Der Scheibenzüngler ist ein mittelgroßer, wasserliebender Froschlurch aus Nordwestafrika und dem westlichen Mittelmeerraum. Sein Name leitet sich von seiner scheibenförmigen Zunge ab, die fest im Maul verwachsen ist und nicht wie bei den meisten Fröschen herausgeschleudert werden kann. Die Art ist bemerkenswert anpassungsfähig und hat sich in Südfrankreich als eingebürgerte Art etabliert.
| Wissenschaftlicher Name | Discoglossus pictus |
| Ordnung | Froschlurche (Anura) |
| Familie | Scheibenzüngler (Alytidae) |
| Gattung | Discoglossus |
| Größe | 5–7 cm |
| Gewicht | 8–20 g |
| Lebenserwartung | 5–10 Jahre |
| Verbreitung | Nordwestafrika, Sizilien, Malta, eingebürgert in Südfrankreich |
| Lebensraum | Feuchte Habitate, Bäche, Tümpel, Bewässerungskanäle |
| Schutzstatus | Nicht gefährdet (LC) – IUCN |
Beschreibung & Aussehen
Der Scheibenzüngler erreicht eine Körperlänge von 5–7 cm und hat einen kompakten, leicht abgeflachten Körperbau. Die Haut ist relativ glatt und feucht, mit vereinzelten kleinen Warzen und Drüsen. Die Grundfärbung ist äußerst variabel – von hellbraun über olivgrün bis dunkelbraun. Viele Exemplare zeigen dunkle Flecken, helle Längsstreifen oder eine marmorierte Zeichnung.
Es werden drei Farbmorphen unterschieden: eine einheitlich braune, eine gefleckte und eine gestreifte Variante. Die Pupillen sind herzförmig bis tropfenförmig, was ein wichtiges Unterscheidungsmerkmal zu ähnlichen Froschlurchen darstellt. Das Trommelfell ist undeutlich oder äußerlich nicht sichtbar. Männchen besitzen zur Paarungszeit dunkle Brunftschwielen an den Vorderbeinen und der Brust.
Verbreitung & Lebensraum
Der Scheibenzüngler stammt ursprünglich aus Nordwestafrika (Marokko, Algerien, Tunesien) und kommt natürlich auch auf Sizilien und Malta vor. In den 1900er-Jahren wurde er in Südfrankreich (Département Pyrénées-Orientales) eingeführt, wo er sich seitdem erfolgreich ausgebreitet hat.
Die Art ist sehr wassergebunden und selten weit von Gewässern entfernt anzutreffen. Du findest sie an Bächen, Flüssen, Tümpeln, Bewässerungskanälen, Brunnen und sogar in Kläranlagen. Sie toleriert ein breites Spektrum von Wasserqualitäten und kommt auch in leicht brackigem Wasser vor. Im Gegensatz zu vielen anderen Froschlurchen ist sie stark an aquatische Lebensräume gebunden.
Lebensweise & Verhalten
Der Scheibenzüngler ist sowohl tag- als auch nachtaktiv und kann bei günstigen Bedingungen das ganze Jahr über beobachtet werden. Er hält sich meist direkt am oder im Wasser auf und taucht bei Störung sofort unter. Die Art ist ein gewandter Schwimmer, der sich auch längere Zeit unter Wasser aufhalten kann.
In Nordafrika kann er bei extremer Hitze eine Sommerruhe einlegen. In den kühleren europäischen Verbreitungsgebieten hält er eine kurze Winterruhe in frostfreien Verstecken. Bemerkenswert ist seine hohe Reproduktionsrate: Unter günstigen Bedingungen können bis zu drei Laichperioden pro Jahr stattfinden, was seine Fähigkeit zur schnellen Besiedlung neuer Habitate erklärt.
Ernährung
Der Scheibenzüngler ernährt sich von einer Vielzahl kleiner Wirbelloser. Zu seiner Beute zählen Insekten und deren Larven, Spinnen, Schnecken, Würmer und Asseln. Da er seine Zunge nicht herausschleudern kann, schnappt er die Beute direkt mit dem Maul – ein erdgeschichtlich altes Fressverhalten, das an die Vorfahren der modernen Froschlurche erinnert.
Im Wasser fängt er auch aquatische Insektenlarven, Kleinkrebse und andere Wasserorganismen. Die Kaulquappen sind Allesfresser, die Algen, Detritus und auch tierisches Material wie Aas und kleine Larven fressen.
Fortpflanzung
Der Scheibenzüngler kann unter günstigen klimatischen Bedingungen nahezu ganzjährig laichen, mit Schwerpunkten im Frühjahr und Herbst. Die Männchen rufen mit leisen, repetitiven Klicklauten, die unter Wasser abgegeben werden. Der Amplexus erfolgt in der Lendengegend (inguinal), was für die Familie der Scheibenzüngler typisch ist.
Die Weibchen legen 200–1.000 Eier in kleinen Gruppen direkt auf dem Gewässergrund ab, die an Steinen oder Pflanzen haften. Die Kaulquappen schlüpfen nach wenigen Tagen und metamorphosieren je nach Wassertemperatur innerhalb von 4–10 Wochen. Die Jungtiere sind bei der Umwandlung etwa 1,5 cm groß. Die hohe Reproduktionsrate ist ein Schlüsselfaktor für die Ausbreitungsfähigkeit der Art.
Haltung im Terrarium
Der Scheibenzüngler eignet sich gut für die Haltung im Aquaterrarium. Ein Becken ab 60 × 40 × 40 cm mit einem dominierenden Wasserteil (50–70 % der Grundfläche) und einem Landteil mit feuchter Erde und Verstecken ist ideal. Der Wasserstand sollte 10–15 cm betragen, mit Ausstiegshilfen aus Steinen oder Korkrinde.
Die Temperatur sollte bei 18–24 °C liegen, im Winter kann eine kühle Phase bei 8–12 °C eingelegt werden. Ein leichter Filter im Wasserteil hält die Wasserqualität aufrecht. Gefüttert wird mit Grillen, Heimchen, Fliegen, kleinen Regenwürmern und Asseln. Die Art ist relativ pflegeleicht und eignet sich auch für engagierte Einsteiger. In der EU ist die Haltung legal erworbener Nachzuchten möglich.
Gefährdung & Schutzstatus
Der Scheibenzüngler wird von der IUCN als „Least Concern" (nicht gefährdet) eingestuft. In seinem nordafrikanischen Kernverbreitungsgebiet ist er häufig und anpassungsfähig. Die eingebürgerte Population in Südfrankreich wächst stetig und breitet sich weiter aus.
Auf Sizilien und Malta können lokale Bedrohungen durch Habitatverlust und Wasserverschmutzung bestehen. Die Art profitiert von ihrem generalistischen Lebensstil und ihrer hohen Reproduktionsrate. In der EU ist sie durch die Berner Konvention (Anhang II) und die FFH-Richtlinie (Anhang IV) geschützt, auch wenn sie insgesamt nicht als gefährdet gilt.
Quellen
- AmphibiaWeb: Discoglossus pictus – amphibiaweb.org
- IUCN Red List: Discoglossus pictus – iucnredlist.org
- Nöllert, A. & Nöllert, C. (1992): Die Amphibien Europas. Franckh-Kosmos Verlag.
- Pough, F. H. et al. (2015): Herpetology. 4th Edition. Sinauer Associates.
- Sillero, N. et al. (2014): Updated distribution and biogeography of amphibians and reptiles of Europe. Amphibia-Reptilia, 35(1), 1–31.
