Der Orientalische Pfeilgiftfrosch ist ein winziger, farbenprächtiger Frosch aus den Westanden Ecuadors und Perus. Er erlangte wissenschaftliche Berühmtheit durch die Entdeckung von Epibatidin, einem hochwirksamen Schmerzmittel, in seinen Hautsekreten. Mit nur 2–3 cm Körperlänge gehört er zu den kleineren Vertretern der Pfeilgiftfrösche.
| Wissenschaftlicher Name | Epipedobates anthonyi |
| Ordnung | Froschlurche (Anura) |
| Familie | Dendrobatidae |
| Gattung | Epipedobates |
| Größe | 2–3 cm |
| Gewicht | 2–4 g |
| Lebenserwartung | 8–12 Jahre |
| Verbreitung | Ecuador, Peru (Westanden) |
| Lebensraum | Tropische Regenwälder, feuchte Bergwälder (200–1.800 m) |
| Schutzstatus | Potenziell gefährdet (NT) – IUCN |
Beschreibung & Aussehen
Der Orientalische Pfeilgiftfrosch ist ein sehr kleiner Frosch mit einer Körperlänge von nur 2–3 cm. Die Grundfärbung der Oberseite ist dunkelbraun bis schwarz, durchzogen von drei auffälligen, hellgrünen bis gelblichen Längsstreifen, die vom Kopf bis zu den Hinterbeinen verlaufen. Die Flanken sind dunkel mit kleinen hellen Punkten.
Die Unterseite ist leuchtend rot bis orangerot gefärbt, was als Warnsignal für potenzielle Fressfeinde dient. Die Beine sind relativ schlank und mit kleinen Haftscheiben an den Zehenspitzen ausgestattet. Die Augen sind groß und dunkel. Männchen und Weibchen sind äußerlich kaum zu unterscheiden, wobei Weibchen tendenziell etwas größer und fülliger sind.
Verbreitung & Lebensraum
Der Orientalische Pfeilgiftfrosch ist in den Westanden Ecuadors und im äußersten Nordwesten Perus beheimatet. Sein Verbreitungsgebiet erstreckt sich entlang der Pazifikseite der Anden in Höhenlagen zwischen 200 und 1.800 Metern über dem Meeresspiegel.
Er bewohnt feuchte tropische und subtropische Regenwälder sowie Bergwälder mit dichtem Unterwuchs. Du findest ihn bevorzugt in der Laubstreu des Waldbodens, unter umgestürzten Bäumen und in der Nähe kleiner Bäche. Die Art kommt auch in leicht gestörten Sekundärwäldern und an Waldrändern vor, ist aber auf eine gewisse Mindestfeuchtigkeit angewiesen.
Lebensweise & Verhalten
Der Orientalische Pfeilgiftfrosch ist tagaktiv und bodenbewohnend. Er bewegt sich geschickt durch die Laubstreu des Waldbodens und ist trotz seiner auffälligen Färbung aufgrund seiner geringen Größe leicht zu übersehen. Die Männchen sind territorial und verteidigen kleine Reviere mit lauten, insektenartigen Rufen.
Besonders bemerkenswert ist die Tatsache, dass dieser Frosch Epibatidin produziert – ein Alkaloid, das 200-mal stärker schmerzstillend wirkt als Morphin. Die Substanz wurde 1974 vom Chemiker John Daly entdeckt und hat seitdem die pharmazeutische Forschung maßgeblich beeinflusst. In Gefangenschaft verlieren die Frösche ihre Giftigkeit, da die Toxine über die Nahrung (bestimmte Milben und Ameisen) aufgenommen werden.
Ernährung
In der Natur ernährt sich der Orientalische Pfeilgiftfrosch von winzigen Wirbellosen wie Milben, Ameisen, Springschwänzen und kleinen Fliegen. Die Aufnahme bestimmter Ameisenarten und Milben ist entscheidend für die Produktion seiner Hautgifte. In Gefangenschaft gehaltene Tiere produzieren keine Toxine mehr.
Im Terrarium kannst du ihn mit Drosophila (Fruchtfliegen), Springschwänzen, Blattläusen und Mikrogrillen füttern. Eine regelmäßige Bestäubung der Futtertiere mit Kalzium- und Vitaminpräparaten ist unerlässlich, um Mangelerscheinungen vorzubeugen.
Fortpflanzung
Die Fortpflanzung des Orientalischen Pfeilgiftfrosches ist typisch für viele Dendrobatiden und beinhaltet eine ausgeprägte Brutpflege. Das Männchen lockt das Weibchen mit seinem Ruf zu einem geeigneten Laichplatz in der Laubstreu. Dort werden 15–40 Eier in kleinen Gelegen auf feuchten Blättern oder Moos abgelegt.
Das Männchen bewacht die Eier und hält sie feucht. Nach dem Schlüpfen transportiert es die Kaulquappen auf seinem Rücken zu kleinen Wasseransammlungen wie Bromelien-Trichtern, Blattachseln oder Pfützen. Die Kaulquappen entwickeln sich dort über 60–90 Tage zu Jungfröschen. Die Geschlechtsreife wird nach etwa 12–18 Monaten erreicht.
Haltung im Terrarium
Der Orientalische Pfeilgiftfrosch eignet sich gut für die Terrarienhaltung und ist bei Dendrobatiden-Liebhabern beliebt. Ein Regenwaldterrarium ab 40 × 30 × 30 cm ist für ein Paar ausreichend. Die Einrichtung sollte eine Drainage-Schicht, feuchtes Substrat aus Kokoshumus, Moos, kleine Pflanzen (Bromelien, Farne) und Verstecke aus Korkrinde umfassen.
Die Temperatur sollte tagsüber 22–26 °C betragen, nachts leicht absinken. Die Luftfeuchtigkeit sollte bei 70–90 % liegen und durch regelmäßiges Sprühen aufrechterhalten werden. Eine schwache Beleuchtung mit LED oder Leuchtstoffröhren und ein Tag-Nacht-Rhythmus von 12/12 Stunden sind ideal. Die Vergesellschaftung mit anderen Dendrobatiden-Arten sollte vermieden werden.
Gefährdung & Schutzstatus
Der Orientalische Pfeilgiftfrosch wird von der IUCN als „Near Threatened" (potenziell gefährdet) eingestuft. Die Hauptbedrohungen sind die Abholzung der Wälder in seinem Verbreitungsgebiet, die Umwandlung von Waldflächen in Agrarland und der illegale Fang für den Tierhandel.
Die Art ist im Washingtoner Artenschutzübereinkommen (CITES) Anhang II gelistet, wodurch der internationale Handel reguliert wird. In Ecuador und Peru bestehen nationale Schutzgesetze. Nachzuchten aus verantwortungsvollen Zuchtprogrammen sind im Fachhandel erhältlich und sollten Wildfängen vorgezogen werden.
Quellen
- AmphibiaWeb: Epipedobates anthonyi – amphibiaweb.org
- IUCN Red List: Epipedobates anthonyi – iucnredlist.org
- Spande, T. F. et al. (1992): Epibatidine: A Novel (Chloropyridyl)azabicycloheptane with Potent Analgesic Activity from an Ecuadorian Poison Frog. Journal of the American Chemical Society, 114, 3475–3478.
- Lötters, S. et al. (2007): Poison Frogs – Biology, Species & Captive Husbandry. Edition Chimaira.
- Daly, J. W. et al. (2005): The chemistry of poisons in amphibian skin. PNAS, 102, 14159–14164.
