Süßwasserschnecken

Rennschnecke (Neritina natalensis)

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Rennschnecke

Zusammenfassung

Die Rennschnecke, auch Zebra-Rennschnecke genannt, ist einer der beliebtesten und effektivsten Algenfresser im Süßwasseraquarium. Mit ihrem attraktiven Streifenmuster, der unkomplizierten Haltung und der Tatsache, dass sie sich im Süßwasser nicht vermehrt, ist sie die ideale Schnecke für bepflanzte Aquarien.

Die Rennschnecke, auch Zebra-Rennschnecke genannt, ist einer der beliebtesten und effektivsten Algenfresser im Süßwasseraquarium. Mit ihrem attraktiven Streifenmuster, der unkomplizierten Haltung und der Tatsache, dass sie sich im Süßwasser nicht vermehrt, ist sie die ideale Schnecke für bepflanzte Aquarien.

Steckbrief: Rennschnecke (Neritina natalensis)
Wissenschaftlicher NameNeritina natalensis
OrdnungCycloneritida
FamilieNeritidae
GattungNeritina
Größe2–3 cm
Lebenserwartung2–3 Jahre
VerbreitungOstafrika (Mosambik, Kenia, Tansania)
LebensraumFließgewässer, Küstenflüsse
SchutzstatusNicht bewertet
Aquariumab 30 Liter
Temperatur22–28 °C
pH-Wert6,8–8,0
Wasserhärte8–20 °dGH

Beschreibung & Aussehen

Die Rennschnecke besitzt ein halbkugelförmiges, glattes Gehäuse mit einem Durchmesser von 2–3 cm. Das Gehäuse ist relativ dickwandig und glänzend. Die Zeichnung ist äußerst variabel: Typisch sind gelbe bis olivgrüne Grundfarbe mit schwarzen Streifen (Zebramuster), aber auch Punkte, Wellenlinien, breite Bänder oder nahezu einfarbige Varianten kommen vor. Kein Tier gleicht dem anderen.

Der Weichkörper ist dunkelgrau bis schwarz. Am Kopf sitzen zwei schlanke Fühler mit kleinen Augen an deren Basis. Ein kräftiger, horniger Deckel verschließt das Gehäuse bei Gefahr oder Austrocknung. Der Fuß ist breit und kräftig, was der Schnecke eine starke Haftung auf glatten Oberflächen verleiht. Im Aquarium bewegt sie sich flink über Scheiben, Steine und Pflanzenblätter – daher der Name „Rennschnecke".

Verbreitung & Lebensraum

Die Rennschnecke stammt aus Ostafrika, wo sie in Küstenflüssen und -bächen in Mosambik, Kenia, Tansania und angrenzenden Ländern vorkommt. Sie lebt in fließendem, sauerstoffreichem Wasser auf Steinen, Felsen und Totholz, wo sie den Algenaufwuchs abweidet.

In der Natur wandern die Larven nach dem Schlupf ins Meer oder Brackwasser, wo sie sich entwickeln. Die Jungschnecken wandern dann flussaufwärts ins Süßwasser zurück. Diese amphidrome Lebensweise ist typisch für viele Neritidae und der Grund, warum sich die Art im reinen Süßwasseraquarium nicht vermehren kann.

Lebensweise & Verhalten

Die Rennschnecke ist sowohl tag- als auch nachtaktiv und bewegt sich erstaunlich schnell für eine Schnecke über glatte Oberflächen – Scheiben, Steine und Pflanzenblätter werden systematisch nach Algen abgesucht. Sie hinterlässt dabei sichtbare, saubere Fraßspuren auf algenbedeckten Flächen.

Die Art ist ein geschickter Kletterer und kann aus offenen Aquarien entkommen. Eine Abdeckung oder ein deutlich abgesenkter Wasserstand ist daher empfehlenswert. Wenn die Rennschnecke auf den Rücken fällt, hat sie manchmal Schwierigkeiten, sich umzudrehen – ein feiner Sandboden erleichtert dies. Rennschnecken sind friedlich und können mit allen friedlichen Fischen, Garnelen und anderen Schnecken vergesellschaftet werden.

Ernährung

Die Rennschnecke ist ein spezialisierter Aufwuchsfresser und gehört zu den effektivsten Algenfressern im Aquarium. Sie raspt mit ihrer kräftigen Radula Kiesel-, Grün- und Braunalgenbeläge von Scheiben, Steinen, Wurzeln und Pflanzenblättern ab. Lebende Pflanzen werden nicht angefressen – die Rennschnecke ist daher ideal für bepflanzte Aquarien.

In algearmen Becken solltest du zufüttern: Spirulina-Tabletten, Algenwaffeln, überbrühtes Gemüse (Zucchini, Gurke) und Seemandelbaumblätter werden akzeptiert. Beachte, dass die Rennschnecke in sehr sauberen Becken ohne Algenwuchs nicht ausreichend Nahrung findet und langfristig abmagern kann. Ein gewisser Algenwuchs im Becken ist daher durchaus erwünscht.

Fortpflanzung

Die Rennschnecke ist getrenntgeschlechtlich. Im Aquarium legen Weibchen regelmäßig kleine, weiße, harte Eikapseln auf Steinen, Scheiben, Wurzeln und sogar auf den Gehäusen anderer Schnecken ab. Diese Eikapseln sind etwa 1–2 mm groß und sehr hart – sie lassen sich nur schwer entfernen.

Eine erfolgreiche Vermehrung im Süßwasseraquarium findet jedoch nicht statt: Die schlüpfenden Larven (Veliger-Larven) benötigen Brackwasser oder Meerwasser für ihre Entwicklung. Im reinen Süßwasser sterben sie ab. Dies ist für viele Aquarianer ein Vorteil, da keine Schneckenplage droht. Die weißen Eikapseln können allerdings optisch störend sein – sie lösen sich nach einigen Wochen bis Monaten von selbst auf.

Haltung im Aquarium

Die Rennschnecke ist ein unkomplizierter und äußerst nützlicher Aquarienbewohner. Ein Aquarium ab 30 Liter ist ausreichend, wobei 2–3 Rennschnecken pro 30 Liter eine gute Besatzdichte darstellen. Die Wassertemperatur sollte bei 22–28 °C liegen, der pH-Wert zwischen 6,8 und 8,0. Mittelhartes bis hartes Wasser (GH 8–20) ist ideal für den Gehäuseaufbau.

In zu weichem, saurem Wasser kann das Gehäuse korrodieren. Kupfer ist tödlich – prüfe alle Dünger und Medikamente. Der Bodengrund sollte feinkörnig sein, damit die Schnecke sich bei einem Sturz selbst umdrehen kann. Grober Kies mit scharfen Kanten kann den Fuß verletzen. Rennschnecken sind die idealen Algenfresser für bepflanzte Gesellschaftsaquarien und lassen sich mit praktisch allen friedlichen Arten vergesellschaften.

Gefährdung & Schutzstatus

Der Schutzstatus der Rennschnecke ist von der IUCN nicht offiziell bewertet. In ihrem natürlichen Verbreitungsgebiet in Ostafrika sind die Bestände in geeigneten Habitaten noch stabil, können aber durch Gewässerverbauung, Verschmutzung und Wasserentnahme lokal zurückgehen.

Die im Handel erhältlichen Rennschnecken stammen größtenteils aus Wildfängen in Südostasien und Afrika, da die Nachzucht im Süßwasser nicht möglich ist. Eine nachhaltige Bewirtschaftung der Wildbestände ist daher wichtig. Kaufe Rennschnecken nur bei seriösen Händlern und achte auf gesunde, aktive Tiere mit intaktem Gehäuse.

Quellen

  1. Kano, Y. (2006): Usefulness of the opercular nucleus for inferring early development in Neritidae. Journal of Morphology.
  2. Gastropods.com – Neritidae – gastropods.com
  3. Eberhard Hartmann (2013): Schnecken im Aquarium. Dähne Verlag.
  4. AquaInfo: Rennschnecken – aqua-info.de
  5. Starmühlner, F. (1976): Beiträge zur Kenntnis der Süßwasser-Gastropoden pazifischer Inseln. Annalen des Naturhistorischen Museums Wien.

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