Garnelen

Riesenfächergarnele (Atya gabonensis)

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Riesenfächergarnele (Atya gabonensis)

Bildquelle: Guillermo Guerao Serra / shutterstock.com

Zusammenfassung

Die Riesenfächergarnele ist eine der größten und eindrucksvollsten Süßwassergarnelen. Mit bis zu 18 cm Körperlänge und ihren charakteristischen Fächerhänden, die sie in die Strömung hält, ist sie ein faszinierender Blickfang. Sie filtert mit ihren Fächern Nahrungspartikel aus dem Wasser – ein einzigartiges Ernährungsverhalten.

Die Riesenfächergarnele ist eine der größten und eindrucksvollsten Süßwassergarnelen. Mit bis zu 18 cm Körperlänge und ihren charakteristischen Fächerhänden, die sie in die Strömung hält, ist sie ein faszinierender Blickfang. Sie filtert mit ihren Fächern Nahrungspartikel aus dem Wasser – ein einzigartiges Ernährungsverhalten.

Steckbrief: Riesenfächergarnele (Atya gabonensis)
Wissenschaftlicher NameAtya gabonensis
OrdnungZehnfußkrebse (Decapoda)
FamilieSüßwassergarnelen (Atyidae)
GattungAtya
Größe10–18 cm
Lebenserwartung5–8 Jahre
VerbreitungWestafrika, Mittel- und Südamerika
LebensraumSchnell fließende Bäche und Flüsse
Aquariumab 100 cm Kantenlänge
Temperatur22–28 °C
pH-Wert6,5–8,0

Beschreibung & Aussehen

Die Riesenfächergarnele ist mit einer Körperlänge von 10–18 cm eine der größten Süßwassergarnelen überhaupt. Ihr auffälligstes Merkmal sind die zu Fächern umgewandelten ersten beiden Schreitbeinpaare. Diese Fächer bestehen aus feinen, dicht stehenden Borsten, die wie ein Sieb funktionieren und kleinste Nahrungspartikel aus dem Wasser filtern.

Die Färbung variiert stark und kann innerhalb weniger Wochen wechseln – von hellem Beige über Braun und Rotbraun bis hin zu einem tiefen Blau oder Schwarz. Die Farbänderungen hängen von der Stimmung, dem Futter und den Umgebungsbedingungen ab. Männchen und Weibchen sind äußerlich schwer zu unterscheiden, wobei Männchen tendenziell etwas größere Fächer und kräftigere Beine aufweisen.

Verbreitung & Lebensraum

Die Riesenfächergarnele hat ein bemerkenswertes disjunktes Verbreitungsgebiet: Sie kommt sowohl in Westafrika (von Senegal bis zur Demokratischen Republik Kongo) als auch in Mittel- und Südamerika (von Mexiko bis Brasilien, einschließlich einiger Karibikinseln) vor. Diese ungewöhnliche Verbreitung wird durch die ozeanische Larvenphase erklärt.

In ihrem natürlichen Lebensraum bewohnt die Riesenfächergarnele schnell fließende Bäche und Flüsse mit steinigem Untergrund. Sie bevorzugt gut durchströmte Bereiche, in denen sie ihre Fächer in die Strömung halten kann, um Nahrungspartikel zu filtrieren. Felsen, Wurzeln und andere feste Strukturen dienen als Haltemöglichkeit in der Strömung.

Lebensweise & Verhalten

Das faszinierendste Verhalten der Riesenfächergarnele ist das Filtrieren: Die Tiere setzen sich an strömungsreiche Stellen, halten ihre Fächer weit geöffnet in die Strömung und fangen damit Schwebstoffe, Phytoplankton, Detritus und andere Nahrungspartikel auf. Regelmäßig werden die Fächer zum Mund geführt, um die gesammelten Partikel abzulecken.

Riesenfächergarnelen sind friedliche, gesellige Tiere, die in kleinen Gruppen gehalten werden sollten. Sie sind überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, zeigen sich bei guter Eingewöhnung aber auch tagsüber. Die Tiere sind ortstreu und halten sich bevorzugt an ihren Lieblingsplätzen in der Strömung auf.

Wenn keine ausreichende Strömung vorhanden ist, beginnen die Garnelen, den Bodengrund nach Nahrung zu durchsuchen – ein Zeichen dafür, dass die Haltungsbedingungen verbessert werden sollten. In der Strömung filtrierend zu sehen, ist ein gutes Indiz für das Wohlbefinden der Tiere.

Ernährung

Die Riesenfächergarnele ist ein Filtrierer und ernährt sich hauptsächlich von Schwebstoffen im Wasser: Phytoplankton, Detritus, Bakterien und feinste Nahrungspartikel. In der Natur stellt die Strömung einen ständigen Nahrungsstrom zur Verfügung, der mit den Fächern aufgefangen wird.

Im Aquarium kannst du die Ernährung unterstützen, indem du feines Staubfutter, Spirulina-Pulver oder spezielles Fächergarnelenfutter in die Strömung gibst. Die Partikel werden dann von den Fächern aufgefangen. Ergänzend nimmst du die Tiere auch mit feinem Garnelenfutter, zerriebenen Flocken und gelegentlich Frostfutter an. Wichtig ist eine Strömungspumpe, die für ausreichend Wasserbewegung sorgt und die Futterpartikel im Wasser hält.

Fortpflanzung

Die Riesenfächergarnele gehört zum primitiven Fortpflanzungstyp. Das Weibchen trägt mehrere tausend winzige Eier unter dem Hinterleib. Aus den Eiern schlüpfen Zoealarven, die für ihre Entwicklung Brackwasser oder Meerwasser benötigen. Die Larven durchlaufen mehrere Stadien über einen Zeitraum von 6–12 Wochen, bevor sie sich zu juvenilen Garnelen umwandeln.

Die Nachzucht im Aquarium ist extrem schwierig und gelingt nur wenigen spezialisierten Züchtern. Die Hauptschwierigkeiten liegen in der Bereitstellung geeigneter Brackwasserbedingungen und der Fütterung der winzigen Larven mit Phytoplankton. Die im Handel erhältlichen Tiere sind daher fast ausschließlich Wildfänge, was einen verantwortungsvollen Umgang umso wichtiger macht.

Haltung im Aquarium

Für die Haltung der Riesenfächergarnele benötigst du ein Aquarium mit mindestens 100 cm Kantenlänge und einer leistungsfähigen Strömungspumpe. Die Strömung ist der wichtigste Faktor für das Wohlbefinden dieser Tiere – ohne ausreichende Wasserbewegung können sie nicht artgerecht filtrieren. Richte Steine und Wurzeln so ein, dass die Garnelen sich in der Strömung festhalten können.

Die Wassertemperatur sollte zwischen 22 und 28 °C liegen, der pH-Wert bei 6,5–8,0. Die Tiere sind relativ tolerant gegenüber verschiedenen Wasserwerten, solange die Wasserqualität hoch ist. Regelmäßige Wasserwechsel und eine gute Filterung sind wichtig. Der Bodengrund kann aus Sand oder feinem Kies bestehen.

Riesenfächergarnelen lassen sich gut mit friedlichen Fischen und anderen Garnelen vergesellschaften. Vermeide die Kombination mit großen, aggressiven Fischen oder Krebsen, die die Garnelen während der Häutung angreifen könnten. Die Haltung in kleinen Gruppen von 2–4 Tieren ist empfehlenswert, da die Tiere in Gesellschaft aktiver und zutraulicher werden.

Gefährdung & Schutzstatus

Die Riesenfächergarnele wird von der IUCN als „Least Concern" eingestuft, wobei die Datenlage für eine fundierte Bewertung als unzureichend gilt. Lokale Bestände können durch Gewässerverschmutzung, Staudämme und Habitatzerstörung beeinträchtigt sein. In einigen Regionen Westafrikas wird die Art auch als Nahrungsquelle genutzt.

Da die Nachzucht im Aquarium kaum gelingt, werden die meisten Tiere im Handel als Wildfänge angeboten. Ein bewusster Umgang mit dieser Ressource ist daher wichtig. Erwerbe Tiere nur aus seriösen Quellen und achte auf gesunde, gut eingewöhnte Exemplare. Unterstütze Bemühungen zur Entwicklung von Nachzuchtmethoden für diese faszinierende Art.

Quellen

  1. Hobbs, H.H. & Hart, C.W. (1982): The shrimp genus Atya. Smithsonian Contributions to Zoology, 364.
  2. De Grave, S. & Fransen, C.H.J.M. (2011): Carideorum catalogus – marinespecies.org
  3. Werner Klotz & Andreas Karge (2013): Süßwassergarnelen aus aller Welt. Dähne Verlag.
  4. Lukhaup, C. & Pekny, R. (2010): Garnelen, Krebse und Krabben im Süßwasseraquarium. Dähne Verlag.
  5. Fransen, C.H.J.M. (2015): Atyidae of the World – marinespecies.org

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