Der Säbelzahnsalmler, auch als Payara oder Vampirfisch bekannt, ist einer der eindrucksvollsten Raubfische Südamerikas. Seine zwei enormen, säbelartigen Fangzähne im Unterkiefer können bis zu 15 cm lang werden und passen in spezielle Löcher im Oberkiefer. Dieser kraftvolle Jäger ist ein Meister der Stromschnellen und fängt seine Beute mit explosionsartiger Geschwindigkeit.
| Wissenschaftlicher Name | Hydrolycus scomberoides |
| Ordnung | Salmlerartige (Characiformes) |
| Familie | Hundslachssalmler (Cynodontidae) |
| Gattung | Hydrolycus |
| Größe | 40–120 cm |
| Gewicht | 1–18 kg |
| Lebenserwartung | 8–12 Jahre |
| Verbreitung | Südamerika (Amazonas- und Orinoco-Becken) |
| Lebensraum | Große Flüsse, Stromschnellen, überflutete Wälder |
| Schutzstatus | Nicht gefährdet (LC) – IUCN |
| Aquarium | ab 2.000 Liter |
| Temperatur | 24–28 °C |
| pH-Wert | 6,0–7,0 |
| Wasserhärte | 2–12 °dGH |
Beschreibung & Aussehen
Der Säbelzahnsalmler besitzt einen kräftigen, seitlich abgeflachten Körper mit einer tief gegabelten Schwanzflosse, der auf schnelles Schwimmen in starker Strömung ausgelegt ist. Er erreicht eine beeindruckende Länge von 40–120 cm und ein Gewicht von bis zu 18 kg. Die Grundfärbung ist silbrig mit einem dunklen Rücken und schimmernden Flanken.
Das spektakulärste Merkmal sind zweifellos die beiden gewaltigen Fangzähne im Unterkiefer, die bei großen Exemplaren bis zu 15 cm lang werden können. Diese Zähne ragen aus dem geschlossenen Maul heraus und passen in zwei Löcher im Oberkiefer, die bis ins Gehirn reichen. Die Augen sind groß und an das Sehen in trübem Wasser angepasst. Die Rückenflosse ist hoch und die Brustflossen sind kräftig entwickelt.
Verbreitung & Lebensraum
Der Säbelzahnsalmler ist in den großen Flusssystemen Südamerikas verbreitet, insbesondere im Amazonas- und Orinoco-Becken. Er kommt in Venezuela, Kolumbien, Brasilien, Ecuador, Peru und Bolivien vor. Die Art bevorzugt die Hauptströme und größere Nebenflüsse.
Du findest ihn bevorzugt in stark strömenden Flussabschnitten, an Stromschnellen und in den Bereichen unterhalb von Wasserfällen. Dort lauert er auf vorbeigetriebene Beutefische. Während der Regenzeit zieht er auch in überflutete Waldgebiete (Várzea und Igapó), um dem vergrößerten Nahrungsangebot zu folgen. Der Säbelzahnsalmler ist an die extremen Bedingungen schnell fließender tropischer Flüsse perfekt angepasst.
Lebensweise & Verhalten
Der Säbelzahnsalmler ist ein hochspezialisierter Raubfisch, der seine Beute mit blitzschnellen Attacken erbeutet. Er steht oft in der Strömung und wartet auf vorbeigetriebene Fische, die er mit seinen gewaltigen Fangzähnen packt. Seine Jagdtechnik ist explosiv schnell und kaum mit dem bloßen Auge zu verfolgen.
Die Art ist überwiegend dämmerungs- und nachtaktiv, jagt aber auch tagsüber. In der Natur ist sie meist einzelgängerisch oder in kleinen Gruppen unterwegs. Jüngere Tiere bilden gelegentlich kleine Schwärme. Der Säbelzahnsalmler ist ein extrem guter Springer und kann beträchtliche Distanzen über der Wasseroberfläche zurücklegen. Bei Sportanglern ist er wegen seiner Kampfstärke und Sprünge ein begehrter Zielfisch.
Ernährung
Der Säbelzahnsalmler ist ein reiner Fischfresser (Piscivore). In der Natur ernährt er sich hauptsächlich von anderen Fischen, die er mit seinen enormen Fangzähnen durchbohrt und dann im Ganzen verschlingt. Piranhas gehören zu seinen natürlichen Beutetieren – was ihn zu einem der wenigen Fische macht, die Piranhas fressen.
Im Aquarium gestaltet sich die Fütterung als große Herausforderung. Viele Exemplare akzeptieren ausschließlich lebende Fische und lassen sich nur schwer an Frostfutter oder tote Fische gewöhnen. Diese Tatsache, kombiniert mit dem enormen Futterbedarf eines so großen Raubfisches, macht die Haltung logistisch und ethisch anspruchsvoll.
Fortpflanzung
Über die Fortpflanzung des Säbelzahnsalmlers im natürlichen Lebensraum ist wenig bekannt. Es wird vermutet, dass die Art während der Regenzeit in den Hauptströmen oder überfluteten Gebieten laicht. Die Eier werden frei ins Wasser abgegeben und von der Strömung verdriftet.
Eine Nachzucht im Aquarium ist bislang nicht dokumentiert. Die enormen Platzansprüche, die spezifischen Strömungsbedingungen und die Schwierigkeit, geschlechtsreife Paare zu identifizieren und zusammenzubringen, machen eine Zucht im Aquarium praktisch unmöglich. Alle im Handel erhältlichen Tiere stammen aus Wildfängen.
Haltung im Aquarium
Die Haltung des Säbelzahnsalmlers ist nur etwas für absolute Experten mit entsprechend großen Aquarien. Ein Becken von mindestens 2.000 Litern – besser deutlich mehr – ist das absolute Minimum für ein einzelnes Tier. Das Aquarium muss eine starke Strömung bieten und absolut sicher abgedeckt sein, da der Fisch ein extrem guter Springer ist.
Die Wassertemperatur sollte bei 24–28 °C liegen, der pH-Wert bei 6,0–7,0 und das Wasser weich bis mittelhart sein. Die Art ist empfindlich gegenüber schlechter Wasserqualität und benötigt eine leistungsstarke Filterung. Beifische werden als Futter betrachtet, daher kommt nur eine Vergesellschaftung mit gleich großen, robusten Arten in Frage. Viele Exemplare überleben die Haltung im Aquarium nicht langfristig, da ihre Ansprüche nur schwer zu erfüllen sind.
Gefährdung & Schutzstatus
Der Säbelzahnsalmler wird von der IUCN als „Least Concern" (nicht gefährdet) eingestuft. Die Art ist in ihrem großen Verbreitungsgebiet relativ häufig und wird sowohl von Subsistenz- als auch von Sportanglern gefangen. Lokale Bedrohungen bestehen durch den Bau von Staudämmen, die wichtige Wanderrouten und Strömungshabitate zerstören.
Die Entnahme für den Aquarienhandel ist gering, da die Art aufgrund ihrer Größe und Ansprüche nur von wenigen Haltern nachgefragt wird. Der Erhalt frei fließender Flussabschnitte mit intakten Stromschnellen ist für den langfristigen Schutz der Art entscheidend.
Quellen
- FishBase: Hydrolycus scomberoides – fishbase.se
- IUCN Red List: Hydrolycus scomberoides – iucnredlist.org
- Seriously Fish: Hydrolycus scomberoides – seriouslyfish.com
- Géry, J. (1977): Characoids of the World. T.F.H. Publications.
- Planquette, P. et al. (1996): Atlas des Poissons d'eau douce de Guyane. INRA, Paris.
