Der Färberfrosch ist einer der größten und variabelsten Pfeilgiftfrösche. Keine andere Dendrobatiden-Art zeigt eine derart enorme Vielfalt an Farbmorphen – von leuchtend blau über gelb bis kobaltblau mit schwarzen Flecken existieren dutzende verschiedene Varianten. Er ist der beliebteste Pfeilgiftfrosch in der Terrarienhaltung.
| Wissenschaftlicher Name | Dendrobates tinctorius |
| Ordnung | Froschlurche (Anura) |
| Familie | Dendrobatidae |
| Gattung | Dendrobates |
| Größe | 4–5 cm |
| Gewicht | 5–10 g |
| Lebenserwartung | 10–15+ Jahre |
| Verbreitung | Guyana, Suriname, Französisch-Guayana, Nordbrasilien |
| Lebensraum | Tropische Tieflandregenwälder, Hügel bis 500 m |
| Schutzstatus | Nicht gefährdet (LC) – IUCN |
Beschreibung & Aussehen
Der Färberfrosch erreicht eine Körperlänge von 4–5 cm und ist damit einer der größten Vertreter der Pfeilgiftfrösche. Sein herausragendes Merkmal ist die extreme Farbvariabilität: Es existieren über 30 beschriebene Farbmorphen mit Kombinationen aus Schwarz, Blau, Gelb, Weiß und Orange. Bekannte Morphen sind unter anderem „Azureus" (ganz blau), „Citronella" (gelb-schwarz) und „Cobalt" (blau mit schwarzen Flecken).
Der Körperbau ist kräftig und gedrungen. Die Haut ist glatt und leicht glänzend. Die Haftscheiben an den Zehen sind gut entwickelt. Die Augen sind groß und dunkel. Weibchen sind etwas größer und fülliger als Männchen, die sich durch schlankere Zehen und ein schlankeres Profil auszeichnen.
Verbreitung & Lebensraum
Der Färberfrosch kommt im nordöstlichen Südamerika vor – in Guyana, Suriname, Französisch-Guayana und im nördlichen Brasilien (Amapá). Jede geographisch isolierte Population zeigt oft eine eigene, charakteristische Farbmorph.
Er bewohnt die Bodenschicht tropischer Tieflandregenwälder und kommt von Meereshöhe bis etwa 500 Meter vor. Bevorzugte Habitate sind mit Laub bedeckte Waldböden in der Nähe kleiner Bäche und feuchter Senken. Er nutzt Baumhöhlen, Felsspalten und die Hohlräume umgestürzter Bäume als Verstecke und Brutplätze.
Lebensweise & Verhalten
Der Färberfrosch ist tagaktiv und bewegt sich gemächlich über den Waldboden und durch die untere Vegetationsschicht. Er ist weniger scheu als viele andere Pfeilgiftfrösche und verlässt sich auf seine Warnfärbung als Schutz. Die Männchen sind territorial und verteidigen Reviere von 1–2 Quadratmetern mit langen, trillernden Rufen.
Interessanterweise wurden bei dieser Art aggressive Interaktionen zwischen Weibchen beobachtet, die um Männchen und Brutstätten konkurrieren. Die Hautgifte (Batrachotoxine und Pumiliotoxine) werden über die Nahrung aufgenommen und in Gefangenschaft nicht produziert. Indigene Völker nutzten das Hautsekret traditionell, um Papageienküken gelbe Federn wachsen zu lassen – daher der Name „Färberfrosch".
Ernährung
In der Natur ernährt sich der Färberfrosch hauptsächlich von Ameisen, Milben und Springschwänzen. Besonders Ameisen der Unterfamilie Myrmicinae spielen eine wichtige Rolle, da sie die Vorstufen der Hautgifte liefern. Auch Käfer und kleine Fliegen werden gefressen.
Im Terrarium fütterst du ihn mit Drosophila (Fruchtfliegen), Springschwänzen, Bohnenkäfern und kleinen Grillen. Die Futtertiere sollten regelmäßig mit Kalzium- und Vitaminpulver bestäubt werden. Aufgrund seiner Größe kann er auch etwas größere Futtertiere als kleinere Dendrobatiden-Arten bewältigen.
Fortpflanzung
Die Fortpflanzung des Färberfrosches zeigt typische Dendrobatiden-Brutpflege. Das Männchen lockt das Weibchen mit seinem Ruf zu einem geeigneten Laichplatz – meist einer dunklen, feuchten Höhle oder Vertiefung. Dort werden 5–10 Eier auf einer glatten Oberfläche abgelegt.
Das Männchen bewacht die Eier und hält sie feucht. Nach etwa 14 Tagen schlüpfen die Kaulquappen und werden vom Männchen einzeln auf seinem Rücken zu Wasseransammlungen in Baumhöhlen, Bromelien oder Blattachseln transportiert. Die Larvenentwicklung dauert 60–90 Tage. Im Terrarium gelingt die Nachzucht regelmäßig, wobei Filmdosen oder Kokosnussschalen als künstliche Brutkammern dienen.
Haltung im Terrarium
Der Färberfrosch ist der beliebteste Pfeilgiftfrosch in der Terrarienhaltung und auch für Einsteiger in die Dendrobatiden-Haltung geeignet. Ein Regenwaldterrarium ab 50 × 40 × 40 cm ist für ein Paar angemessen. Die Einrichtung sollte feuchtes Substrat, Moos, Laub, Verstecke (Kokosnussschalen, Filmröhrchen), Bromelien und kleine Pflanzen umfassen.
Die Temperatur sollte tagsüber 22–26 °C betragen, nachts leicht absinken. Die Luftfeuchtigkeit sollte bei 80–100 % liegen. Tägliches Sprühen oder eine automatische Beregnungsanlage ist empfehlenswert. Die Art ist im Fachhandel in zahlreichen Farbmorphen als Nachzucht erhältlich. Die Haltung einzelner Morphen ohne Vermischung ist aus Gründen des Artenschutzes wichtig.
Gefährdung & Schutzstatus
Der Färberfrosch wird von der IUCN als „Least Concern" (nicht gefährdet) eingestuft. Die Art ist in ihrem Verbreitungsgebiet noch relativ häufig und kommt in mehreren Schutzgebieten vor. Die Populationen gelten insgesamt als stabil.
Lokale Bedrohungen sind Goldabbau und Abholzung in Teilen von Guyana und Suriname. Der illegale Fang für den Tierhandel stellt ein zusätzliches Problem dar, wobei besonders seltene Farbmorphen betroffen sind. Die Art ist in CITES Anhang II gelistet, und der Handel ist reguliert. Verantwortungsvolle Zuchtprogramme in der Terraristik tragen zur Reduzierung des Wildtierfangs bei.
Quellen
- AmphibiaWeb: Dendrobates tinctorius – amphibiaweb.org
- IUCN Red List: Dendrobates tinctorius – iucnredlist.org
- Lötters, S. et al. (2007): Poison Frogs – Biology, Species & Captive Husbandry. Edition Chimaira.
- Rojas, B. (2017): Neurobiology of aposematic coloration in poison frogs. Current Opinion in Behavioral Sciences, 17, 18–23.
- Born, M. et al. (2010): Dendrobates tinctorius – Farbvarianten und Haltung. Reptilia, 83, 20–29.
