Der Sardische Gebirgsmolch ist ein Endemit der Mittelmeerinsel Sardinien und damit einer der seltensten Molche Europas. Mit seinem abgeflachten Kopf und Körper ist er hervorragend an das Leben in schnellfließenden Bergbächen angepasst. Die Art ist durch Lebensraumverlust, Wasserentnahme und invasive Arten stark gefährdet.
| Wissenschaftlicher Name | Euproctus platycephalus |
| Ordnung | Schwanzlurche (Urodela) |
| Familie | Echte Salamander (Salamandridae) |
| Gattung | Euproctus |
| Größe | 10–15 cm |
| Gewicht | 5–12 g |
| Lebenserwartung | 10–15 Jahre |
| Verbreitung | Sardinien (Italien) |
| Lebensraum | Bergbäche, Quellgewässer |
| Schutzstatus | Stark gefährdet (EN) – IUCN |
Beschreibung & Aussehen
Der Sardische Gebirgsmolch erreicht eine Gesamtlänge von 10–15 cm und besitzt einen auffällig abgeflachten Kopf und Körper – eine Anpassung an das Leben unter Steinen in schnellfließenden Bächen. Die Grundfarbe ist braun bis olivbraun, manchmal mit undeutlichen dunkleren Flecken. Die Unterseite ist heller, cremefarben bis gelblich.
Die Haut ist relativ glatt mit feinen Körnchen. Der breite, abgeflachte Kopf (griechisch: platycephalus = Flachkopf) ist das namensgebende Merkmal der Art. Die Augen sind klein und seitlich angeordnet. Der Schwanz ist seitlich abgeflacht und dient als Ruder. Männchen besitzen eine etwas kräftigere Statur und zur Paarungszeit eine geschwollene Kloakenregion. Ein Rückenkamm wie bei den Kammmolchen fehlt vollständig.
Verbreitung & Lebensraum
Der Sardische Gebirgsmolch kommt ausschließlich auf der italienischen Insel Sardinien vor und ist damit ein strikter Endemit. Die Art lebt in den Bergregionen der Insel, hauptsächlich im Gennargentu-Massiv und angrenzenden Gebirgen, in Höhenlagen von 100 bis über 1.800 Metern.
Die Art bewohnt klare, kühle Bergbäche und Quellgewässer mit steinigem Untergrund und guter Wasserqualität. Sie bevorzugt schattige Gewässerabschnitte mit langsamer bis mäßiger Strömung und reichlich Versteckmöglichkeiten unter Steinen. Außerhalb des Wassers verbirgt sich der Sardische Gebirgsmolch unter Steinen, in Felsspalten und unter feuchtem Totholz in unmittelbarer Gewässernähe.
Lebensweise & Verhalten
Der Sardische Gebirgsmolch ist stark an das aquatische Leben angepasst und verbringt einen Großteil des Jahres im Wasser. Er ist überwiegend nachtaktiv und versteckt sich tagsüber unter Steinen im Bach oder am Ufer. Bei kühlem, feuchtem Wetter kann er gelegentlich auch tagsüber aktiv sein.
Während der heißen Sommermonate, wenn die Bäche teilweise austrocknen, kann die Art sich in tiefe Felsspalten und unter große Steine zurückziehen, um die Trockenperiode zu überdauern. Im Winter ist die Art auch bei niedrigen Temperaturen aktiv, solange die Gewässer nicht zufrieren – was auf Sardinien selten vorkommt. Der abgeflachte Körperbau ermöglicht es dem Molch, sich in engste Felsspalten zu zwängen.
Ernährung
Der Sardische Gebirgsmolch ernährt sich von aquatischen Wirbellosen. Zum Nahrungsspektrum gehören Mückenlarven, Eintagsfliegenlarven, Steinfliegen, Bachflohkrebse, kleine Schnecken und Würmer. Er lauert unter Steinen auf vorbeikommende Beute und ergreift sie mit einer schnellen Kopfbewegung.
In Gefangenschaft nimmst du die Art mit lebenden oder aufgetauten Mückenlarven, Tubifex, Bachflohkrebsen und kleinen Enchyträen an. Die Fütterung sollte 2–3 Mal pro Woche erfolgen. Wie bei allen bachlbewohnenden Molchen ist eine gute Wasserqualität essenziell – Futterreste sollten zeitnah entfernt werden.
Fortpflanzung
Die Fortpflanzung findet im Sommer statt (Juni–August), was ungewöhnlich ist, da die meisten europäischen Molche sich im Frühjahr fortpflanzen. Wie beim Pyrenäen-Gebirgsmolch erfolgt die Befruchtung durch eine Form der Kopulation: Das Männchen klammert sich mit dem Schwanz an das Weibchen und überträgt die Spermatophore direkt.
Das Weibchen legt 10–30 relativ große Eier unter Steine in fließendem Wasser ab. Die Larvenentwicklung dauert aufgrund der kühlen Wassertemperaturen mehrere Monate bis über ein Jahr. Die Jungmolche bleiben nach der Metamorphose meist in Gewässernähe. Die Geschlechtsreife wird mit 3–4 Jahren erreicht. Die niedrige Reproduktionsrate macht die Art besonders anfällig für Bestandsrückgänge.
Haltung im Aquarium
Der Sardische Gebirgsmolch ist ein anspruchsvoller Pflegling, der kühle Temperaturen und sauerstoffreiches Wasser benötigt. Ein Aquarium ab 80 × 40 cm mit einem Wasserstand von 10–15 cm, leichter Strömung und zahlreichen Steinen als Verstecke eignet sich für ein Paar. Die Wassertemperatur sollte 12–18 °C betragen und im Sommer nicht über 20 °C steigen.
Die Einrichtung sollte viele flache Steine, Schieferplatten und Kies umfassen. Ein leistungsfähiger Filter sorgt für klares Wasser. Gefüttert wird mit Mückenlarven, Tubifex und kleinen Bachflohkrebsen. WICHTIG: Diese Art ist als stark gefährdeter Endemit unter strengstem Schutz. Die Haltung ist nur unter besonderen Bedingungen und mit entsprechenden Genehmigungen möglich. Im Handel ist die Art praktisch nicht erhältlich.
Gefährdung & Schutzstatus
Der Sardische Gebirgsmolch wird von der IUCN als „Endangered" (stark gefährdet) eingestuft. Die Hauptbedrohungen sind die Wasserentnahme aus Bergbächen für die Landwirtschaft und Trinkwasserversorgung, die Einführung invasiver Forellen in Berggewässer, der Verlust von Waldlebensräumen und der Klimawandel, der zu häufigerem Austrocknen der Bäche führt.
Die Art ist durch die europäische FFH-Richtlinie (Anhang II und IV) und italienische Naturschutzgesetze streng geschützt. Im Gennargentu-Nationalpark und anderen sardischen Schutzgebieten werden Maßnahmen zum Erhalt der Bergbachhabitate durchgeführt. Die Entfernung invasiver Fischarten aus wichtigen Molchgewässern ist eine weitere Schutzpriorität.
Quellen
- AmphibiaWeb: Euproctus platycephalus – amphibiaweb.org
- IUCN Red List: Euproctus platycephalus – iucnredlist.org
- Lecis, R. & Norris, K. (2003): Habitat correlates of distribution and local population decline of the endemic Sardinian newt Euproctus platycephalus. Biological Conservation, 115, 303–317.
- Nöllert, A. & Nöllert, C. (1992): Die Amphibien Europas. Franckh-Kosmos Verlag.
