Der Pyrenäen-Gebirgsmolch ist ein einzigartiger Schwanzlurch, der ausschließlich in den Pyrenäen vorkommt. Er zeichnet sich durch seine raue, körnige Haut und seine hervorragende Anpassung an das Leben in kalten, schnellfließenden Bergbächen aus. Die Art kann in Höhenlagen bis über 2.500 Meter angetroffen werden und gilt als einer der kälteresistentesten Molche Europas.
| Wissenschaftlicher Name | Calotriton asper |
| Ordnung | Schwanzlurche (Urodela) |
| Familie | Echte Salamander (Salamandridae) |
| Gattung | Calotriton |
| Größe | 10–16 cm |
| Gewicht | 5–12 g |
| Lebenserwartung | 10–20 Jahre |
| Verbreitung | Pyrenäen (Frankreich, Spanien, Andorra) |
| Lebensraum | Bergbäche, Quellgewässer, Bergseen |
| Schutzstatus | Potenziell gefährdet (NT) – IUCN |
Beschreibung & Aussehen
Der Pyrenäen-Gebirgsmolch erreicht eine Gesamtlänge von 10–16 cm und besitzt einen kräftigen, leicht abgeflachten Körperbau. Sein auffälligstes Merkmal ist die raue, körnige Haut, die wie Sandpapier wirkt und der Art ihren wissenschaftlichen Namen „asper" (rau) eingebracht hat. Diese Hautstruktur bietet Halt auf glatten, nassen Steinen in schnellfließenden Bächen.
Die Grundfarbe variiert von graubraun über olivbraun bis dunkelbraun, oft mit undeutlichen dunkleren Flecken. Die Unterseite ist orange bis gelblich, manchmal mit dunklen Flecken. Der Schwanz ist seitlich abgeflacht und dient im Wasser als Ruder. Die Augen sind relativ klein. Männchen sind zur Paarungszeit an einer deutlich geschwollenen Kloakenregion erkennbar. Im Vergleich zu den meisten anderen europäischen Molchen fehlt der typische Rückenkamm der Männchen.
Verbreitung & Lebensraum
Der Pyrenäen-Gebirgsmolch kommt ausschließlich in den Pyrenäen vor – dem Gebirgszug zwischen Frankreich und Spanien, einschließlich des Fürstentums Andorra. Die Art lebt in Höhenlagen von etwa 700 bis über 2.500 Metern, wobei die höchsten Vorkommen zu den höchstgelegenen Molchpopulationen Europas gehören.
Die Art ist an kalte, sauerstoffreiche Bergbäche, Quellgewässer und Bergseen angepasst. Sie bevorzugt klare Gewässer mit steinigem Untergrund und guter Wasserqualität. Im Gegensatz zu den meisten anderen Molchen ist der Pyrenäen-Gebirgsmolch an fließendes Wasser angepasst und meidet stehende, warme Gewässer. Außerhalb des Wassers verbirgt er sich unter Steinen und in Felsspalten in unmittelbarer Gewässernähe.
Lebensweise & Verhalten
Der Pyrenäen-Gebirgsmolch ist ein stark aquatisch lebender Molch, der einen Großteil seines Lebens im Wasser verbringt. In höheren Lagen kann die Art ganzjährig aquatisch sein. Er ist überwiegend nachtaktiv und versteckt sich tagsüber unter Steinen im Bach oder in Ufernähe.
In höheren Lagen der Pyrenäen verbringt der Molch den Winter unter dem Eis der Bergseen oder in tiefen Felsritzen, wo er eine mehrmonatige Winterruhe hält. Die raue Haut und die abgeflachte Körperform ermöglichen es ihm, sich in der Strömung an Steinen festzuhalten. Die Art ist langsam in ihren Bewegungen und ein geduldiger Lauerjäger, der zwischen Steinen auf vorbeikommende Beute wartet.
Ernährung
Der Pyrenäen-Gebirgsmolch ernährt sich hauptsächlich von aquatischen Wirbellosen. Zum Nahrungsspektrum gehören Mückenlarven, Eintagsfliegenlarven, Steinfliegen, Bachflohkrebse, kleine Schnecken und Würmer. Er ist ein Lauerjäger, der zwischen Steinen auf Beute wartet und sie mit einer schnellen Schnappbewegung ergreift.
In Gefangenschaft nimmst du die Art mit lebenden oder aufgetauten Mückenlarven, Tubifex, Bachflohkrebsen und kleinen Regenwürmern an. Die Fütterung erfolgt 2–3 Mal pro Woche. Da die Art an kühles, sauerstoffreiches Wasser gewöhnt ist, solltest du auf eine gute Wasserqualität achten und das Futter nicht übermäßig anbieten, um die Wasserbelastung gering zu halten.
Fortpflanzung
Die Fortpflanzung findet im Frühjahr und Sommer statt (Mai–August, je nach Höhenlage). Die Befruchtung erfolgt beim Pyrenäen-Gebirgsmolch auf ungewöhnliche Weise: Das Männchen klammert sich mit seinen kräftigen Hinterbeinen an das Weibchen und überträgt die Spermatophore direkt in die Kloake – eine einzigartige Form der Kopulation unter Molchen.
Das Weibchen legt 20–60 relativ große Eier unter Steine in fließendem Wasser ab. Die Larvenentwicklung dauert in den kalten Bergbächen besonders lange – oft über ein Jahr, in Hochgebirgsseen sogar bis zu zwei Jahre. Die Larven besitzen große Kiemenbüschel und leben vollständig aquatisch. Die Geschlechtsreife wird erst mit 3–5 Jahren erreicht, was die langsame Reproduktionsrate der Art widerspiegelt.
Haltung im Aquarium
Der Pyrenäen-Gebirgsmolch ist ein anspruchsvoller Pflegling, der kühle Temperaturen und sauerstoffreiches Wasser benötigt. Ein Aquarium ab 80 × 40 cm mit einem Wasserstand von 10–15 cm, leichter Strömung und vielen Steinen als Verstecke eignet sich für ein Paar. Die Wassertemperatur darf 18 °C nicht überschreiten, optimal sind 10–15 °C – im Sommer ist eine Kühlung unerlässlich.
Die Einrichtung sollte den natürlichen Bachlebensraum nachahmen: Steine, Kies und Schieferplatten. Pflanzen sind nicht unbedingt erforderlich, Moose können ergänzt werden. Ein leistungsfähiger Filter und regelmäßige Wasserwechsel sorgen für die benötigte Wasserqualität. Die Art steht unter europäischem Naturschutz und darf nur als Nachzucht gehalten werden. Im Handel ist sie äußerst selten erhältlich.
Gefährdung & Schutzstatus
Der Pyrenäen-Gebirgsmolch wird von der IUCN als „Near Threatened" (potenziell gefährdet) eingestuft. Die Hauptbedrohungen sind der Klimawandel, der die Bergbäche erwärmt und das Wasserangebot verringert, sowie die Einführung von Salmoniden (Forellen) in Berggewässer, die Molchlarven und Eier fressen. Auch Wasserentnahme und die Verschmutzung von Bergbächen sind Gefährdungsfaktoren.
Die Art ist durch die europäische FFH-Richtlinie (Anhang IV) und nationale Gesetze in Frankreich und Spanien geschützt. In mehreren Nationalparks der Pyrenäen genießt sie zusätzlichen Schutz. Der Klimawandel ist die langfristig größte Bedrohung, da steigende Temperaturen die kühlen Bergbachhabitate schrumpfen lassen.
Quellen
- AmphibiaWeb: Calotriton asper – amphibiaweb.org
- IUCN Red List: Calotriton asper – iucnredlist.org
- Montori, A. & Herrero, P. (2004): Caudata. In: García-París, M. et al. (eds.): Amphibia, Lissamphibia. Fauna Ibérica, vol. 24.
- Nöllert, A. & Nöllert, C. (1992): Die Amphibien Europas. Franckh-Kosmos Verlag.
