Der Paradiesfisch war der erste tropische Zierfisch, der nach Europa importiert wurde – bereits 1869 gelangte er nach Frankreich. Mit seinen leuchtend roten und blauen Streifen, den langen Flossenfahnen und seinem robusten Wesen ist er ein faszinierender Labyrinthfisch für kühlere Aquarien.
| Wissenschaftlicher Name | Macropodus opercularis |
| Ordnung | Anabantiformes |
| Familie | Fadenfische (Osphronemidae) |
| Gattung | Macropodus |
| Größe | 6–10 cm |
| Gewicht | 5–15 g |
| Lebenserwartung | 6–8 Jahre |
| Verbreitung | Ostasien (China, Taiwan, Korea, Vietnam) |
| Lebensraum | Stehende und langsam fließende Gewässer, Reisfelder, Gräben |
| Schutzstatus | Nicht gefährdet (LC) – IUCN |
| Aquarium | ab 80 Liter |
| Temperatur | 16–26 °C |
| pH-Wert | 6,0–8,0 |
| Wasserhärte | 5–20 °dGH |
Beschreibung & Aussehen
Der Paradiesfisch erreicht eine Körperlänge von 6–10 cm und besitzt einen ovalen, seitlich abgeflachten Körper. Die Grundfärbung besteht aus abwechselnden vertikalen Streifen in Rot und Blau, die dem Fisch ein spektakuläres Aussehen verleihen. Die Intensität der Farben variiert je nach Stimmung und Zustand des Fisches – bei Erregung oder Rivalität leuchten die Farben besonders intensiv.
Männchen sind deutlich farbenfroher als Weibchen und besitzen lange, ausgezogene Flossenfahnen an Rücken-, After- und Schwanzflosse, die bei älteren Exemplaren beeindruckende Längen erreichen können. Weibchen sind blasser gefärbt und haben kürzere Flossen. Der Kiemendeckel trägt einen leuchtend blauen Fleck. Es existieren verschiedene Zuchtformen, darunter Albinos und Blauformen.
Verbreitung & Lebensraum
Der Paradiesfisch stammt aus Ostasien und kommt in China, Taiwan, Korea und Vietnam vor. Er bewohnt eine Vielzahl von Gewässertypen – von Reisfeldern, Gräben und Tümpeln bis hin zu langsam fließenden Bächen und Flussauen. In China ist er einer der häufigsten Süßwasserfische.
Bemerkenswert ist seine Kältetoleranz: Er überlebt Wassertemperaturen von unter 10 °C und kann sogar kurze Frostperioden überdauern. In manchen Regionen Europas, etwa in Südfrankreich, haben sich verwilderte Populationen etabliert. Sein Labyrinthorgran erlaubt ihm das Überleben in sauerstoffarmen und sogar austrocknenden Gewässern.
Lebensweise & Verhalten
Der Paradiesfisch ist ein selbstbewusster, territorialer Labyrinthfisch mit ausgeprägtem Charakter. Männchen können untereinander aggressiv sein und liefern sich rituelle Kämpfe, bei denen sie ihre Flossen spreizen, die Farben intensivieren und sich umkreisen. In zu kleinen Becken können diese Kämpfe zu Verletzungen führen.
Gegenüber anderen Fischarten kann der Paradiesfisch ebenfalls dominant auftreten. Er jagt gelegentlich kleinere Fische und kann langflossige Arten wie Guppys belästigen. Andererseits ist er ein effektiver Vertilger von Planarien und Hydra – Plagegeister, die andere Aquarianer zur Verzweiflung bringen. Der Paradiesfisch ist intelligent, neugierig und erkennt seinen Pfleger.
Ernährung
Der Paradiesfisch ist ein unkomplizierter Allesfresser mit einer Vorliebe für proteinreiche Kost. In der Natur frisst er Insekten, Insektenlarven, kleine Krebstiere, Würmer und gelegentlich pflanzliches Material. Im Aquarium nimmt er Flockenfutter, Granulat und Futtertabletten bereitwillig an.
Besonders gerne frisst er Lebend- und Frostfutter wie Mückenlarven, Artemia, Daphnien und Tubifex. Er ist auch ein effektiver Jäger von Planarienwürmern und Hydra und kann bei einem Befall helfen, diese lästigen Organismen zu dezimieren. Eine abwechslungsreiche Fütterung fördert die Farbintensität und das natürliche Verhalten.
Fortpflanzung
Der Paradiesfisch ist ein Schaumnestbauer. Das Männchen baut ein großes Schaumnest an der Wasseroberfläche, oft zwischen Schwimmpflanzen. Die Paarung erfolgt in der typischen Labyrinthfisch-Umschlingung unter dem Nest. Pro Laichvorgang werden 200–500 Eier abgegeben, die in das Schaumnest aufsteigen.
Das Männchen bewacht das Nest aggressiv und pflegt die Eier. Die Larven schlüpfen nach 1–2 Tagen und hängen zunächst am Schaumnest. Nach dem Freischwimmen (ca. 3–4 Tage) solltest du das Männchen entfernen. Die Jungfische können mit Infusorien und später mit Artemia-Nauplien aufgezogen werden. Die Zucht ist vergleichsweise einfach.
Haltung im Aquarium
Der Paradiesfisch benötigt ein Aquarium ab 80 Litern. Eine seiner besonderen Eigenschaften ist seine Kältetoleranz – er kann bei 16–26 °C gehalten werden und benötigt in vielen Wohnräumen keine Heizung. Der pH-Wert sollte bei 6,0–8,0 liegen, die Wasserhärte ist weniger kritisch (5–20 °dGH).
Biete dichte Bepflanzung mit Schwimmpflanzen und Sichtschutz. Halte nur ein Männchen pro Becken oder ein Männchen mit mehreren Weibchen. Beifische sollten robust, aktiv und nicht zu klein sein – Barben, mittlere Salmler und robuste Welse eignen sich. Vermeide langflossige oder sehr kleine Arten. Ein gut abgedecktes Becken ist wichtig, da Paradiesfische springen können.
Gefährdung & Schutzstatus
Der Paradiesfisch wird von der IUCN als „Least Concern" (nicht gefährdet) eingestuft. Er gehört zu den häufigsten und anpassungsfähigsten Süßwasserfischen Ostasiens. Verwilderte Populationen haben sich in verschiedenen Regionen außerhalb seines natürlichen Verbreitungsgebiets etabliert.
Als erster tropischer Zierfisch, der nach Europa importiert wurde (1869), hat der Paradiesfisch eine besondere historische Bedeutung für die Aquaristik. Er wird seit über 150 Jahren in Gefangenschaft gehalten und gezüchtet und ist im Handel als Nachzucht weit verbreitet.
Quellen
- FishBase: Macropodus opercularis – fishbase.se
- IUCN Red List: Macropodus opercularis – iucnredlist.org
- Seriously Fish: Macropodus opercularis – seriouslyfish.com
- Linke, H. (2013): Labyrinthfische – Arten, Haltung, Zucht. Tetra Verlag.
- Freyhof, J. & Herder, F. (2002): Review of the paradise fishes of the genus Macropodus. Ichthyological Exploration of Freshwaters, 13(2), 147–168.
