Die Paradiesschnecke ist eine der größten Tellerschnecken und beeindruckt mit ihrem flachen, spiralförmigen Gehäuse und den markanten dunklen Längsstreifen. Als Mitglied der Familie Ampullariidae besitzt sie sowohl Kiemen als auch eine Lunge – ein Hinweis darauf, dass sie mit den Apfelschnecken verwandt ist.
| Wissenschaftlicher Name | Marisa cornuarietis |
| Ordnung | Architaenioglossa |
| Familie | Apfelschnecken (Ampullariidae) |
| Gattung | Marisa |
| Größe | 4–5 cm (Gehäusedurchmesser) |
| Lebenserwartung | 2–4 Jahre |
| Verbreitung | Südamerika, Mittelamerika |
| Lebensraum | Stehende und langsam fließende Süßgewässer |
| Schutzstatus | Nicht gefährdet |
| Aquarium | ab 80 Liter |
| Temperatur | 22–28 °C |
| pH-Wert | 7,0–8,5 |
| Wasserhärte | 8–25 °dGH |
Beschreibung & Aussehen
Die Paradiesschnecke besitzt ein großes, flaches, scheibenförmig aufgerolltes Gehäuse mit einem Durchmesser von 4–5 cm. Im Gegensatz zur heimischen Posthornschnecke ist das Gehäuse deutlich größer und dickwandiger. Die Grundfarbe ist gelblich bis olivgrün, durchzogen von 3–5 markanten, dunklen bis schwarzen Längsstreifen, die das Tier unverwechselbar machen.
Der Weichkörper ist grau bis gelblich mit dunklen Flecken. Am Kopf sitzen zwei lange Fühler mit Augen an deren Basis. Ein kleiner, horniger Deckel ist vorhanden, kann das Gehäuse aber nicht vollständig verschließen. Die Art besitzt sowohl Kiemen als auch eine Lunge – ein typisches Merkmal der Ampullariidae. Weibchen sind tendenziell etwas größer als Männchen.
Verbreitung & Lebensraum
Die Paradiesschnecke stammt aus Süd- und Mittelamerika, wo sie in Venezuela, Kolumbien, Panama, Costa Rica und angrenzenden Ländern vorkommt. Sie bewohnt stehende und langsam fließende Gewässer wie Seen, Teiche, Sümpfe und Bewässerungskanäle. Die Art bevorzugt flache, pflanzenreiche Gewässer mit warmem Wasser.
Als invasive Art wurde sie auch in andere tropische Regionen eingeführt, unter anderem nach Florida (USA), wo sie sich in Kanälen und Feuchtgebieten etabliert hat. In einigen Gebieten wurde sie gezielt zur biologischen Bekämpfung von Wasserpflanzen und als Zwischenwirt-Konkurrent gegen Bilharziose-übertragende Schnecken eingesetzt.
Lebensweise & Verhalten
Die Paradiesschnecke ist sowohl tag- als auch nachtaktiv und bewegt sich gemächlich durch das Aquarium. Sie hält sich bevorzugt auf dem Bodengrund und auf Pflanzen auf. Als amphibische Schnecke kann sie sowohl über Kiemen als auch über die Lunge atmen und steigt gelegentlich zur Wasseroberfläche auf.
Beachte: Die Paradiesschnecke ist ein deutlich aktiverer Pflanzenfresser als die verwandte Apfelschnecke P. diffusa. Sie kann weichblättrige Pflanzen wie Wasserpest, Hornkraut und Wasserlinsen abfressen und eignet sich daher nur bedingt für dicht bepflanzte Aquarien. In Aquarien mit robusten Pflanzen (Anubias, Javafarn, Cryptocorynen) sind die Fraßschäden deutlich geringer.
Ernährung
Die Paradiesschnecke ist ein Allesfresser mit einer deutlichen Vorliebe für pflanzliche Kost. Sie frisst Algen, Wasserpflanzen (besonders weichblättrige Arten), abgestorbene Pflanzenteile und Futterreste. In der Natur spielt sie eine wichtige Rolle bei der Kontrolle von Wasserpflanzenbeständen.
Im Aquarium solltest du reichlich pflanzliche Nahrung anbieten, um Fraßschäden an der Bepflanzung zu minimieren: Überbrühtes Gemüse (Zucchini, Gurke, Salat, Spinat), Welstabletten, Spirulina-Flocken und Seemandelbaumblätter. Auch proteinreiches Futter wie Frostfutter und Fischfuttertabletten wird gerne angenommen. Kalziumquellen (Sepiaschale) sollten stets verfügbar sein.
Fortpflanzung
Die Paradiesschnecke ist getrenntgeschlechtlich – du benötigst also Männchen und Weibchen für die Zucht. Die Geschlechtsunterscheidung ist von außen schwierig; Männchen sind tendenziell etwas kleiner als Weibchen. Im Gegensatz zu den Apfelschnecken der Gattung Pomacea legt die Paradiesschnecke ihre Eier unter Wasser ab.
Die Gelege sind flache, gallertartige Scheiben mit 50–100 Eiern, die an Pflanzenblättern, Steinen oder Scheiben befestigt werden. Die Entwicklung dauert bei 25 °C etwa 10–14 Tage. Die Jungschnecken sind beim Schlupf 3–4 mm groß und wachsen bei guter Fütterung schnell heran. Die Geschlechtsreife wird nach 3–4 Monaten erreicht.
Haltung im Aquarium
Für die Haltung der Paradiesschnecke empfiehlt sich ein Aquarium ab 80 Liter, da die Tiere relativ groß werden und sich bei Wohlbefinden gut vermehren. Die Wassertemperatur sollte bei 22–28 °C liegen, der pH-Wert zwischen 7,0 und 8,5. Hartes Wasser (GH 8–25) wird bevorzugt.
Beachte den Pflanzenfraß: Die Paradiesschnecke ist nicht für dicht bepflanzte Aquascapes geeignet. In Becken mit robusten Pflanzen oder als Algen- und Pflanzenkontrolle in Zuchtbecken leistet sie dagegen gute Dienste. Vergesellschaftung mit friedlichen Fischen und Garnelen ist möglich. Meide Schmerlen und große Buntbarsche, die Schnecken nachstellen.
Gefährdung & Schutzstatus
Die Paradiesschnecke ist in ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet nicht gefährdet. In einigen Regionen, in die sie eingeführt wurde, gilt sie als invasive Art, da sie einheimische Wasserpflanzenbestände und Schneckenpopulationen beeinträchtigen kann.
In der Aquaristik ist sie weniger verbreitet als die klassischen Apfelschnecken, wird aber von Liebhabern geschätzt. Du solltest die Paradiesschnecke niemals in natürliche Gewässer entlassen, da sie in warmen Regionen das Potenzial hat, sich als invasive Art zu etablieren.
Quellen
- Rawlings, T.A. et al. (2007): Phylogeny of the apple snails (Gastropoda: Ampullariidae). Molecular Phylogenetics and Evolution.
- Gastropods.com – Marisa cornuarietis – gastropods.com
- Eberhard Hartmann (2013): Schnecken im Aquarium. Dähne Verlag.
- AquaInfo: Paradiesschnecke – aqua-info.de
