Fische (Salzwasser)

Papageifisch (Scarus ghobban)

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Papageifisch (Scarus ghobban)

Bildquelle: aquapix / shutterstock.com

Zusammenfassung

Der Papageifisch ist einer der faszinierendsten Bewohner tropischer Korallenriffe. Mit seinem schnabelartigen Gebiss raspelt er Algen von Korallen ab und produziert dabei feinen Korallensand – ein Großteil der weißen Sandstrände tropischer Inseln besteht aus dem Verdauungsprodukt von Papageifischen.

Der Papageifisch ist einer der faszinierendsten Bewohner tropischer Korallenriffe. Mit seinem schnabelartigen Gebiss raspelt er Algen von Korallen ab und produziert dabei feinen Korallensand – ein Großteil der weißen Sandstrände tropischer Inseln besteht aus dem Verdauungsprodukt von Papageifischen.

Steckbrief: Papageifisch (Scarus ghobban)
Wissenschaftlicher NameScarus ghobban
OrdnungBarschverwandte (Perciformes)
FamiliePapageifische (Scaridae)
GattungScarus
Größe50–75 cm
Lebenserwartung10–20 Jahre
VerbreitungIndopazifik (Rotes Meer bis Ostpazifik)
LebensraumKorallenriffe, Lagunen, Seegraswiesen
SchutzstatusNicht gefährdet (LC) – IUCN
Aquariumab 5000 Liter (für öffentliche Aquarien)
Temperatur24–27 °C
Salinität1,023–1,026

Beschreibung & Aussehen

Der Papageifisch erreicht eine beeindruckende Größe von 50–75 cm und fällt sofort durch sein schnabelartiges Gebiss auf. Die Zähne sind zu einem festen, papageienartigen Schnabel verschmolzen, mit dem er Kalksubstrat von Korallen abschaben kann. Im Rachen sitzen zusätzliche Schlundzähne, die das Material zu feinem Sand zermalmen.

Die Färbung variiert stark je nach Geschlecht und Alter. Weibchen und Jungtiere (Initialphase) zeigen eine bräunliche bis gelbliche Grundfärbung mit helleren Horizontalstreifen. Männchen (Terminalphase) sind deutlich farbenprächtiger mit leuchtend grünen, blauen und gelben Tönen. Die Art ist wie viele Papageifische ein protogynischer Zwitter.

Verbreitung & Lebensraum

Der Papageifisch ist im gesamten Indopazifik verbreitet, vom Roten Meer über den Indischen Ozean bis zum östlichen Pazifik. Er bewohnt Korallenriffe, Lagunen und Seegraswiesen in Tiefen von 3–30 Metern und gehört zu den häufigsten Papageifischarten seines Verbreitungsgebiets.

Die Art kommt sowohl in intakten Korallenriffen als auch in degradierten Riffbereichen vor, wo sie eine wichtige ökologische Rolle bei der Algenbekämpfung und Sandproduktion spielt. Nachts schläft der Papageifisch in Felsspalten und produziert dabei einen Schleimkokon, der ihn vor nachtaktiven Raubtieren und Parasiten schützt.

Lebensweise & Verhalten

Der Papageifisch ist tagaktiv und verbringt den Großteil des Tages mit dem Abweiden von Algen auf Korallenoberflächen. Er beißt mit seinem kräftigen Schnabel Stücke aus dem Korallengestein heraus, verdaut die Algen und scheidet den Rest als feinen, weißen Sand aus. Ein einzelner Papageifisch kann pro Jahr mehrere hundert Kilogramm Sand produzieren.

Die Tiere leben in lockeren Gruppen und sind ständig in Bewegung. Terminale Männchen bewachen Harems und verteidigen Laichreviere. Bei Einbruch der Dunkelheit suchen Papageifische Schlafplätze in Spalten und Höhlen auf und produzieren in vielen Fällen einen schützenden Schleimkokon.

Die ökologische Bedeutung der Papageifische kann nicht überschätzt werden – sie sind essenziell für die Gesundheit tropischer Korallenriffe, da sie Algen kontrollieren und die Korallenregeneration fördern.

Ernährung

Papageifische sind Herbivoren, die sich hauptsächlich von Algen ernähren, die auf Korallenoberflächen und Gestein wachsen. Sie raspeln das Substrat mit ihrem kräftigen Schnabel ab und zermalmen es mit den Schlundzähnen. Die Algen werden verdaut, der Kalk wird als feiner Sand ausgeschieden.

Einige Papageifischarten fressen auch lebende Korallenpolypen, wobei der Schwerpunkt aber auf Algen liegt. Im Aquarium wäre eine adäquate Ernährung extrem schwierig nachzustellen, da die Tiere enorme Mengen an Algensubstrat benötigen und ständig fressen.

Fortpflanzung

Der Papageifisch ist ein protogynischer Zwitter. Alle Tiere werden als Weibchen geboren, und dominante Weibchen wandeln sich bei Bedarf in farbenprächtige Männchen um. Die Paarung findet in der Regel am späten Nachmittag statt, wenn terminale Männchen einzelne Weibchen zur Laichabgabe animieren.

Das Paar steigt gemeinsam auf und gibt Eier und Spermien ins Freiwasser ab. Die pelagischen Eier treiben im Plankton und schlüpfen nach etwa einem Tag. Die Larvenphase dauert mehrere Wochen. Eine Nachzucht im Aquarium ist nicht möglich.

Haltung im Aquarium

Der Papageifisch ist für die private Aquarienhaltung nicht geeignet. Mit einer Endgröße von 50–75 cm, seinem enormen Nahrungsbedarf und seinem Zerstörungspotenzial für Riffaufbauten ist er ausschließlich für große öffentliche Schauaquarien interessant. Private Becken können die Anforderungen dieser Art schlicht nicht erfüllen.

In großen öffentlichen Aquarien ab 5000 Litern kann die Art in Gesellschaft anderer großer Riffbewohner gehalten werden. Die Fütterung muss große Mengen pflanzlicher Kost umfassen, darunter Algensubstrate, Nori und spezielle Granulatfutter. Das ständige Abweiden des Riffaufbaus muss bei der Einrichtung berücksichtigt werden.

Gefährdung & Schutzstatus

Der Papageifisch wird von der IUCN als „Least Concern" (nicht gefährdet) eingestuft. Die Art ist im gesamten Indopazifik häufig und die Bestände sind stabil. In einigen Regionen werden Papageifische jedoch kommerziell gefischt, was lokal zu Bestandsrückgängen führen kann.

Papageifische spielen eine Schlüsselrolle für die Gesundheit von Korallenriffen. In Gebieten, in denen Papageifische überfischt werden, nehmen Algen überhand und Korallen können sich schlechter regenerieren. Der Schutz dieser Fische ist daher essenziell für den Erhalt der Korallenriffe weltweit.

Quellen

  1. FishBase: Scarus ghobbanfishbase.se
  2. IUCN Red List: Scarus ghobbaniucnredlist.org
  3. Bellwood, D. R. & Choat, J. H. (2011): Dangerous Demographics: The Lack of Juvenile Recruitment in Declining Parrotfish Populations. Proceedings of the Royal Society B.
  4. Debelius, H. & Kuiter, R. H. (2007): Atlas der Meeresfische. Kosmos Verlag.
  5. Mumby, P. J. (2009): Herbivory versus corallivory: are parrotfishes good or bad for Caribbean coral reefs? Coral Reefs, 28, 683–690.

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