Die Blasenschnecke ist eine der häufigsten Süßwasserschnecken weltweit und gelangt oft als blinder Passagier mit Pflanzen ins Aquarium. Mit ihrem dünnen, linksgewundenen Gehäuse und ihrer enormen Anpassungsfähigkeit besiedelt sie nahezu jedes Süßgewässer.
| Wissenschaftlicher Name | Physella acuta |
| Ordnung | Basommatophora |
| Familie | Blasenschnecken (Physidae) |
| Gattung | Physella |
| Größe | 0,5–1,5 cm |
| Lebenserwartung | ca. 1 Jahr |
| Verbreitung | Weltweit (kosmopolitisch) |
| Lebensraum | Süßgewässer aller Art |
| Schutzstatus | Nicht gefährdet (LC) |
| Aquarium | ab 10 Liter |
| Temperatur | 10–28 °C |
| pH-Wert | 6,5–8,5 |
| Wasserhärte | 5–25 °dGH |
Beschreibung & Aussehen
Die Blasenschnecke ist eine kleine, zierliche Schnecke mit einer Gehäuselänge von nur 0,5–1,5 cm. Ihr Gehäuse ist dünnwandig, durchscheinend und – im Gegensatz zu den meisten anderen Schneckenarten – linksgewunden (sinistral). Die Gehäusefarbe reicht von gelblich-transparent über hornfarben bis zu bräunlich, wobei der Weichkörper dunkelgrau bis schwarz durchschimmern kann.
Der Weichkörper ist dunkelgrau bis schwarz gefärbt und mit feinen goldenen Punkten übersät. Die Fühler sind lang, dünn und fadenförmig – deutlich schlanker als bei Schlammschnecken. Ein Deckel (Operculum) fehlt. Die Blasenschnecke kann den Gehäuserand mit ihrem Mantel umschlagen, was das Gehäuse glänzend und sauber hält. Als Lungenschnecke atmet sie atmosphärische Luft und steigt regelmäßig zur Wasseroberfläche auf.
Verbreitung & Lebensraum
Die Blasenschnecke gilt als eine der am weitesten verbreiteten Süßwasserschnecken der Welt. Ursprünglich aus Nordamerika stammend, hat sie sich durch den internationalen Pflanzenhandel und die Aquaristik auf nahezu allen Kontinenten ausgebreitet. In Europa ist sie seit dem 19. Jahrhundert nachgewiesen und kommt heute in praktisch jedem stehenden oder langsam fließenden Gewässer vor.
Die Art ist extrem anpassungsfähig und besiedelt Seen, Teiche, Gräben, Flüsse, Kanäle und sogar verschmutzte Gewässer. Sie toleriert ein breites Spektrum an Wassertemperaturen und -chemie und kann sogar kurzzeitig in leicht brackigem Wasser überleben. Im Aquarium gehört sie zu den häufigsten ungebetenen Gästen, die mit neuen Pflanzen eingeschleppt werden.
Lebensweise & Verhalten
Blasenschnecken sind sowohl tag- als auch nachtaktiv und bewegen sich erstaunlich flink über Scheiben, Pflanzen und Dekorationsgegenstände. Sie nutzen ihren breiten Fuß zum Gleiten und können sich auch an der Wasseroberfläche hängend fortbewegen, indem sie die Oberflächenspannung nutzen.
Als Lungenschnecke steigt die Blasenschnecke regelmäßig zur Oberfläche, um ihre Lungenhöhle mit frischer Luft zu füllen. Sie kann aber auch gelösten Sauerstoff über die Haut aufnehmen. Bei Gefahr zieht sie sich blitzschnell in ihr Gehäuse zurück. Die Art ist friedlich und vollkommen harmlos für andere Aquarienbewohner – lebende Pflanzen werden nur selten und bei extremem Nahrungsmangel angefressen.
Ernährung
Die Blasenschnecke ist ein typischer Aufwuchsfresser und Resteverwerter. Sie raspt mit ihrer Radula (Raspelzunge) Algenbeläge von Scheiben, Steinen und Blättern ab. Daneben frisst sie abgestorbene Pflanzenteile, Futterreste, Biofilme und sogar Aas. In einem gut eingefahrenen Aquarium findet sie meist ausreichend Nahrung ohne Zufütterung.
Wenn du zufüttern möchtest, eignen sich überbrühte Gemüsescheiben (Zucchini, Gurke), Welstabletten, Spirulina-Flocken und Seemandelbaumblätter. Beachte: Ein Überangebot an Futter führt zu explosionsartiger Vermehrung. Reduziere die Futtermenge, wenn du die Population kontrollieren möchtest.
Fortpflanzung
Blasenschnecken sind Zwitter (Hermaphroditen) – jedes Tier besitzt sowohl männliche als auch weibliche Geschlechtsorgane. Eine Selbstbefruchtung ist möglich, bevorzugt wird jedoch die Paarung mit einem Partner. Die Fortpflanzungsrate ist enorm: Unter guten Bedingungen kann ein einzelnes Tier innerhalb weniger Wochen Dutzende von Eigelegen produzieren.
Die Eigelege sind kleine, transparente Gallertpakete mit 10–40 Eiern, die an Scheiben, Pflanzenblättern und Dekorationsgegenständen abgelegt werden. Die Entwicklung dauert je nach Temperatur 7–14 Tage. Die schlüpfenden Jungschnecken sind nur etwa 1 mm groß, wachsen aber schnell heran und können bereits nach 4–6 Wochen selbst Eier legen. Die Lebenserwartung beträgt etwa 1 Jahr.
Haltung im Aquarium
Die Blasenschnecke stellt keinerlei besondere Ansprüche an die Haltung und kommt mit nahezu allen Aquarienbedingungen zurecht. Ein Becken ab 10 Liter reicht bereits aus. Die Wassertemperatur kann zwischen 10 und 28 °C liegen, der pH-Wert zwischen 6,5 und 8,5. Auch die Wasserhärte ist unkritisch – die Art kommt in weichem wie in hartem Wasser zurecht.
In der Praxis wird die Blasenschnecke oft nicht gezielt gehalten, sondern gelangt als blinder Passagier ins Aquarium. Viele Aquarianer betrachten sie als Plage, doch sie ist tatsächlich ein nützlicher Mitbewohner: Sie frisst Algen und Reste, zeigt durch ihre Populationsgröße das Nahrungsangebot an und dient als Frühwarnsystem für schlechte Wasserqualität – bei hohen Schadstoffwerten verlassen die Schnecken das Wasser.
Gefährdung & Schutzstatus
Die Blasenschnecke ist nicht gefährdet – ganz im Gegenteil. Als eine der erfolgreichsten invasiven Süßwasserschnecken weltweit hat sie sich auf nahezu allen Kontinenten etabliert. In einigen Regionen verdrängt sie einheimische Schneckenarten und verändert die Zusammensetzung der Molluskenfauna.
In der Aquaristik ist sie allgegenwärtig und praktisch nicht auszurotten. Wer sie nicht im Aquarium haben möchte, sollte neue Pflanzen gründlich abspülen oder in einer Alaun-Lösung (1 Esslöffel Alaun auf 1 Liter Wasser für 2–3 Tage) baden, bevor du sie ins Becken setzt.
Quellen
- Gloer, P. (2019): Süßwassergastropoden Nord- und Mitteleuropas. ConchBooks.
- Gastropods.com – Physella acuta – gastropods.com
- Dillon, R.T. (2000): The Ecology of Freshwater Molluscs. Cambridge University Press.
- AquaInfo: Blasenschnecke – aqua-info.de
