Frösche

Rotbauchunke (Bombina bombina)

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Rotbauchunke (Bombina bombina)

Bildquelle: Agus_Gatam / shutterstock.com

Zusammenfassung

Die Rotbauchunke ist eine kleine, unscheinbar wirkende Froschart aus Mittel- und Osteuropa. Doch ihr Geheimnis zeigt sich erst bei Bedrohung: Sie dreht sich auf den Rücken und präsentiert ihre leuchtend rot-orange gefärbte Unterseite als Warnsignal. Dieser „Unkenreflex" ist eines der bekanntesten Abwehrverhalten in der Amphibienwelt.

Die Rotbauchunke ist eine kleine, unscheinbar wirkende Froschart aus Mittel- und Osteuropa. Doch ihr Geheimnis zeigt sich erst bei Bedrohung: Sie dreht sich auf den Rücken und präsentiert ihre leuchtend rot-orange gefärbte Unterseite als Warnsignal. Dieser „Unkenreflex" ist eines der bekanntesten Abwehrverhalten in der Amphibienwelt.

Steckbrief: Rotbauchunke (Bombina bombina)
Wissenschaftlicher NameBombina bombina
OrdnungFroschlurche (Anura)
FamilieBombinatoridae
GattungBombina
Größe3,5–5 cm
Gewicht5–10 g
Lebenserwartung10–15 Jahre
VerbreitungMittel- und Osteuropa
LebensraumFlache stehende Gewässer, Überschwemmungsgebiete, Gräben
SchutzstatusNicht gefährdet (LC) – IUCN, aber in EU geschützt (FFH-Richtlinie)

Beschreibung & Aussehen

Die Rotbauchunke ist ein kleiner, abgeflachter Frosch mit einer Körperlänge von 3,5–5 cm. Die Oberseite ist unscheinbar graubraun bis olivgrün gefärbt mit dunklen Flecken und warzig-körniger Haut. Diese Tarnfärbung macht sie von oben betrachtet praktisch unsichtbar auf schlammigem Untergrund.

Die Unterseite hingegen ist spektakulär: Sie zeigt ein kontrastreiches Muster aus leuchtend orangeroten bis feuerroten Flecken auf schwarzem oder dunkelgrauem Grund. Dieses individuelle Bauchmuster ist so einzigartig wie ein Fingerabdruck und kann zur Identifikation einzelner Tiere verwendet werden. Die Pupillen sind herzförmig – ein charakteristisches Merkmal der Gattung Bombina.

Verbreitung & Lebensraum

Die Rotbauchunke ist in Mittel- und Osteuropa verbreitet – von Nordostdeutschland, Dänemark und Südschweden über Polen, die baltischen Staaten, Ungarn und den Balkan bis nach Westrussland und in die Türkei. In Deutschland kommt sie nur noch in den östlichen Bundesländern vor und ist dort stark rückläufig.

Sie bewohnt bevorzugt flache, vegetationsreiche, stehende Gewässer wie Überschwemmungstümpel, Gräben, Flutmulden, Altarme und flache Teichränder. Im Gegensatz zu vielen anderen Amphibien verbringt sie den Großteil des Jahres im Wasser und verlässt es nur zur Überwinterung und bei Wanderungen zu neuen Gewässern.

Lebensweise & Verhalten

Die Rotbauchunke ist überwiegend tag- und dämmerungsaktiv und verbringt den Großteil ihres Lebens im Wasser. Sie treibt gerne an der Wasseroberfläche, wobei nur Augen und Nasenöffnungen aus dem Wasser ragen. Bei Gefahr zeigt sie den berühmten „Unkenreflex" (Kahnstellung): Sie wölbt den Rücken nach unten, hebt Arme und Beine an und präsentiert die leuchtend gefärbte Unterseite als Warnsignal.

Die Haut der Rotbauchunke sondert ein leicht giftiges Sekret (Bombinin) ab, das für Menschen ungefährlich ist, aber bei Fressfeinden Reizungen verursacht. Die Männchen rufen mit einem monotonen, melodischen „uh... uh... uh...", das an das Geräusch einer in eine leere Flasche geblasenen Luft erinnert. Diese Rufe sind typisch für warme Sommerabende an Gewässern.

Ernährung

Die Rotbauchunke ernährt sich hauptsächlich von kleinen Wasserinsekten und deren Larven, Mückenlarven, Wasserflöhen, kleinen Schnecken und Würmern. Sie jagt sowohl im Wasser als auch an der Wasseroberfläche und am Gewässerrand. Die Beute wird durch schnelles Zupacken mit dem Maul gefangen.

Im Terrarium kannst du sie mit kleinen Grillen, Heimchen, Mückenlarven (rote und weiße), Tubifex und Drosophila füttern. Aquatische Futtertiere werden gerne direkt von der Wasseroberfläche aufgenommen. Eine Supplementierung mit Kalzium und Vitaminen ist empfehlenswert.

Fortpflanzung

Die Laichzeit der Rotbauchunke erstreckt sich über einen langen Zeitraum von Mai bis August – deutlich länger als bei den meisten anderen europäischen Amphibien. Die Männchen rufen ausdauernd aus dem Wasser und bilden dabei große Rufgemeinschaften. Die Paarung erfolgt im Amplexus im Wasser.

Die Weibchen legen die Eier in kleinen Portionen von jeweils 10–30 Eiern an Wasserpflanzen ab, insgesamt 100–300 Eier pro Saison. Die Kaulquappen schlüpfen nach 5–10 Tagen und durchlaufen die Metamorphose in 5–8 Wochen. Die Jungtiere sind bei der Umwandlung nur etwa 1,5 cm groß und bereits mit der typischen rot-schwarzen Bauchzeichnung versehen.

Haltung im Aquarium

Die Rotbauchunke kann in einem flachen Aquaterrarium gehalten werden. Ein Becken ab 80 × 40 × 30 cm mit einem großen Wasseranteil (Wassertiefe 10–15 cm), Schwimmpflanzen, einem flachen Landteil und Versteckmöglichkeiten ist ideal. Die Wassertemperatur sollte im Sommer 18–24 °C betragen.

Beachte, dass die Rotbauchunke in Deutschland und der gesamten EU streng geschützt ist (FFH-Richtlinie, Anhang II und IV). Eine Haltung ist nur mit Nachzuchten aus legaler Herkunft und entsprechenden Nachweisen erlaubt. Eine Winterruhe bei 4–8 °C über 3–4 Monate ist für die Gesundheit und Fortpflanzungsbereitschaft wichtig.

Gefährdung & Schutzstatus

Die Rotbauchunke wird von der IUCN global als „Least Concern" (nicht gefährdet) eingestuft, ist jedoch in vielen Teilen ihres westlichen Verbreitungsgebiets, insbesondere in Deutschland, stark rückläufig und regional gefährdet. Sie ist in der FFH-Richtlinie der EU in Anhang II und IV gelistet und damit streng geschützt.

Die Hauptbedrohungen sind der Verlust flacher, temporärer Gewässer durch Entwässerung und Flurbereinigung, die Intensivierung der Landwirtschaft, Pestizideinsatz und die Zerschneidung von Lebensräumen. Schutzmaßnahmen umfassen die Neuanlage und Pflege flacher Gewässer, die Einrichtung von Schutzgebieten und Wiederansiedlungsprojekte.

Quellen

  1. AmphibiaWeb: Bombina bombinaamphibiaweb.org
  2. IUCN Red List: Bombina bombinaiucnredlist.org
  3. Nöllert, A. & Nöllert, C. (1992): Die Amphibien Europas. Franckh-Kosmos Verlag.
  4. Laufer, H., Fritz, K. & Sowig, P. (2007): Die Amphibien und Reptilien Baden-Württembergs. Ulmer Verlag.
  5. Bundesamt für Naturschutz: FFH-Artensteckbrief Rotbauchunke – bfn.de

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