Der Rotaugenlaubfrosch ist wohl der bekannteste und ikonischste Tropenfrosch der Welt. Seine leuchtend roten Augen, die grüne Körperfärbung und die blau-gelb gestreiften Flanken machen ihn zum Symboltier des tropischen Regenwaldes. Er nutzt seine auffällige Erscheinung als Schrecksignal – ein Verhalten, das als „Flash Coloration" bekannt ist.
| Wissenschaftlicher Name | Agalychnis callidryas |
| Ordnung | Froschlurche (Anura) |
| Familie | Phyllomedusidae |
| Gattung | Agalychnis |
| Größe | 5–7,5 cm (Weibchen größer) |
| Gewicht | 6–15 g |
| Lebenserwartung | 5–10 Jahre |
| Verbreitung | Zentralamerika (Südmexiko bis Kolumbien) |
| Lebensraum | Tropische Tieflandregenwälder, Sekundärwälder |
| Schutzstatus | Nicht gefährdet (LC) – IUCN |
Beschreibung & Aussehen
Der Rotaugenlaubfrosch erreicht eine Körperlänge von 5–7,5 cm, wobei Weibchen deutlich größer werden als Männchen. Die Oberseite ist leuchtend blattgrün gefärbt, was ihm im ruhenden Zustand auf Blättern eine perfekte Tarnung verleiht. Die Flanken sind mit auffälligen blau-violetten und cremefarbenen Vertikalstreifen gezeichnet.
Das namensgebende Merkmal sind die großen, leuchtend roten Augen mit vertikalen, schlitzförmigen Pupillen. Die Füße sind leuchtend orange bis rot gefärbt und mit großen Haftscheiben ausgestattet. Die Innenseiten der Oberschenkel zeigen ein kräftiges Blau mit gelben Streifen. Im Ruhezustand klappt der Frosch seine Beine eng an den Körper und verbirgt alle auffälligen Farben unter dem grünen Rücken.
Verbreitung & Lebensraum
Der Rotaugenlaubfrosch ist in den tropischen Tieflandregenwäldern Zentralamerikas verbreitet – von Südmexiko (Veracruz, Oaxaca) über Guatemala, Honduras, Nicaragua, Costa Rica und Panama bis ins westliche Kolumbien. Er kommt von Meereshöhe bis etwa 1.200 Meter vor.
Er bewohnt feuchte tropische Regenwälder, Sekundärwälder und gelegentlich auch Plantagen und Gärten in Waldnähe. Du findest ihn bevorzugt in der Nähe von Teichen, Tümpeln und langsam fließenden Gewässern, die er für die Fortpflanzung benötigt. Tagsüber ruht er auf der Unterseite großer Blätter in der Baumkrone, wobei er alle auffälligen Körperteile verbirgt.
Lebensweise & Verhalten
Der Rotaugenlaubfrosch ist streng nachtaktiv. Tagsüber sitzt er regungslos auf der Unterseite großer Blätter, die Beine eng an den Körper gedrückt, sodass nur die grüne Oberseite sichtbar ist. Bei Störung öffnet er abrupt die Augen und zeigt die leuchtend roten Iris – dieses als „Flash Coloration" bezeichnete Verhalten soll Fressfeinde kurzzeitig verwirren und dem Frosch die Flucht ermöglichen.
Nachts wird er aktiv und klettert geschickt durch die Vegetation auf der Suche nach Beute. Die Männchen rufen mit einem kurzen, vibrierenden „Chack" von Blättern über dem Wasser. Während der Paarungszeit können die Rufchöre zahlreicher Männchen sehr laut werden. Bei Bedrohung kann der Frosch sich fallen lassen und durch die Spreizung seiner Schwimmhäute den Fall abbremsen.
Ernährung
Der Rotaugenlaubfrosch ernährt sich von einer breiten Palette nachtaktiver Wirbelloser. Zu seiner Beute gehören Nachtfalter, Fliegen, Grillen, Käfer und Spinnen. Größere Exemplare fressen gelegentlich auch kleinere Frösche. Die Beute wird mit einem schnellen Zungenschlag erbeutet.
Im Terrarium fütterst du ihn mit Grillen, Heimchen, Nachtfaltern, Wachsmaden und kleinen Heuschrecken. Die Futtertiere sollten regelmäßig mit Kalzium- und Vitaminpulver bestäubt werden. Die Fütterung erfolgt am besten in den Abendstunden, wenn der Frosch aktiv wird. Adulte Tiere werden 2–3 Mal pro Woche gefüttert.
Fortpflanzung
Die Fortpflanzung findet während der Regenzeit statt und ist ein faszinierendes Schauspiel. Die Männchen rufen von Blättern und Ästen über temporären Gewässern. Wenn ein Weibchen angelockt wird, klettert das Männchen auf ihren Rücken (Amplexus) und wird zum Wasser getragen, wo das Weibchen Wasser aufnimmt, um die Eier zu hydratisieren.
Anschließend klettert das Paar auf ein Blatt, das über dem Wasser hängt, und das Weibchen legt 20–50 Eier in einer Gallerthülle auf der Blattunterseite ab. Die Embryonen entwickeln sich innerhalb von 6–7 Tagen und schlüpfen als Kaulquappen, die direkt ins Wasser darunter fallen. Bemerkenswerterweise können die Embryonen bei Bedrohung durch Schlangen oder Wespen vorzeitig schlüpfen – ein faszinierendes Beispiel für phänotypische Plastizität.
Haltung im Terrarium
Der Rotaugenlaubfrosch ist einer der beliebtesten Terriarienfrösche und wird häufig im Fachhandel angeboten. Ein hohes Regenwaldterrarium ab 60 × 40 × 60 cm ist für eine kleine Gruppe (1 Männchen, 2 Weibchen) geeignet. Die Einrichtung sollte Kletteräste, große Blätter (Philodendron, Pothos), Bromelien und ein Wasserbecken am Boden umfassen.
Die Temperatur sollte tagsüber 24–28 °C betragen, nachts auf 20–22 °C absinken. Die Luftfeuchtigkeit sollte bei 70–90 % liegen, nachts etwas höher. Eine Beregnungsanlage oder regelmäßiges Sprühen ist empfehlenswert. Die Beleuchtung sollte einen natürlichen Tag-Nacht-Rhythmus simulieren. Die Art ist robust und auch für fortgeschrittene Einsteiger in die Froschhaltung geeignet.
Gefährdung & Schutzstatus
Der Rotaugenlaubfrosch wird von der IUCN als „Least Concern" (nicht gefährdet) eingestuft. Die Art ist in weiten Teilen ihres Verbreitungsgebiets noch häufig und kommt in zahlreichen Schutzgebieten vor. Die Populationen gelten als stabil.
Lokale Bedrohungen sind die Abholzung der Regenwälder, insbesondere in Mexiko und Guatemala. Der Chytridpilz scheint die Art bislang weniger stark zu betreffen als andere zentralamerikanische Frösche. Als Symboltier des Regenwaldes trägt der Rotaugenlaubfrosch erheblich zur öffentlichen Wahrnehmung des Amphibienschutzes bei.
Quellen
- AmphibiaWeb: Agalychnis callidryas – amphibiaweb.org
- IUCN Red List: Agalychnis callidryas – iucnredlist.org
- Warkentin, K. M. (2005): How do embryos assess risk? Vibrational cues in predator-induced hatching of red-eyed treefrogs. Animal Behaviour, 70, 59–71.
- Savage, J. M. (2002): The Amphibians and Reptiles of Costa Rica. University of Chicago Press.
- Toledo, L. F. et al. (2011): Coloured and These are the Eyes: The Role of Eye Colour in Anuran Visual Communication. Ethology, 117, 308–315.
