Der Sardische Scheibenzüngler ist ein mittelgroßer Froschlurch, der auf den westmediterranen Inseln Sardinien, Korsika und einigen Inseln des Toskanischen Archipels endemisch vorkommt. Mit seiner glänzenden, feuchten Haut und der variablen Zeichnung ist er ein charakteristischer Bewohner der mediterranen Inselfauna.
| Wissenschaftlicher Name | Discoglossus sardus |
| Ordnung | Froschlurche (Anura) |
| Familie | Scheibenzüngler (Alytidae) |
| Gattung | Discoglossus |
| Größe | 5–8 cm |
| Gewicht | 10–25 g |
| Lebenserwartung | 5–10 Jahre |
| Verbreitung | Sardinien, Korsika, Toskanischer Archipel, einige Hyères-Inseln |
| Lebensraum | Feuchte Habitate in Küstennähe, Bäche, Tümpel, Feuchtwiesen |
| Schutzstatus | Nicht gefährdet (LC) – IUCN |
Beschreibung & Aussehen
Der Sardische Scheibenzüngler erreicht eine Körperlänge von 5–8 cm und besitzt einen gedrungenen, leicht abgeflachten Körperbau. Die Haut ist im Vergleich zu echten Kröten relativ glatt und feucht glänzend, mit vereinzelten kleinen Warzen. Die Grundfärbung variiert stark – von hellbraun über olivgrün bis rötlichbraun, oft mit dunkleren Flecken oder einem hellen Mittelstreifen auf dem Rücken.
Charakteristisch für die Gattung Discoglossus ist die scheibenförmige Zunge, die im Gegensatz zu den meisten Fröschen nicht herausgeschleudert werden kann. Die Pupillen sind herzförmig bis dreieckig, was ein gutes Unterscheidungsmerkmal zu anderen Froschlurchen darstellt. Das Trommelfell ist undeutlich. Männchen bleiben etwas kleiner als Weibchen und entwickeln zur Paarungszeit dunkle Brunftschwielen an den Vorderbeinen.
Verbreitung & Lebensraum
Der Sardische Scheibenzüngler ist ein Inselendemit des westlichen Mittelmeerraums. Er kommt auf Sardinien, Korsika, den Inseln des Toskanischen Archipels (Montecristo, Giglio) sowie auf einigen der Hyères-Inseln vor der französischen Riviera vor. Auf dem europäischen Festland fehlt die Art vollständig.
Du findest ihn in einer Vielzahl feuchter Lebensräume in Küstennähe und im Tiefland bis in mittlere Höhenlagen. Er besiedelt Bachufer, Tümpel, Feuchtwiesen, Bewässerungskanäle und sogar Gartenteiche. Im Gegensatz zu vielen anderen Froschlurchen hält er sich auch tagsüber häufig in Wassernähe auf. Die Art ist relativ anspruchslos in Bezug auf die Wasserqualität und toleriert auch leicht brackiges Wasser.
Lebensweise & Verhalten
Der Sardische Scheibenzüngler ist sowohl tag- als auch nachtaktiv und damit häufiger zu beobachten als viele andere Froschlurche. Er hält sich bevorzugt in Gewässernähe auf und flüchtet bei Störung ins Wasser. Die Art ist sehr gewandter Schwimmer und taucht bei Gefahr sofort unter.
In den warmen Sommermonaten kann er eine Sommerruhe (Ästivation) einlegen, wenn seine Gewässer austrocknen. In milden Wintern bleibt die Art aktiv, bei Kälteeinbrüchen zieht sie sich in feuchte Verstecke zurück. Die Fortpflanzungsperiode kann sich bei günstigen Bedingungen über fast das gesamte Jahr erstrecken, was auf den mediterranen Inseln mit mildem Klima häufig der Fall ist.
Ernährung
Der Sardische Scheibenzüngler ernährt sich von einer Vielzahl kleiner Wirbelloser. Zu seiner Hauptnahrung zählen Insekten, Spinnen, Schnecken, Regenwürmer und Asseln. Da er seine Zunge nicht herausschleudern kann, packt er die Beute direkt mit dem Maul – ein ursprünglicheres Fressverhalten als bei den meisten modernen Froschlurchen.
Die Kaulquappen ernähren sich von Algen, Detritus und Biofilmen, die sie von Steinen und Pflanzen abweiden. In Gefangenschaft akzeptieren adulte Tiere Grillen, Heimchen, kleine Regenwürmer und Fliegenlarven bereitwillig.
Fortpflanzung
Der Sardische Scheibenzüngler hat eine ungewöhnlich lange Fortpflanzungsperiode, die unter günstigen Bedingungen von Herbst bis Frühsommer reichen kann. Die Männchen rufen mit leisen, klickenden Lauten, die unter Wasser abgegeben werden und an leises Klopfen erinnern. Der Amplexus (Klammergriff) erfolgt in der Lendengegend (inguinal).
Die Weibchen legen 300–1.000 Eier in kleinen Klumpen am Gewässergrund ab, oft an Steinen oder Pflanzen befestigt. Die Kaulquappen schlüpfen nach wenigen Tagen und entwickeln sich je nach Wassertemperatur innerhalb von 4–8 Wochen zu kleinen Fröschen. Bei günstigen Bedingungen können mehrere Gelege pro Jahr abgesetzt werden.
Haltung im Terrarium
Der Sardische Scheibenzüngler kann in einem Aquaterrarium gehalten werden, das einen großen Wasserteil und einen kleineren Landteil bietet. Ein Becken ab 60 × 40 × 40 cm eignet sich für ein kleines Paar. Der Wasserteil sollte flach sein (10–15 cm) mit Ausstiegsmöglichkeiten. Der Landteil kann mit feuchter Erde, Moos und Korkrinde gestaltet werden.
Die Temperatur sollte tagsüber bei 18–24 °C liegen. Im Sommer kann es etwas wärmer sein, im Winter empfiehlt sich eine kühle Ruhephase bei 8–12 °C über 2–3 Monate. Gefüttert wird mit Grillen, Heimchen, Fliegen und kleinen Regenwürmern. Beachte, dass die Art in der EU unter dem Schutz der Berner Konvention und der FFH-Richtlinie steht – eine Haltung ist nur mit legal erworbenen Nachzuchten möglich.
Gefährdung & Schutzstatus
Der Sardische Scheibenzüngler wird von der IUCN als „Least Concern" (nicht gefährdet) eingestuft. Die Populationen sind auf Sardinien und Korsika insgesamt stabil. Allerdings ist die Art durch ihr begrenztes Inselverbreitungsgebiet prinzipiell verwundbar gegenüber Umweltveränderungen.
Lokale Bedrohungen bestehen durch die Zerstörung von Feuchtgebieten, Wasserentnahme für die Landwirtschaft und die Einführung invasiver Arten. Der Chytridpilz stellt eine potenzielle Gefahr dar. Die Art ist durch die Berner Konvention (Anhang II) und die FFH-Richtlinie der EU (Anhang IV) geschützt.
Quellen
- AmphibiaWeb: Discoglossus sardus – amphibiaweb.org
- IUCN Red List: Discoglossus sardus – iucnredlist.org
- Nöllert, A. & Nöllert, C. (1992): Die Amphibien Europas. Franckh-Kosmos Verlag.
- Lanza, B. et al. (2007): Fauna d'Italia – Amphibia. Edizioni Calderini.
- Sillero, N. et al. (2014): Updated distribution and biogeography of amphibians and reptiles of Europe. Amphibia-Reptilia, 35(1), 1–31.
