Der Rotrücken-Salamander ist der häufigste Salamander im östlichen Nordamerika und in manchen Wäldern das Wirbeltier mit der höchsten Biomasse. Dieser winzige, lungenlose Salamander lebt vollständig terrestrisch und atmet ausschließlich über seine feuchte Haut. Er kommt in zwei Farbmorphen vor: der rötlich gestreiften und der einheitlich grauen „Leadback"-Form.
| Wissenschaftlicher Name | Plethodon cinereus |
| Ordnung | Schwanzlurche (Caudata) |
| Familie | Lungenlose Salamander (Plethodontidae) |
| Gattung | Plethodon |
| Größe | 6–12 cm |
| Gewicht | 1–3 g |
| Lebenserwartung | 5–10 Jahre |
| Verbreitung | Östliches Nordamerika (Kanada bis North Carolina) |
| Lebensraum | Laubwälder, unter Steinen und Totholz, Waldboden |
| Schutzstatus | Nicht gefährdet (LC) – IUCN |
Beschreibung & Aussehen
Der Rotrücken-Salamander ist ein kleiner, schlanker Salamander mit einer Gesamtlänge von nur 6–12 cm. Er kommt in zwei Farbmorphen vor: Die namensgebende „Redback"-Morphe zeigt einen breiten, rötlich-orangen Rückenstreifen auf dunklem, schwarzgrauem Grund. Die „Leadback"-Morphe ist einheitlich dunkelgrau bis schwärzlich ohne Rückenstreifen. Beide Morphen können in derselben Population vorkommen.
Der Körper ist sehr schlank und langgestreckt mit dünnen Beinen und einem runden Schwanz. Die Haut ist glatt und feucht. Als lungenloser Salamander besitzt er keine Lungen und ist vollständig auf die Hautatmung angewiesen, was eine ständig feuchte Haut erfordert. Die Unterseite ist hell gesprenkelt, schwarz-weiß marmoriert. Die Augen sind für die Körpergröße relativ groß.
Verbreitung & Lebensraum
Der Rotrücken-Salamander hat das größte Verbreitungsgebiet aller nordamerikanischen Plethodontiden und kommt von den maritimen Provinzen Kanadas und Minnesota im Norden bis nach North Carolina und Indiana im Süden vor. Er besiedelt Höhenlagen vom Tiefland bis über 1.500 m in den Appalachen.
Du findest diesen Salamander nahezu überall in Laubwäldern und Mischwäldern – unter Steinen, morschen Baumstämmen, Rindenstücken und im Laub. Er benötigt keine Gewässer, da er keine aquatische Larvenphase hat. Entscheidend ist eine ausreichende Bodenfeuchtigkeit und das Vorhandensein von Versteckmöglichkeiten. In optimalen Wäldern kann die Populationsdichte erstaunlich hoch sein – bis zu 3 Individuen pro Quadratmeter!
Lebensweise & Verhalten
Der Rotrücken-Salamander ist vorwiegend nachtaktiv und lebt vollständig terrestrisch – er betritt nie ein Gewässer. Tagsüber versteckt er sich unter Steinen, Holzstücken und im Laub, wo er vor Austrocknung geschützt ist. An feuchten, kühlen Nächten und nach Regenfällen kommt er an die Oberfläche, um zu jagen.
Die Art ist territorial und verteidigt kleine Reviere (meist unter einem bestimmten Stein oder Holzstück) gegen Artgenossen. Revierstreitigkeiten werden durch gegenseitiges Beißen und Drohen ausgetragen. Interessanterweise wurde nachgewiesen, dass Rotrücken-Salamander Fäkalmarkierungen zur Reviermarkierung nutzen. Trotz seiner geringen Größe spielt er als häufigster Waldboden-Wirbeltier eine wichtige Rolle im Nährstoffkreislauf der Waldökosysteme.
Ernährung
Der Rotrücken-Salamander ernährt sich von winzigen Wirbellosen des Waldbodens. Zu seiner Hauptnahrung zählen Milben, Springschwänze, kleine Ameisen, Käfer, Spinnen und Larven verschiedener Insekten. Auch Schnecken und kleine Würmer werden gefressen. Er ist damit ein wichtiger Regulator der Bodenfauna.
Die Beute wird mit der projektilen Zunge gefangen, die blitzschnell herausgeschleudert wird. Studien haben gezeigt, dass der Rotrücken-Salamander durch seinen enormen Prädationsdruck auf Bodenwirbellose einen messbaren Einfluss auf die Zersetzungsrate von Laub und den Nährstoffkreislauf in Wäldern hat. Er wird daher als „Schlüsselart" der nordamerikanischen Waldökosysteme betrachtet.
Fortpflanzung
Die Paarung findet im Herbst statt. Das Männchen führt einen Balztanz auf und setzt ein Spermatophor ab, das vom Weibchen aufgenommen wird. Die Spermien werden bis zum Frühjahr gespeichert (Spermatheca). Im Juni–Juli legt das Weibchen 4–17 große Eier in einer traubenförmigen Anordnung in einem feuchten Hohlraum unter einem Stein oder in morschem Holz ab.
Die Entwicklung ist direkt – es gibt kein aquatisches Larvenstadium. Das Weibchen bewacht die Eier 6–9 Wochen lang, bis die fertig entwickelten Jungtiere schlüpfen. Die frisch geschlüpften Salamander sind nur etwa 2 cm lang. Die Weibchen pflanzen sich in der Regel nur alle 2 Jahre fort. Die Geschlechtsreife wird nach 2–3 Jahren erreicht.
Haltung im Terrarium
Der Rotrücken-Salamander eignet sich hervorragend für die Terrarienhaltung und ist ein guter Einsteiger-Salamander. Ein kleines Terrarium ab 40 × 25 × 25 cm reicht für ein Paar aus. Die Einrichtung sollte eine Schicht feuchter Walderde oder Kokoshumus, Moos, flache Steine und morsches Holz als Verstecke umfassen. Ein Wasserbecken ist nicht erforderlich.
Die Temperatur sollte kühl gehalten werden: 15–20 °C tagsüber, nachts etwas kühler. Temperaturen über 22 °C solltest du unbedingt vermeiden, da der Salamander sonst unter Hitzestress leidet. Die Luftfeuchtigkeit sollte bei 75–90 % liegen. Gefüttert wird mit Springschwänzen, weißen Asseln, kleinen Drosophila und Mikroheimchen. Eine kühle Winterphase bei 5–8 °C über 2–3 Monate wird empfohlen.
Gefährdung & Schutzstatus
Der Rotrücken-Salamander wird von der IUCN als „Least Concern" (nicht gefährdet) eingestuft und ist einer der häufigsten Salamander Nordamerikas. Populationsrückgänge wurden jedoch in Gebieten mit intensiver Forstwirtschaft, Bodenverdichtung und Verlust von Totholz dokumentiert.
Da die Art ein wichtiger Bioindikator für die Waldgesundheit ist, wird sie in vielen Langzeit-Monitoringprogrammen überwacht. Der Erhalt naturnaher Wälder mit reichlich Totholz und einer intakten Laubschicht ist entscheidend für den Schutz der Populationen. Der Klimawandel mit zunehmend trockenen Sommern könnte langfristig die Habitatqualität verschlechtern.
Quellen
- AmphibiaWeb: Plethodon cinereus – amphibiaweb.org
- IUCN Red List: Plethodon cinereus – iucnredlist.org
- Petranka, J. W. (1998): Salamanders of the United States and Canada. Smithsonian Institution Press.
- Burton, T. M. & Likens, G. E. (1975): Energy flow and nutrient cycling in salamander populations in the Hubbard Brook Experimental Forest. Ecology, 56(5), 1068–1080.
- Pough, F. H. et al. (2015): Herpetology. 4th Edition. Sinauer Associates.
