Der Rote Piranha ist der bekannteste Vertreter der berüchtigten Piranhas und hat einen Ruf, der weit über seine tatsächliche Gefährlichkeit hinausgeht. Mit seinem kräftigen Unterkiefer und den rasiermesserscharfen Zähnen ist er ein faszinierender Schwarmrauber, der in großen Aquarien ein beeindruckendes Schauspiel bietet.
| Wissenschaftlicher Name | Pygocentrus nattereri |
| Ordnung | Salmlerartige (Characiformes) |
| Familie | Sägesalmler (Serrasalmidae) |
| Gattung | Pygocentrus |
| Größe | 20–33 cm |
| Gewicht | 200–500 g |
| Lebenserwartung | 10–15 Jahre |
| Verbreitung | Südamerika (Amazonas, Orinoco, Paraná, Paraguay) |
| Lebensraum | Flüsse, Lagunen und Überschwemmungsgebiete |
| Schutzstatus | Nicht gefährdet (LC) – IUCN |
| Aquarium | ab 400 Liter |
| Temperatur | 24–28 °C |
| pH-Wert | 5,5–7,5 |
| Wasserhärte | 2–15 °dGH |
Beschreibung & Aussehen
Der Rote Piranha erreicht eine Körperlänge von 20–33 cm und ein Gewicht von 200–500 g. Er besitzt einen hochrückigen, seitlich stark abgeflachten Körper mit einem bulligen Kopf und einem markanten, vorstehenden Unterkiefer. Die obere Körperhälfte ist silbergrau bis dunkelgrau, während der Bauch und die untere Körperhälfte leuchtend rot bis orangerot gefärbt sind – daher der Name Roter Piranha.
Das auffälligste Merkmal sind die dreieckigen, rasiermesserscharfen Zähne, die wie eine Säge ineinander greifen. Diese Zähne werden regelmäßig erneuert und sind extrem effizient beim Herausreißen von Fleischstücken. Die Augen sind groß und rötlich. Jungtiere zeigen eine silbrigere Färbung mit dunklen Flecken, die sich mit zunehmendem Alter in die typische rote Bauchfärbung verwandelt.
Verbreitung & Lebensraum
Der Rote Piranha hat ein riesiges Verbreitungsgebiet in Südamerika und kommt in den Flusssystemen des Amazonas, Orinoco, Paraná und Paraguay vor – von Venezuela und Kolumbien im Norden bis nach Argentinien im Süden. Er bewohnt eine Vielzahl von Gewässertypen, von großen Flüssen über Lagunen bis zu saisonalen Überschwemmungsgebieten.
In seinem natürlichen Lebensraum lebt er in Schwärmen, die sich bevorzugt in ruhigeren Gewässerabschnitten aufhalten. Während der Trockenzeit, wenn der Wasserstand sinkt und Fische auf engem Raum konzentriert werden, können die Schwärme besonders groß sein. Entgegen dem populären Mythos greifen Piranhas gesunde, große Tiere normalerweise nicht an.
Lebensweise & Verhalten
Rote Piranhas sind Schwarmfische, die in Gruppen von mindestens sechs bis acht Tieren gehalten werden sollten. In zu kleinen Gruppen steigt das Risiko von Aggressionen innerhalb der Gruppe erheblich. Im Schwarm fühlen sich die Tiere sicher und zeigen ein natürliches, weniger nervöses Verhalten.
Entgegen ihrem furchteinflößenden Ruf sind Piranhas oft überraschend scheue Fische, die bei plötzlichen Bewegungen oder Erschütterungen panisch reagieren können. In der Natur sind sie eher Aasfresser und opportunistische Räuber als aktive Großwildjäger. Die berüchtigten Fressattacken auf größere Tiere sind Ausnahmesituationen und treten hauptsächlich bei extremem Nahrungsmangel oder wenn verletzte Tiere Blut ins Wasser abgeben auf.
Ernährung
Der Rote Piranha ist ein Allesfresser mit einer starken Vorliebe für proteinreiche Kost. In der Natur frisst er Fische, Fischteile, Wirbellose, Aas, Früchte und Samen. Er ist ein wichtiger Gesundheitspolizist in seinem Ökosystem, da er vor allem kranke, verletzte und tote Tiere frisst.
Im Aquarium fütterst du am besten mit ganzen Fischen (Stint, Köderfisch), Garnelen, Muschelfleisch, Regenwürmern und hochwertigem Fischfleisch. Lebendige Fische als Futter sind tierschutzrechtlich bedenklich und nicht notwendig. Ergänze mit gelegentlich pflanzlicher Kost. Vermeide Säugetierfleisch – es ist ernährungsphysiologisch ungeeignet und belastet das Wasser.
Fortpflanzung
Rote Piranhas können sich im Aquarium fortpflanzen, benötigen dafür aber viel Platz und gute Bedingungen. Die Laichzeit wird durch simulierte Regenzeiten (Temperaturabsenkung, große Wasserwechsel) ausgelöst. Das Paar gräbt eine Mulde im Sand und das Weibchen legt bis zu 5.000 Eier ab.
Beide Eltern bewachen das Gelege aggressiv. Die Larven schlüpfen nach 2–3 Tagen und werden von den Eltern weiter beschützt. Die Jungfische wachsen schnell und können mit Artemia-Nauplien und feinem Frostfutter aufgezogen werden. Vorsicht: Während der Brutpflege sind die Eltern extrem aggressiv und können für den Pfleger gefährlich werden.
Haltung im Aquarium
Piranhas benötigen ein geräumiges Aquarium ab 400 Litern für eine kleine Gruppe von sechs bis acht Tieren. Der Bodengrund sollte aus Sand bestehen, ergänzt durch Wurzeln und robuste Einrichtungsgegenstände. Pflanzen werden häufig zerstört oder gefressen. Eine kräftige Filterung ist essenziell, da Piranhas durch ihre proteinreiche Ernährung das Wasser stark belasten.
Die Wassertemperatur sollte bei 24–28 °C liegen, der pH-Wert bei 5,5–7,5. Beachte, dass Piranhas in vielen Bundesländern Deutschlands meldepflichtig sind und in einigen Ländern die Haltung eingeschränkt oder verboten ist. Eine Vergesellschaftung mit anderen Fischarten ist nicht empfehlenswert – früher oder später werden Beifische gefressen. Sicherheitsvorkehrungen beim Hantieren im Becken sind Pflicht!
Gefährdung & Schutzstatus
Der Rote Piranha wird von der IUCN als „Least Concern" (nicht gefährdet) eingestuft. Er ist in seinem riesigen südamerikanischen Verbreitungsgebiet häufig und anpassungsfähig. Als wichtiger Teil des Süßwasserökosystems spielt er eine ökologische Rolle als Gesundheitspolizist und Aasfresser.
In manchen Regionen werden Piranhas als Speisefische gefangen und auf Märkten verkauft. Die größte Bedrohung für die Art ist die Zerstörung der Flussökosysteme durch Staudämme, Verschmutzung und Überfischung. Verwilderte Piranhas in Gewässern außerhalb ihres natürlichen Verbreitungsgebiets (z. B. in den USA) stellen ein potenzielles ökologisches Risiko dar.
Quellen
- FishBase: Pygocentrus nattereri – fishbase.se
- IUCN Red List: Pygocentrus nattereri – iucnredlist.org
- Seriously Fish: Pygocentrus nattereri – seriouslyfish.com
- Géry, J. (1977): Characoids of the World. TFH Publications.
- Fink, W.L. (1993): Revision of the piranha genus Pygocentrus. Copeia, 1993(3), 665–687.
