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Rotstrich-Algenfresser (Garra rufa)

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Rotstrich-Algenfresser (Garra rufa)

Bildquelle: Pavaphon Supanantananont / shutterstock.com

Zusammenfassung

Der Rotstrich-Algenfresser, international als „Doctor Fish" bekannt, hat durch seinen Einsatz in Fisch-Spas weltweit Berühmtheit erlangt. In Thermalquellen der Türkei knabbern diese Fische abgestorbene Hautschuppen von badenden Menschen ab – ein Verhalten, das auch therapeutisch bei Hautkrankheiten wie Psoriasis genutzt wird.

Der Rotstrich-Algenfresser, international als „Doctor Fish" bekannt, hat durch seinen Einsatz in Fisch-Spas weltweit Berühmtheit erlangt. In Thermalquellen der Türkei knabbern diese Fische abgestorbene Hautschuppen von badenden Menschen ab – ein Verhalten, das auch therapeutisch bei Hautkrankheiten wie Psoriasis genutzt wird.

Steckbrief: Rotstrich-Algenfresser (Garra rufa)
Wissenschaftlicher NameGarra rufa
OrdnungKarpfenartige (Cypriniformes)
FamilieKarpfenfische (Cyprinidae)
GattungGarra
Größe8–14 cm
Gewicht10–30 g
Lebenserwartung5–8 Jahre
VerbreitungTürkei, Syrien, Irak, Iran, Jordanien
LebensraumWarme Quellen, Flüsse und Bäche des Nahen Ostens
SchutzstatusNicht gefährdet (LC) – IUCN
Aquariumab 100 Liter
Temperatur15–28 °C
pH-Wert6,5–8,0
Wasserhärte5–20 °dGH

Beschreibung & Aussehen

Der Rotstrich-Algenfresser besitzt einen langgestreckten, zylindrischen Körper mit einer abgeflachten Unterseite. Er erreicht eine Länge von 8–14 cm. Die Grundfärbung ist graubraun bis olivgrün mit einem silbrigen Schimmer an den Flanken. Bei einigen Populationen zeigt sich ein rötlicher Streifen entlang der Seitenlinie, der der Art ihren deutschen Namen verleiht.

Das Maul ist unterständig und mit einer saugnapfartigen Unterlippe ausgestattet, die es dem Fisch ermöglicht, sich an Steinen in der Strömung festzuhalten und Algenbeläge abzuraspeln. Der Kopf ist leicht abgeflacht mit kleinen Augen. Männchen und Weibchen sind äußerlich schwer zu unterscheiden, wobei geschlechtsreife Weibchen einen etwas rundlicheren Bauch aufweisen.

Verbreitung & Lebensraum

Der Rotstrich-Algenfresser stammt aus dem Vorderen Orient und kommt natürlich in der Türkei, Syrien, dem Irak, Iran und Jordanien vor. Besonders bekannt sind die Populationen in den Thermalquellen von Kangal in der zentraltürkischen Provinz Sivas, wo die Fische seit Jahrhunderten mit badenden Menschen interagieren.

In der Natur besiedelt Garra rufa eine erstaunliche Bandbreite von Gewässertypen – von kühlen Bergbächen bis zu heißen Thermalquellen mit Temperaturen von über 35 °C. Er bevorzugt fließende, sauerstoffreiche Gewässer mit steinigem Untergrund, ist aber insgesamt sehr anpassungsfähig. In den Thermalquellen lebt er oft in extrem mineralreichen Gewässern.

Lebensweise & Verhalten

Der Rotstrich-Algenfresser ist ein geselliger Schwarmfisch, der in Gruppen von mindestens 6 Tieren gehalten werden sollte. In der Natur bildet er oft große Ansammlungen an nahrungsreichen Stellen. Die Art ist tagaktiv und verbringt den Großteil des Tages mit dem Abweiden von Algenbelägen und organischem Material von Steinen und anderen Oberflächen.

Das berühmte „Knabbern" an menschlicher Haut ist ein natürliches Verhalten, das in nährstoffarmen Thermalquellen entstanden ist. In nahrungsreicher Umgebung zeigen die Fische dieses Verhalten deutlich weniger. Die Art ist gegenüber Artgenossen und anderen Fischen ausgesprochen friedlich und verträglich.

Ernährung

In der Natur ist der Rotstrich-Algenfresser ein Aufwuchsfresser, der Algen, Biofilme, Detritus und kleine Wirbellose von Steinen und anderen harten Oberflächen abweidet. In den nährstoffarmen Thermalquellen seiner Heimat frisst er auch abgestorbene Hautzellen – dieses Verhalten wird in Fisch-Spas weltweit kommerziell genutzt.

Im Aquarium akzeptiert er praktisch jedes Futter. Algentabletten, Spirulina-Flocken, normales Flockenfutter und Frostfutter werden gleichermaßen angenommen. Biete ihm regelmäßig Algenwuchs auf Steinen und Scheiben an, den er genüsslich abweidet. Eine ballaststoffreiche Ernährung mit hohem Pflanzenanteil kommt seiner natürlichen Lebensweise am nächsten.

Fortpflanzung

Die Fortpflanzung des Rotstrich-Algenfressers gelingt im Aquarium gelegentlich. Die Art ist ein Freilaicher, der seine Eier über Kies oder Steinen ablaicht. Zur Stimulation der Laichbereitschaft kann ein Temperaturanstieg nach einer kühleren Phase hilfreich sein, der den Beginn der natürlichen Laichsaison simuliert.

Das Weibchen legt mehrere hundert kleine, klebrige Eier zwischen Steinen und Kies ab. Die Eltern betreiben keine Brutpflege und können die Eier fressen, daher ist es ratsam, die Eier in ein separates Aufzuchtbecken zu überführen. Die Larven schlüpfen nach 2–3 Tagen und können mit feinstem Staubfutter und Infusorien aufgezogen werden.

Haltung im Aquarium

Für eine Gruppe von 6–8 Rotstrich-Algenfressern benötigst du ein Aquarium ab 100 Litern. Das Becken sollte mit Kies oder Sand, Steinen und Wurzeln eingerichtet werden, die reichlich Oberfläche zum Beweiden bieten. Eine gute Strömung und Belüftung sind empfehlenswert, da die Art sauerstoffreiches Wasser bevorzugt.

Die Wassertemperatur kann in einem breiten Bereich von 15–28 °C liegen – die Art ist diesbezüglich erstaunlich tolerant. Der pH-Wert sollte zwischen 6,5 und 8,0 liegen, die Gesamthärte bei 5–20 °dGH. Der Rotstrich-Algenfresser ist ein friedlicher, guter Gesellschaftsfisch, der sich mit den meisten friedlichen Arten vergesellschaften lässt. Er ist ein effizienter Algenfresser und hilft aktiv bei der Algenbekämpfung im Aquarium.

Gefährdung & Schutzstatus

Der Rotstrich-Algenfresser wird von der IUCN als „Least Concern" (nicht gefährdet) eingestuft. Allerdings sind die Populationen in den berühmten Thermalquellen von Kangal durch den zunehmenden Tourismus und die Entnahme von Fischen für den internationalen Spa-Handel unter Druck geraten.

Die türkische Regierung hat Maßnahmen zum Schutz der Kangal-Populationen ergriffen, darunter Fangverbote und Zugangsregelungen. Der weltweite Boom der Fisch-Spas hat zu einer starken Nachfrage geführt, die zunehmend durch Zuchtfarmen in Südostasien gedeckt wird. In einigen Ländern sind Fisch-Spas aus Hygiene- und Tierschutzgründen verboten oder reguliert.

Quellen

  1. FishBase: Garra rufafishbase.se
  2. IUCN Red List: Garra rufaiucnredlist.org
  3. Seriously Fish: Garra rufaseriouslyfish.com
  4. Özçelik, S. et al. (2000): The effect of Garra rufa on psoriasis. Journal of Dermatological Treatment, 11(4), 279–285.
  5. Riehl, R. & Baensch, H. A. (2002): Aquarien Atlas. Mergus Verlag.

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