Was sind Salzwasserfische?
Salzwasserfische sind Fische, die in den Ozeanen und Meeren der Welt leben und an das Leben in salzhaltigem Wasser angepasst sind. Sie machen den Großteil aller Fischarten aus – rund 60 % aller bekannten Fischspezies sind Meeresbewohner. In der Aquaristik werden vor allem tropische Riffbewohner gepflegt, die mit ihrer atemberaubenden Farbenpracht und ihrem faszinierenden Verhalten begeistern.
Im Gegensatz zu Süßwasserfischen müssen Salzwasserfische aktiv Wasser trinken und überschüssiges Salz über spezielle Chloridzellen in den Kiemen ausscheiden, um ihren osmotischen Haushalt zu regulieren. Diese physiologische Besonderheit macht sie empfindlicher gegenüber Schwankungen der Wasserqualität als viele Süßwasserarten. Die Meerwasseraquaristik gilt daher als Königsdisziplin der Aquarienhaltung.
Merkmale
Salzwasserfische zeigen eine enorme Vielfalt an Körperformen, Farben und Anpassungen. Viele Riffbewohner haben seitlich abgeflachte Körper, die es ihnen ermöglichen, sich geschickt zwischen Korallen und Felsen zu bewegen. Die Farbenpracht tropischer Meeresfische ist im Tierreich nahezu einzigartig – leuchtende Blau-, Gelb-, Rot- und Orangetöne dienen der Partnerfindung, der Reviermarkierung oder der Tarnung.
Besonders bemerkenswert sind die vielfältigen Anpassungen an das Leben im Korallenriff: Anemonenfische haben eine Schleimschicht, die sie vor den Nesselzellen ihrer Wirtsanemone schützt. Putzerfische wie Neon-Grundeln reinigen größere Fische von Parasiten. Doktorfische tragen scharfe Skalpelle an der Schwanzwurzel zur Verteidigung. Drückerfische besitzen einen Verriegelungsmechanismus an ihrer ersten Rückenflosse, mit dem sie sich in Felsspalten verankern können.
Viele Meeresfische zeigen zudem faszinierende Fortpflanzungsstrategien wie Geschlechtsumwandlung (z. B. bei Fahnenbarsch und Anemonenfisch), Maulbrüten (z. B. bei Kardinalbarsch) oder komplexe Balzrituale mit spektakulären Farbwechseln.
Verbreitung
Salzwasserfische besiedeln sämtliche Ozeane und Meere der Erde – von tropischen Korallenriffen über gemäßigte Küstengewässer bis hin zu den eisigen Polarmeeren. Die größte Artenvielfalt findest du in den tropischen Gewässern des Indo-Pazifiks, insbesondere im sogenannten Korallendreieck zwischen den Philippinen, Indonesien und Papua-Neuguinea. Allein in diesem Gebiet kommen über 3.000 Fischarten vor.
Auch das Rote Meer, die Karibik und das Great Barrier Reef in Australien zählen zu den artenreichsten Meeresregionen. Selbst in den kühleren Gewässern des Mittelmeers und des Nordostatlantiks leben zahlreiche faszinierende Arten wie Zackenbarsche, Drachenköpfe und Meerbrassen. Die Verbreitung der einzelnen Arten hängt stark von Faktoren wie Wassertemperatur, Salinität, Strömung und dem Vorhandensein geeigneter Riffstrukturen ab.
Lebensweise
Die Lebensweisen von Salzwasserfischen sind so vielfältig wie die Ozeane selbst. Viele Riffbewohner sind tagaktiv und ernähren sich von Plankton, Algen oder kleinen Wirbellosen. Andere, wie Soldatenfische und Kardinalbarsche, sind nachtaktiv und verstecken sich tagsüber in Höhlen und Spalten. Zahlreiche Arten leben in festen Revieren, die sie energisch gegen Eindringlinge verteidigen – besonders Riffbarsche und Drückerfische sind für ihre Territorialität bekannt.
Besonders faszinierend sind die vielfältigen Sozialstrukturen: Fahnenbarsche leben in Harems mit einem dominanten Männchen und mehreren Weibchen, wobei das größte Weibchen bei Verlust des Männchens das Geschlecht wechselt. Putzerfische wie die Neon-Grundel betreiben Putzstationen, an denen größere Fische von Parasiten befreit werden. Manche Grundeln leben in Symbiose mit Knallkrebsen und teilen sich gemeinsame Wohnhöhlen.
Beliebte Arten für das Meerwasseraquarium
Zu den beliebtesten Salzwasserfischen in der Aquaristik gehören:
- Anemonenfische (Amphiprion spp.): Die Klassiker im Meerwasseraquarium, robust und farbenprächtig.
- Doktorfische (Acanthurus, Zebrasoma spp.): Farbenfrohe Algenfresser, die allerdings viel Schwimmraum benötigen.
- Fahnenbarsche (Pseudanthias spp.): Leuchtende Schwarmfische, die in Gruppen besonders eindrucksvoll wirken.
- Grundeln (Gobiidae): Kleine, interessante Bodenbewohner, ideal für Nano-Riffaquarien.
- Kaiserfische (Pomacanthus, Centropyge spp.): Majestätische Fische mit anspruchsvoller Haltung.
- Lippfische (Labridae): Vielfältige Familie mit vielen aquarientauglichen Arten.
- Kardinalbarsche (Apogonidae): Friedliche, oft nachtaktive Fische, gut für kleinere Becken geeignet.
Für Einsteiger eignen sich besonders robuste Arten wie Clownfische, Neon-Grundeln und Feuer-Grundeln, die auch kleinere Fehler bei den Wasserwerten verzeihen.
Haltung im Meerwasseraquarium
Die Haltung von Salzwasserfischen stellt höhere Anforderungen als die Süßwasseraquaristik, ist aber mit dem richtigen Wissen und der passenden Ausrüstung auch für engagierte Einsteiger machbar. Ein gut geplantes Meerwasseraquarium mit stabilen Wasserwerten ist die Grundvoraussetzung für gesunde Fische. Die Einlaufphase sollte mindestens 4–6 Wochen betragen, bevor du die ersten Fische einsetzt.
Bei der Auswahl der Fische solltest du auf die Verträglichkeit der Arten untereinander achten. Viele Meeresfische sind territorial und können gegenüber Artgenossen oder ähnlich aussehenden Arten aggressiv werden. Eine sorgfältige Besatzplanung ist daher unerlässlich. Setze neue Fische immer langsam ein und beachte die richtige Reihenfolge – friedliche Arten zuerst, territoriale Arten zuletzt. Die technische Ausstattung umfasst in der Regel einen leistungsstarken Eiweißabschäumer, eine Strömungspumpe, eine regelbare Heizung und hochwertige LED-Beleuchtung.
Fütterung
Die Ernährung von Meerwasserfischen ist vielfältig und artabhängig. Viele Arten sind Allesfresser, die sowohl pflanzliche als auch tierische Kost benötigen. Spezielle Meerwasser-Flocken, Granulate und Frostfutter (Artemia, Mysis, Krill) bilden die Grundlage der Fütterung. Algenfresser wie Doktorfische benötigen zusätzlich pflanzliche Kost in Form von Nori-Algenblättern oder Spirulina.
Besonders wichtig ist eine abwechslungsreiche Ernährung, die alle Nährstoffbedürfnisse abdeckt. Hochwertiges Frostfutter und gelegentlich Lebendfutter (z. B. Artemia-Nauplien) sorgen für eine optimale Versorgung. Achte darauf, nicht zu viel zu füttern – überschüssiges Futter belastet die Wasserqualität und fördert Algenwachstum. Mehrere kleine Fütterungen pro Tag sind besser als eine große Portion.
Quellen
- Fossa, S. A. & Nilsen, A. J. (2000): Das Korallenriff-Aquarium. Schmettkamp Verlag.
- FishBase – Umfassende Fischdatenbank – fishbase.se
- IUCN Red List of Threatened Species – iucnredlist.org
- Debelius, H. & Kuiter, R. H. (2007): Atlas der Meeresfische. Kosmos Verlag.
