Molche

Pigmeenkammmolch (Triturus pygmaeus)

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Pigmeenkammmolch (Triturus pygmaeus)

Bildquelle: FJAH / shutterstock.com

Zusammenfassung

Der Pigmeenkammmolch ist der kleinste Vertreter der europäischen Kammmolche und ein Endemit der Iberischen Halbinsel. Trotz seiner geringen Größe entwickelt das Männchen zur Paarungszeit einen beeindruckenden gezackten Rückenkamm. Die Art nutzt häufig temporäre Gewässer und ist an die sommertrockenen Bedingungen Südwesteuropas angepasst.

Der Pigmeenkammmolch ist der kleinste Vertreter der europäischen Kammmolche und ein Endemit der Iberischen Halbinsel. Trotz seiner geringen Größe entwickelt das Männchen zur Paarungszeit einen beeindruckenden gezackten Rückenkamm. Die Art nutzt häufig temporäre Gewässer und ist an die sommertrockenen Bedingungen Südwesteuropas angepasst.

Steckbrief: Pigmeenkammmolch (Triturus pygmaeus)
Wissenschaftlicher NameTriturus pygmaeus
OrdnungSchwanzlurche (Urodela)
FamilieEchte Salamander (Salamandridae)
GattungTriturus
Größe8–12 cm
Gewicht4–8 g
Lebenserwartung10–12 Jahre
VerbreitungIberische Halbinsel (Spanien, Portugal)
LebensraumTeiche, Tümpel, temporäre Gewässer
SchutzstatusPotenziell gefährdet (NT) – IUCN

Beschreibung & Aussehen

Der Pigmeenkammmolch erreicht eine Gesamtlänge von nur 8–12 cm und ist damit deutlich kleiner als der nördliche Kammmolch (T. cristatus). Die Oberseite ist dunkelbraun bis olivbraun mit dunkleren Flecken. Die Unterseite ist leuchtend orange bis gelb mit einem individuellen Muster dunkler Flecken, das wie ein Fingerabdruck einzigartig ist.

Trotz seiner geringen Größe entwickelt das Männchen während der Wasserphase einen hohen, gezackten Rückenkamm, der im Verhältnis zum Körper sogar beeindruckender wirkt als bei größeren Kammmolcharten. Der Kamm ist an der Schwanzbasis deutlich eingekerbt. An den Seiten des Schwanzes zeigt sich ein silbrig-weißes Band. Weibchen sind etwas größer als Männchen und besitzen keinen Kamm, tragen aber manchmal eine feine gelbe Rückenlinie.

Verbreitung & Lebensraum

Der Pigmeenkammmolch ist ein Endemit der Iberischen Halbinsel. Sein Verbreitungsgebiet umfasst den Großteil Spaniens (außer dem Norden und Nordosten) sowie das südliche und zentrale Portugal. Im Kontaktgebiet mit dem Marmormolch (T. marmoratus) in Zentralspanien kann es zur Hybridisierung kommen.

Die Art ist an das mediterrane Klima mit heißen, trockenen Sommern und milden, feuchten Wintern angepasst. Sie nutzt bevorzugt temporäre Gewässer als Laichplätze – Regenpfützen, saisonale Tümpel, Bewässerungsgräben und flache Teiche. Diese Anpassung an temporäre Gewässer unterscheidet sie von den meisten anderen Kammmolcharten. An Land verbirgt sie sich unter Steinen, in Mauerspalten und Erdlöchern.

Lebensweise & Verhalten

Der Pigmeenkammmolch zeigt eine an das mediterrane Klima angepasste Lebensweise. Die aquatische Phase findet im Herbst, Winter und Frühjahr statt (Oktober–Mai), wenn die Gewässer durch Regenfälle Wasser führen. In den heißen Sommermonaten estiviert die Art in kühlen, feuchten Verstecken unter der Erde.

Die Tiere sind während der Wasserphase sowohl tag- als auch nachtaktiv. Die Männchen zeigen ihr Balzverhalten mit Kammpräsentation und ritualisierten Schwanzbewegungen. Der Pigmeenkammmolch ist bemerkenswert widerstandsfähig gegenüber Trockenperioden und kann mehrere Monate ohne Nahrungsaufnahme in seinem Sommerversteck überleben. Diese Anpassungsfähigkeit hat sein Überleben in den semiariden Landschaften der Iberischen Halbinsel ermöglicht.

Ernährung

Der Pigmeenkammmolch ernährt sich wie alle Kammmolche von kleinen Wirbellosen. Im Wasser frisst er Mückenlarven, Wasserflöhe, kleine Schnecken, Würmer und Insektenlarven. An Land stehen Regenwürmer, Nacktschnecken, Spinnen und Insekten auf dem Speiseplan.

Aufgrund seiner geringen Größe erbeutet der Pigmeenkammmolch entsprechend kleinere Beutetiere als seine größeren Verwandten. In Gefangenschaft nimmst du ihn gut mit kleinen Mückenlarven, Tubifex, Enchyträen und fein gehackten Regenwürmern an. Die Fütterung erfolgt 2–3 Mal pro Woche während der Aktivitätsphase.

Fortpflanzung

Die Paarungszeit erstreckt sich von November bis April, passend zur Regenzeit des mediterranen Klimas. Das Männchen führt das für Kammmolche typische Balzritual mit Kammpräsentation, seitlicher Schwanzbewegung und Pheromonverbreitung durch. Nach erfolgreicher Balz setzt das Männchen eine Spermatophore auf dem Gewässerboden ab.

Das Weibchen legt 100–250 Eier einzeln an Wasserpflanzen und faltet die Blätter um die Eier. Die Larven schlüpfen nach 2–3 Wochen und müssen ihre Entwicklung abschließen, bevor das temporäre Gewässer im Frühsommer austrocknet. Dieser Zeitdruck führt zu einer relativ schnellen Larvenentwicklung von 2–3 Monaten. Die Geschlechtsreife wird mit 2–3 Jahren erreicht.

Haltung im Aquarium

Der Pigmeenkammmolch kann in einem Aquaterrarium gehalten werden. Aufgrund seiner geringen Größe reicht ein Becken ab 60 × 30 cm Grundfläche mit einem Wasserstand von 15–20 cm und einem Landteil für ein Paar. Die Wassertemperatur sollte 14–20 °C betragen und kann im Winter auf 10–12 °C abgesenkt werden.

Die Einrichtung sollte Wasserpflanzen, Steine und Wurzeln als Verstecke enthalten. Der Landteil besteht aus feuchtem Moos und Korkrinde. Gefüttert wird mit kleinen Mückenlarven, Enchyträen und Tubifex. Eine Sommerruhe bei trockener, kühler Haltung (ohne Wasserteil) für 2–3 Monate und eine kühle Überwinterung simulieren den natürlichen Jahresrhythmus. Die Art steht unter europäischem Naturschutz und darf nur als Nachzucht gehalten werden.

Gefährdung & Schutzstatus

Der Pigmeenkammmolch wird von der IUCN als „Near Threatened" (potenziell gefährdet) eingestuft. Die Hauptbedrohungen sind der Verlust temporärer Gewässer durch Entwässerung und landwirtschaftliche Intensivierung, die zunehmende Trockenheit durch den Klimawandel und die Einführung von Raubfischen in Laichgewässer. Auch der Salamanderfresserpilz Bsal stellt eine potenzielle Bedrohung dar.

Die Art ist durch die europäische FFH-Richtlinie (Anhang II und IV) geschützt und in Spanien und Portugal unter nationalem Naturschutz gestellt. Der Erhalt temporärer Feuchtgebiete im mediterranen Raum ist für das Überleben dieser Art entscheidend. Maßnahmen zur Anpassung an den Klimawandel, wie die Schaffung neuer Laichgewässer, gewinnen zunehmend an Bedeutung.

Quellen

  1. AmphibiaWeb: Triturus pygmaeusamphibiaweb.org
  2. IUCN Red List: Triturus pygmaeusiucnredlist.org
  3. Wielstra, B. & Arntzen, J. W. (2011): Unraveling the rapid radiation of crested newts. Molecular Phylogenetics and Evolution, 60, 208–215.
  4. Nöllert, A. & Nöllert, C. (1992): Die Amphibien Europas. Franckh-Kosmos Verlag.

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