken, die ähnlich effektiv wie Rennschnecken Algen fressen. Ihre geringe Größe macht sie ideal für Nano-Aquarien. Wie Rennschnecken vermehren sie sich nicht im Süßwasser.
3. Porzellan-Napfschnecke (Septaria porcellana): Ein Spezialist für hartnäckige Algenbeläge auf Steinen. Sie haftet fest an glatten Oberflächen und entfernt auch starke Algenkrusten. Die flache Gehäuseform ermöglicht es ihr, auch in engen Spalten zu fressen.
4. Steinschnecke (Theodoxus fluviatilis): Die heimische Alternative zu tropischen Rennschnecken. Ideal für Kaltwasseraquarien. Ein hervorragender Algenfresser, der sich im Süßwasser nur sehr langsam vermehrt.
5. Posthornschnecke (Planorbarius corneus): Frisst Algenbeläge von Pflanzenblättern und Scheiben. Weniger spezialisiert als Rennschnecken, dafür robuster und leichter zu halten.
Welche Schnecke gegen welche Alge?
Verschiedene Schneckenarten bevorzugen verschiedene Algentypen:
- Kieselalgen (braune Beläge): Rennschnecken, Teufelshörnchen, Porzellan-Napfschnecken – sie fressen Kieselalgen bevorzugt und effizient.
- Grünalgen (grüne Beläge): Alle genannten Arten, besonders Rennschnecken und Posthornschnecken.
- Punktalgen (grüne Punkte auf Scheiben): Rennschnecken und Porzellan-Napfschnecken – sie können auch harte Punktalgenbeläge lösen.
- Fadenalgen: Schnecken sind gegen Fadenalgen weniger effektiv. Hier helfen eher Amanogarnelen und algenfressende Fische (z. B. Siamesischer Algenfresser).
- Blaualgen (Cyanobakterien): Keine Schneckenart frisst Blaualgen zuverlässig. Blaualgen müssen durch Verbesserung der Wasserwerte und gegebenenfalls gezielte Behandlung bekämpft werden.
Wie viele Schnecken brauche ich?
Die optimale Besatzdichte hängt von der Beckengröße, dem Algenwuchs und der Schneckenart ab. Als grobe Richtlinie gelten:
- Rennschnecken: 1–2 Stück pro 20 Liter
- Teufelshörnchen: 2–3 Stück pro 20 Liter
- Porzellan-Napfschnecken: 1–2 Stück pro 30 Liter
- Posthornschnecken: 3–5 Stück pro 30 Liter
Beachte: In einem Becken mit wenig Algenwuchs reichen weniger Schnecken. Zu viele Schnecken in einem algearmen Becken können verhungern, besonders die spezialisierten Neritidae (Rennschnecken, Teufelshörnchen). In diesem Fall musst du zufüttern oder die Besatzdichte reduzieren.
Schnecken und andere Algenfresser kombinieren
Für die beste Algenkontrolle empfiehlt es sich, verschiedene Algenfresser zu kombinieren, da sie unterschiedliche Nischen besetzen:
- Schnecken (Scheiben, Steine, Pflanzenblätter): Rennschnecken, Teufelshörnchen
- Garnelen (feinfiedrige Pflanzen, Moos, Dekoration): Amanogarnelen, Red Cherry Garnelen
- Algenfressende Fische (größere Flächen, Fadenalgen): Otocinclus, Siamesischer Algenfresser
Diese Kombination deckt alle Oberflächen und Algentypen ab und sorgt für ein algearmes, gesundes Aquarium. Beachte: Algenfresser allein lösen kein Algenproblem – die Ursache (zu viel Licht, zu viele Nährstoffe, zu wenig CO₂) muss immer gleichzeitig bekämpft werden.
Quellen
- Eberhard Hartmann (2013): Schnecken im Aquarium. Dähne Verlag.
- Kasselmann, C. (2010): Aquarienpflanzen. Ulmer Verlag.
- AquaInfo: Algenbekämpfung – aqua-info.de
- Gastropods.com – gastropods.com
