Frösche

Schnabelkopf-Laubfrosch (Hemiphractus bubalus)

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Schnabelkopf-Laubfrosch (Hemiphractus bubalus)

Bildquelle: Dr Morley Read / shutterstock.com

Zusammenfassung

Der Schnabelkopf-Laubfrosch ist ein bizarr aussehender Frosch aus den Bergwäldern Ecuadors und Kolumbiens. Sein helmartiger Kopf mit knöchernen Auswüchsen und der breite, abgeflachte Schädel machen ihn unverwechselbar. Besonders bemerkenswert ist seine Fortpflanzungsstrategie: Das Weibchen trägt die Eier und Kaulquappen auf seinem Rücken, bis die Jungtiere vollständig entwickelt sind.

Der Schnabelkopf-Laubfrosch ist ein bizarr aussehender Frosch aus den Bergwäldern Ecuadors und Kolumbiens. Sein helmartiger Kopf mit knöchernen Auswüchsen und der breite, abgeflachte Schädel machen ihn unverwechselbar. Besonders bemerkenswert ist seine Fortpflanzungsstrategie: Das Weibchen trägt die Eier und Kaulquappen auf seinem Rücken, bis die Jungtiere vollständig entwickelt sind.

Steckbrief: Schnabelkopf-Laubfrosch (Hemiphractus bubalus)
Wissenschaftlicher NameHemiphractus bubalus
OrdnungFroschlurche (Anura)
FamilieHemiphractidae
GattungHemiphractus
Größe4–7 cm
Gewicht10–25 g
Lebenserwartung5–10 Jahre
VerbreitungEcuador, Kolumbien (Westanden)
LebensraumTropische Bergwälder, Nebelwälder (1.000–2.500 m)
SchutzstatusStark gefährdet (EN) – IUCN

Beschreibung & Aussehen

Der Schnabelkopf-Laubfrosch erreicht eine Körperlänge von 4–7 cm und fällt durch seinen ungewöhnlichen Kopf auf. Der Schädel ist stark verknöchert, breit und abgeflacht, mit helmartigen knöchernen Kämmen über den Augen. Die Schnauze ist dreieckig und spitz – fast schnabelartig –, was dem Frosch seinen deutschen Namen verleiht.

Die Färbung ist variabel, meist in Brauntönen von hellbraun bis dunkelbraun, mit einem blattähnlichen Muster, das der Tarnung dient. Die Oberseite ist rau und warzig. Die Augen sind groß mit einer kupferfarbenen Iris. Die Finger und Zehen tragen kleine Haftscheiben und sind teilweise mit Hautsäumen versehen. Weibchen besitzen einen vergrößerten Rücken mit speziellen Hauttaschen für die Brutpflege.

Verbreitung & Lebensraum

Der Schnabelkopf-Laubfrosch kommt in den Bergwäldern der Westanden Ecuadors und Kolumbiens vor, in Höhenlagen von 1.000–2.500 Metern. Sein Verbreitungsgebiet ist fragmentiert und auf wenige Bergwaldregionen beschränkt.

Er bewohnt feuchte tropische Bergwälder und Nebelwälder mit dichtem Unterwuchs und hoher Luftfeuchtigkeit. Du findest ihn bevorzugt auf Ästen und Blättern in der mittleren Vegetationsschicht, wo er sich dank seiner Tarnung kaum vom Untergrund abhebt. Die Art ist an kühle, feuchte Bedingungen angepasst und meidet trockene oder stark gestörte Habitate.

Lebensweise & Verhalten

Der Schnabelkopf-Laubfrosch ist nachtaktiv und ein Lauerjäger, der regungslos auf Ästen und Blättern sitzt und auf Beute wartet. Seine Tarnung ist ausgezeichnet und macht ihn auf moosbedeckten Ästen praktisch unsichtbar. Er bewegt sich langsam und bedächtig durch die Vegetation.

Ungewöhnlich für Laubfrösche ist sein aggressives Verhalten bei Bedrohung: Er öffnet sein breites Maul weit und kann kraftvoll zubeißen – die Kiefer sind für einen Frosch erstaunlich stark und mit kleinen, zahnartigen Strukturen (Odontoidfortsätze) versehen. Dieses Verhalten dient sowohl der Verteidigung als auch dem Beutefang.

Ernährung

Der Schnabelkopf-Laubfrosch ist ein Lauerjäger, der eine Vielzahl von Wirbellosen und sogar kleine Wirbeltiere erbeutet. Große Insekten, Spinnen und insbesondere andere Frösche gehören zu seiner Nahrung. Sein breites Maul und die kräftigen Kiefer ermöglichen es ihm, auch relativ große Beutetiere zu verschlingen.

Im Terrarium fütterst du ihn mit großen Grillen, Heuschrecken und gelegentlich kleinen Fröschen (aus Zucht). Die Futtertiere sollten mit Kalzium bestäubt werden. Da er ein Lauerjäger ist, frisst er nur lebende Beute, die sich vor ihm bewegt.

Fortpflanzung

Die Fortpflanzung des Schnabelkopf-Laubfrosches ist höchst ungewöhnlich und für die Familie Hemiphractidae typisch. Nach der Paarung werden die befruchteten Eier auf den Rücken des Weibchens gedrückt, wo sie in speziellen Hauttaschen eingebettet werden.

Die gesamte Larvenentwicklung findet auf dem Rücken der Mutter statt – es gibt kein freilebendes Kaulquappenstadium. Die Embryonen ernähren sich vom Dotter und entwickeln sich direkt zu kleinen Fröschen, die nach einigen Wochen als fertige Miniaturausgaben der Eltern den Rücken der Mutter verlassen. Diese direkte Entwicklung ist eine Anpassung an das Leben in Bergwäldern, wo geeignete Gewässer knapp sein können.

Haltung im Terrarium

Die Haltung des Schnabelkopf-Laubfrosches ist sehr anspruchsvoll und nur erfahrenen Terrarianern zu empfehlen. Ein Regenwaldterrarium ab 50 × 40 × 50 cm mit Kletterästen, Moos, Bromelien und hoher Luftfeuchtigkeit ist erforderlich. Die Temperatur sollte tagsüber 18–22 °C betragen – deutlich kühler als bei den meisten tropischen Fröschen.

Die Luftfeuchtigkeit muss konstant bei 80–100 % liegen, bei gleichzeitig guter Belüftung. Die Art ist im europäischen Handel extrem selten und kommt fast ausschließlich in spezialisierten Sammlungen vor. Aufgrund des bedrohten Status sollte die Haltung nur mit Nachzuchten aus verantwortungsvollen Zuchtprogrammen erfolgen.

Gefährdung & Schutzstatus

Der Schnabelkopf-Laubfrosch wird von der IUCN als „Endangered" (stark gefährdet) eingestuft. Die Hauptbedrohung ist der massive Verlust der Bergwälder in Ecuador und Kolumbien durch Abholzung, Landwirtschaft (besonders Viehzucht) und Bergbau.

Die fragmentierten Restpopulationen sind isoliert und genetisch verarmt. Zusätzlich stellt der Chytridpilz eine potenzielle Bedrohung dar, da Bergwaldarten besonders anfällig für diese Krankheit sind. Schutzmaßnahmen umfassen die Einrichtung von Waldschutzgebieten und Wiederaufforstungsprojekte in den Westanden. Die Art profitiert von Schutzgebieten wie dem Mindo-Nambillo-Schutzwald.

Quellen

  1. AmphibiaWeb: Hemiphractus bubalusamphibiaweb.org
  2. IUCN Red List: Hemiphractus bubalusiucnredlist.org
  3. Duellman, W. E. (2015): Marsupial Frogs: Gastrotheca & Allied Genera. Johns Hopkins University Press.
  4. del Pino, E. M. (2018): The extraordinary biology and development of marsupial frogs. Annual Review of Cell and Developmental Biology, 34, 371–392.
  5. Frost, D. R. (2024): Amphibian Species of the World. American Museum of Natural History – amphibiansoftheworld.amnh.org

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