Der Goliathfrosch ist der größte lebende Frosch der Welt und kann eine Körperlänge von über 30 cm sowie ein Gewicht von bis zu 3,3 kg erreichen. Er lebt ausschließlich in schnell fließenden Flüssen in den Regenwäldern Kameruns und Äquatorialguineas. Bemerkenswert ist, dass er Felsbecken für seine Kaulquappen baut – ein einzigartiges Verhalten unter Fröschen.
| Wissenschaftlicher Name | Conraua goliath |
| Ordnung | Froschlurche (Anura) |
| Familie | Conrauidae |
| Gattung | Conraua |
| Größe | 17–32 cm (Körperlänge) |
| Gewicht | Bis zu 3,3 kg |
| Lebenserwartung | 15–20 Jahre |
| Verbreitung | Kamerun, Äquatorialguinea |
| Lebensraum | Schnell fließende Flüsse in tropischen Regenwäldern |
| Schutzstatus | Stark gefährdet (EN) – IUCN |
Beschreibung & Aussehen
Der Goliathfrosch ist ein wahrer Gigant unter den Fröschen. Er erreicht eine Körperlänge von 17–32 cm (ohne Beine) und ein Gewicht von bis zu 3,3 kg. Mit ausgestreckten Hinterbeinen kann die Gesamtlänge über 80 cm betragen. Die Oberseite ist olivgrün bis dunkelbraun gefärbt, mit einer körnigen, leicht warzigen Haut. Die Unterseite ist heller, gelblich bis orange.
Trotz seiner enormen Größe besitzt der Goliathfrosch keine Schallblasen und kann nicht rufen – er ist stumm. Die Augen sind relativ klein im Verhältnis zum Körper. Die Hinterbeine sind extrem kräftig und mit großen Schwimmhäuten versehen. Die Trommelfelle sind deutlich sichtbar und fast so groß wie die Augen.
Verbreitung & Lebensraum
Der Goliathfrosch hat ein extrem kleines Verbreitungsgebiet. Er kommt ausschließlich in einem schmalen Küstenstreifen in Kamerun und Äquatorialguinea vor, entlang schnell fließender Flüsse in dichten tropischen Regenwäldern. Das Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Süd-Kamerun bis ins nördliche Äquatorialguinea.
Er ist eng an klare, schnell fließende Flüsse mit Felsboden und Wasserfällen gebunden. Die Wassertemperatur in seinem Habitat beträgt konstant 16–23 °C. Der Frosch benötigt sauberes, sauerstoffreiches Wasser und ist auf intakte Regenwaldökosysteme angewiesen, da die Beschattung durch das Kronendach die Wassertemperatur reguliert.
Lebensweise & Verhalten
Der Goliathfrosch ist überwiegend nachtaktiv und verbringt den Tag auf Felsen in und an schnell fließenden Flüssen. Er ist ein exzellenter Schwimmer und kann sich auch in starker Strömung mühelos fortbewegen. An Land bewegt er sich mit kräftigen Sprüngen fort, die mehrere Meter weit reichen können.
Ein einzigartiges Verhalten des Goliathfrosches ist der Bau von Felsbecken (Nestern) für seine Kaulquappen. Die Tiere räumen Steine und Geröll beiseite und schaffen so flache Becken am Flussrand, in denen die Eier und Kaulquappen vor der Strömung geschützt sind. Dieses Verhalten wurde erst 2019 wissenschaftlich dokumentiert und ist unter Fröschen einzigartig.
Ernährung
Der Goliathfrosch ist ein kraftvoller Räuber mit einem breiten Beutespektrum. Er frisst Insekten, Krabben, kleine Fische, Schnecken, Würmer und andere Frösche. Größere Exemplare erbeuten auch kleine Schlangen, Fledermäuse und Nagetiere. Die Beute wird mit einem schnellen Zupacken des großen Mauls gefangen.
Kaulquappen des Goliathfrosches sind überraschenderweise nicht besonders groß und ernähren sich ausschließlich von einer einzigen Pflanzenart (Dicraeia warmingii), die nur an Felsen in schnell fließenden Gewässern wächst. Diese Nahrungsspezialisierung der Larven ist ein limitierender Faktor für die Verbreitung der Art.
Fortpflanzung
Die Fortpflanzung des Goliathfrosches findet während der Trockenzeit (Juli–August) statt, wenn der Wasserstand der Flüsse niedrig ist. Da die Art keine Schallblasen besitzt und nicht rufen kann, ist über das Paarungsverhalten wenig bekannt. Es wird vermutet, dass die Tiere sich über Vibrationen oder visuelle Signale verständigen.
Die Weibchen legen mehrere hundert Eier in den selbst gebauten Felsbecken am Flussrand ab. Die Becken haben einen Durchmesser von etwa 1 Meter und werden von den Elterntieren bewacht. Die Kaulquappen sind nicht ungewöhnlich groß, erreichen aber nach der Metamorphose bereits eine Größe von 3–5 cm. Die vollständige Entwicklung dauert mehrere Monate.
Haltung im Terrarium
Die Haltung des Goliathfrosches in Gefangenschaft ist extrem anspruchsvoll und praktisch ausschließlich wenigen Zoos und Forschungseinrichtungen vorbehalten. Die Art benötigt ein sehr großes Aquaterrarium mit einem leistungsstarken Strömungssystem, das die natürlichen Flussbedingungen simuliert.
Die Wassertemperatur muss konstant bei 16–23 °C gehalten werden, das Wasser muss sauber und sauerstoffreich sein. Die Zucht in Gefangenschaft ist bisher kaum gelungen, was den Artenschutz erheblich erschwert. Für private Halter ist die Art nicht geeignet und auch nicht legal erhältlich. Der Fang und Export aus den Herkunftsländern ist verboten.
Gefährdung & Schutzstatus
Der Goliathfrosch wird von der IUCN als „Endangered" (stark gefährdet) eingestuft. Die Populationen sind in den letzten Jahrzehnten um mehr als 50 % zurückgegangen. Die Hauptbedrohungen sind die Abholzung der Regenwälder, Staudammprojekte, die seine Flusshabitate zerstören, und die Jagd durch die lokale Bevölkerung, die ihn als Nahrungsquelle nutzt.
Auch der illegale Fang für den internationalen Tierhandel und für traditionelle Zeremonien stellt ein Problem dar. Schutzmaßnahmen umfassen die Einrichtung von Schutzgebieten, die Aufklärung der lokalen Bevölkerung und Forschungsprojekte zur Ökologie der Art. In Kamerun ist der Fang seit 2009 offiziell verboten.
Quellen
- AmphibiaWeb: Conraua goliath – amphibiaweb.org
- IUCN Red List: Conraua goliath – iucnredlist.org
- Schäfer, M. et al. (2019): Goliath frogs build nests for spawning – the reason for their gigantism? Journal of Natural History, 53, 1263–1276.
- Herrmann, H.-W. et al. (2006): A new species of reed frog (Arthroleptidae, Hyperolius) from the Cameroon Volcanic Line. African Journal of Herpetology, 55, 83–103.
- Sabater-Pi, J. (1985): Contribution to the biology of the giant frog (Conraua goliath, Boulenger). Amphibia-Reptilia, 6, 143–153.
