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Saugschmerle (Gyrinocheilus aymonieri)

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Saugschmerle (Gyrinocheilus aymonieri)

Bildquelle: Joan Carles Juarez / shutterstock.com

Zusammenfassung

Die Saugschmerle wird oft als fleißiger Algenfresser verkauft, entwickelt sich aber mit zunehmendem Alter zu einem territorialen und oft aggressiven Fisch, der zudem das Interesse an Algen verliert. Diese Diskrepanz zwischen Jungtier und adultem Verhalten macht sie zu einem der am häufigsten missverstandenen Aquarienfische.

Die Saugschmerle wird oft als fleißiger Algenfresser verkauft, entwickelt sich aber mit zunehmendem Alter zu einem territorialen und oft aggressiven Fisch, der zudem das Interesse an Algen verliert. Diese Diskrepanz zwischen Jungtier und adultem Verhalten macht sie zu einem der am häufigsten missverstandenen Aquarienfische.

Steckbrief: Saugschmerle (Gyrinocheilus aymonieri)
Wissenschaftlicher NameGyrinocheilus aymonieri
OrdnungKarpfenartige (Cypriniformes)
FamilieSaugschmerlen (Gyrinocheilidae)
GattungGyrinocheilus
Größe15–28 cm
Gewicht50–200 g
Lebenserwartung10–15 Jahre
VerbreitungSüdostasien (Thailand, Laos, Kambodscha, Vietnam)
LebensraumFließende Gewässer mit steinigem Untergrund, Stromschnellen
SchutzstatusNicht gefährdet (LC) – IUCN
Aquariumab 200 Liter
Temperatur24–28 °C
pH-Wert6,0–8,0
Wasserhärte5–20 °dGH

Beschreibung & Aussehen

Die Saugschmerle besitzt einen langgestreckten, torpedoförmigen Körper, der im Aquarium 15–28 cm lang werden kann. Die Wildform zeigt eine grünlich-braune bis olivfarbene Grundfärbung mit einem dunklen Längsband und zahlreichen kleinen Flecken. Im Handel sind auch goldene und albinofarbene Zuchtformen (oft als „Gold-Algenfresser" verkauft) weit verbreitet.

Das markanteste Merkmal ist das unterständige Saugmaul, das eine einzigartige Konstruktion aufweist: Die Saugschmerle kann gleichzeitig atmen und saugen, da sie Wasser durch eine spezielle Öffnung oberhalb der Kiemen einströmen lässt, während das Maul fest an einer Oberfläche haftet. Diese Anpassung ermöglicht es ihr, sich auch in stärkster Strömung an Steinen festzuhalten.

Verbreitung & Lebensraum

Die Saugschmerle stammt aus Südostasien und kommt natürlich in Thailand, Laos, Kambodscha und Vietnam vor. Sie besiedelt dort die Flusssysteme des Mekong, Chao Phraya und Mae Klong. Die Art ist in ihrem Verbreitungsgebiet häufig und wird auch kommerziell in Fischfarmen gezüchtet.

In der Natur lebt die Saugschmerle in fließenden Gewässern mit steinigem oder felsigem Untergrund, wo sie Algenbeläge von den Oberflächen abweidet. Während der Regenzeit wandert sie in überflutete Gebiete. Die Art bevorzugt sauerstoffreiches, klares Wasser mit moderater bis starker Strömung und kommt in Gewässern vom Tiefland bis in mittlere Höhenlagen vor.

Lebensweise & Verhalten

Die Saugschmerle zeigt ein dramatisch verändertes Verhalten im Laufe ihres Lebens. Jungtiere sind friedliche, fleißige Algenfresser, die den ganzen Tag damit verbringen, Oberflächen abzuweiden. Mit zunehmendem Alter und Größe werden die Tiere jedoch zunehmend territorial und aggressiv – besonders gegenüber Artgenossen und ähnlich geformten Fischen.

Adulte Saugschmerlen verteidigen ihr Revier vehement und können andere Fische durch ständiges Verfolgen und Attackieren erheblich stressen. Besonders problematisch: Ältere Tiere verlieren oft das Interesse an Algen und beginnen stattdessen, sich von Schleimhaut und Schuppen anderer Fische zu ernähren, indem sie sich an deren Körper festsaugen. Dieses Verhalten macht sie zu ausgesprochen schwierigen Gesellschaftsfischen.

Ernährung

Jungtiere ernähren sich hauptsächlich von Algenaufwuchs, Biofilmen und Mikroorganismen, die sie von Steinen, Scheiben und anderen harten Oberflächen abraspeln. In dieser Phase sind sie tatsächlich effektive Algenfresser, die Grünalgen und Kieselalgen zuverlässig entfernen.

Mit zunehmendem Alter verschiebt sich die Ernährungsweise. Adulte Tiere nehmen vermehrt tierische Nahrung auf und können beginnen, sich am Schleim und den Schuppen anderer Fische zu bedienen. Im Aquarium solltest du neben Algentabletten und Spirulina auch Gemüse (Gurke, Zucchini), Flockenfutter und gelegentlich Frostfutter anbieten. Eine ausreichende pflanzliche Ernährung kann das problematische Saugverhalten an Beifischen zumindest reduzieren.

Fortpflanzung

Die Nachzucht der Saugschmerle im Aquarium ist nicht dokumentiert. In kommerziellen Zuchtanlagen in Südostasien wird die Fortpflanzung durch Hormongaben ausgelöst. In der Natur laicht die Art vermutlich während der Regenzeit in fließenden Gewässern.

Die Eier werden frei ins Wasser abgegeben und zwischen Steinen und Kies abgelegt. Es findet keine Brutpflege statt. Die Unterscheidung der Geschlechter ist äußerlich schwierig, wobei geschlechtsreife Weibchen etwas fülliger wirken als Männchen. Über die Laichbiologie in der Natur ist insgesamt wenig bekannt.

Haltung im Aquarium

Für die Haltung einer Saugschmerle benötigst du ein Aquarium ab 200 Litern mit guter Strömung und zahlreichen Steinen sowie Wurzeln, die Revierstrukturen und Oberflächen zum Beweiden bieten. Eine einzelne Haltung ist empfehlenswert, da die Art gegenüber Artgenossen besonders aggressiv wird. Mehrere Tiere in einem Becken führen fast unweigerlich zu schweren Konflikten.

Die Wassertemperatur sollte bei 24–28 °C liegen, der pH-Wert bei 6,0–8,0 – die Art ist diesbezüglich tolerant. Bedenke vor dem Kauf, dass die niedlichen Jungtiere zu großen, aggressiven Fischen heranwachsen, die andere Bewohner ernsthaft belästigen können. Viele Aquarianer bereuen den Kauf, wenn das Tier erwachsen wird. Die Vergesellschaftung mit robusten, wehrhaften Arten ist am ehesten möglich.

Gefährdung & Schutzstatus

Die Saugschmerle wird von der IUCN als „Least Concern" (nicht gefährdet) eingestuft. Die Art ist in Südostasien weit verbreitet und häufig. Sie wird in großen Mengen in Fischfarmen gezüchtet, sowohl für den Aquarienhandel als auch für den lokalen Speisefischmarkt.

In Thailand ist die Art ein wichtiger Zuchtfisch. Lokale Bedrohungen bestehen durch Staudammbau und Wasserverschmutzung, die jedoch die Gesamtpopulation bislang nicht gefährden. Im Aquarienhandel werden fast ausschließlich Nachzuchten angeboten.

Quellen

  1. FishBase: Gyrinocheilus aymonierifishbase.se
  2. Seriously Fish: Gyrinocheilus aymonieriseriouslyfish.com
  3. IUCN Red List: Gyrinocheilus aymonieriiucnredlist.org
  4. Rainboth, W. J. (1996): Fishes of the Cambodian Mekong. FAO Species Identification Field Guide.
  5. Riehl, R. & Baensch, H. A. (2002): Aquarien Atlas. Mergus Verlag.

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