Die Schachbrettschmerle ist die kleinste und zugleich geselligste Art der Prachtschmerlen-Verwandtschaft. Mit ihrem markanten Schachbrettmuster aus schwarzen und goldgelben Feldern und ihrem für Schmerlen untypisch lebhaften, schwimmfreudigen Verhalten ist sie ein außergewöhnlicher Aquarienbewohner. Leider ist sie in der Natur stark gefährdet.
| Wissenschaftlicher Name | Yasuhikotakia sidthimunki |
| Ordnung | Karpfenartige (Cypriniformes) |
| Familie | Prachtschmerlen (Botiidae) |
| Gattung | Yasuhikotakia |
| Größe | 5–6 cm |
| Gewicht | 3–6 g |
| Lebenserwartung | 8–12 Jahre |
| Verbreitung | Thailand (Mekong-Einzugsgebiet) |
| Lebensraum | Langsam fließende Flüsse und saisonale Überschwemmungsgebiete |
| Schutzstatus | Stark gefährdet (EN) – IUCN |
| Aquarium | ab 80 Liter |
| Temperatur | 24–28 °C |
| pH-Wert | 6,0–7,5 |
| Wasserhärte | 2–12 °dGH |
Beschreibung & Aussehen
Die Schachbrettschmerle ist mit nur 5–6 cm eine der kleinsten Prachtschmerlen überhaupt. Ihr Körper ist langgestreckt und seitlich leicht abgeflacht. Die auffällige Zeichnung besteht aus alternierenden schwarzen und goldgelben Feldern auf der oberen Körperhälfte, die ein unverwechselbares Schachbrettmuster bilden. Die Unterseite ist einheitlich hell.
Der Kopf trägt vier Paar Barteln, die typisch für Schmerlen sind. Unter dem Auge befindet sich ein kleiner, aufrichtbarer Dorn (Suborbitaldorn), der zur Verteidigung eingesetzt werden kann – Vorsicht beim Keschern! Die Flossen sind transparent bis gelblich. Geschlechtsunterschiede sind äußerlich kaum erkennbar, wobei laichreife Weibchen etwas fülliger wirken.
Verbreitung & Lebensraum
Die Schachbrettschmerle kommt ausschließlich in Thailand im Einzugsgebiet des Mekong vor. Ihr Verbreitungsgebiet ist auf wenige Flusssysteme im Nordosten des Landes beschränkt. Die Art galt zeitweise als möglicherweise ausgestorben in der Natur, wurde aber in einigen Gewässern wiederentdeckt.
In ihrer Heimat besiedelt sie langsam fließende Flussabschnitte und saisonale Überschwemmungsgebiete mit sandigem oder schlammigem Untergrund. Während der Trockenzeit zieht sie sich in die verbliebenen tieferen Flussabschnitte zurück. Die Gewässer sind warm, mäßig hart und haben eine reiche Unterwasservegetation.
Lebensweise & Verhalten
Die Schachbrettschmerle unterscheidet sich im Verhalten deutlich von den meisten anderen Schmerlen: Sie ist tagaktiv, schwimmt frei im Mittelwasser und ist ständig in Bewegung. Während andere Schmerlen oft nachtaktiv und bodenorientiert sind, zeigt die Schachbrettschmerle ein salmlerartiges Schwimmverhalten und hält sich bevorzugt im Schwarm in der freien Wassersäule auf.
Die Art ist extrem gesellig und muss in Gruppen von mindestens 6, besser 10 oder mehr Tieren gehalten werden. Einzeln gehaltene oder in zu kleinen Gruppen lebende Tiere werden scheu, stressanfällig und verstecken sich dauerhaft. In großen Gruppen zeigen die Tiere ein faszinierendes Schwarmverhalten mit ständigen, koordinierten Bewegungen. Gegenüber anderen Fischarten ist die Schachbrettschmerle ausgesprochen friedlich.
Ernährung
In der Natur ernährt sich die Schachbrettschmerle omnivor von kleinen Wirbellosen, Insektenlarven und organischem Material, das sie im Bodengrund und an Pflanzen aufstöbert. Sie durchsucht den Sand systematisch mit ihren empfindlichen Barteln nach fressbaren Partikeln.
Im Aquarium ist sie ein problemloser Allesfresser. Hochwertiges Flockenfutter, sinkendes Granulat und Tabletten werden gerne angenommen. Ergänze den Speiseplan mit Frostfutter wie Artemia, Mückenlarven und Daphnien sowie mit lebenden Schnecken, die begeistert geknackt und gefressen werden. Die Schachbrettschmerle hilft so auch bei der Kontrolle von Schneckenplagen.
Fortpflanzung
Die Nachzucht der Schachbrettschmerle im Aquarium ist äußerst selten und kaum dokumentiert. Wie andere Botiiden ist die Art ein Freilaicher, der seine Eier im offenen Wasser abgibt. In kommerziellen Zuchtanlagen in Thailand wird die Fortpflanzung durch Hormonstimulation ausgelöst.
In der Natur laicht die Art vermutlich während der Regenzeit, wenn die Flüsse anschwellen und die Fische in die Überschwemmungsgebiete wandern. Die Eier werden im Freiwasser abgegeben und treiben mit der Strömung. Eine erfolgreiche Zucht im Hobbyaquarium wäre angesichts des Gefährdungsstatus der Art von großem Wert, ist aber bislang praktisch nicht gelungen.
Haltung im Aquarium
Für eine Gruppe von mindestens 6–10 Schachbrettschmerlen benötigst du ein Aquarium ab 80 Litern mit einer Kantenlänge von mindestens 80 cm. Richte es mit feinem Sand als Bodengrund, Wurzeln, Steinen und einer dichten Bepflanzung ein, die genügend freien Schwimmraum in der Mitte lässt. Versteckmöglichkeiten aus Höhlen und Spalten sind wichtig als Rückzugsorte.
Die Wassertemperatur sollte bei 24–28 °C liegen, der pH-Wert bei 6,0–7,5 und die Gesamthärte bei 2–12 °dGH. Eine leichte Strömung wird geschätzt. Die Schachbrettschmerle ist ein idealer Gesellschaftsfisch, der sich mit praktisch allen friedlichen Arten vergesellschaften lässt. Besonders harmonisch ist die Kombination mit Salmlern, kleinen Bärblingen und Panzerwelsen. Achte auf eine dichte Abdeckung, da Schmerlen gelegentlich springen.
Gefährdung & Schutzstatus
Die Schachbrettschmerle wird von der IUCN als „Endangered" (stark gefährdet) eingestuft. Die Wildpopulationen in Thailand sind durch Habitatverlust, Staudammprojekte und die intensive Reislandwirtschaft drastisch zurückgegangen. Die Art galt zeitweise als möglicherweise ausgestorben in der Natur.
Im Aquarienhandel sind praktisch ausschließlich Nachzuchten aus thailändischen Zuchtfarmen erhältlich – dies ist positiv, da kein zusätzlicher Druck auf die Wildbestände entsteht. Beim Kauf solltest du unbedingt auf Nachzuchten achten. Der Schutz der verbliebenen natürlichen Habitate im Mekong-Einzugsgebiet ist für das Überleben der Wildpopulationen entscheidend.
Quellen
- FishBase: Yasuhikotakia sidthimunki – fishbase.se
- IUCN Red List: Yasuhikotakia sidthimunki – iucnredlist.org
- Seriously Fish: Yasuhikotakia sidthimunki – seriouslyfish.com
- Kottelat, M. (2012): Conspectus Cobitidum – An Inventory of the Loaches of the World. Raffles Bulletin of Zoology, Supplement 26.
- Riehl, R. & Baensch, H. A. (2002): Aquarien Atlas. Mergus Verlag.
